Wolfgang Chur und Albrecht Rittmann: Der Landgasthof.

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Wolfgang Chur und Albrecht Rittmann: Der Landgasthof.

Titelblatt

Eine kulinarisch-kulturgeschichtliche Reise zu ausgewählten Wirtshäusern in Baden-Württemberg

267 S., gebunden, zahlreiche, meist farbige Abb., Bechtle Verlag Esslingen 2013. ISBN 978-3-7628-0584-7, € 34,90.

Die Autoren betreten den Ort des Geschehens zunächst ein wenig resignierend: Wir können den Niedergang der Institution Landgasthof zwar nicht aufhalten, sagen sie, um dann aber anzufügen: … aber wir können zeigen, welches wichtige Kulturgut unseres Landes verschwindet, wenn die Entwicklung so weitergeht. Mit „Entwicklung“ meinen sie das Gasthof-Sterben im ländlichen Raum, und mit der Frage auf den Lippen: Warum verschwinden die oft jahrhundertealten Wirtshäuser in einem so rasanten Tempo? machen sie sich mit ihren Lesern auf den Weg durchs Land mit keiner geringeren Absicht, als dem Niedergang der Landgasthöfe – aber das war ja eh vom ersten Satz an klar! – eben doch Einhalt zu gebieten.

Die Mittel, die Chur und Rittmann dazu einsetzen, sind einfach: recht stimmungsvolle, farbenfrohe Bilder von Wirtshäusern innen wie außen, garniert mit historischen Aufnahmen, dazu Beispiele für die kulinarische Vielfalt, die einem schon beim Durchblättern Lust machen, sofort den nächsten »Hirschen« auf der Alb, das »Rössle« im Remstal, das »Goldene Kreuz« in Oberschwaben oder die »Post« an der Tauber anzusteuern und es sich mal wieder so richtig gut gehen zu lassen. Jeder Lokalität ist ein sehr lesenswerter Text über Geschichte und Menschen beigegeben, Hinweise zu kulinarischen Besonderheiten der jeweiligen Region, und obendrein noch einige Landschaftsbeschreibungen und Ausflugstipps in der Umgebung.

58 Orte zwischen Neckar-Tauber und Bodensee, Ortenau und Allgäu haben die beiden angesteuert. Es ist daraus ein, wie es auch im Untertitel heißt, »kulinarisch-kulturgeschichtliches« Panoptikum aus teils großartig renovierten, teils auch unscheinbaren Wirtshäusern geworden, die aber allesamt eines sind: badische und württembergische Kulturlandschaft pur!

Das Buch vermittelt keine Nostalgie, sondern ist der gelungene Versuch zu zeigen, dass sich die Gasthofkultur des Landes keineswegs auf dem absteigenden Ast befindet. Dass sich in einer 1500-Seelen-Gemeinde heute keine vier Wirtshäuser mehr halten können, dürfte Realität sein, aber von einer unaufhaltsamen Entwicklung kann angesichts dieser gelungenen Auswahl keine Rede sein. Allerdings wird auch eines deutlich: Selbstläufer gibt es nicht. All diese besuchten Gasthöfe und von dieser Art noch einige Dutzende mehr haben nur dann eine Chance, wenn sie individuelle Reize bieten. Dazu gehört die regionale Küche ebenso wie gediegenes Interieur, ein gemütlicher Außenbereich ebenso wie freundlicher Service. Eines haben all diese Landgasthöfe übrigens gemeinsam: sie spiegeln keine falsche Folklore vor, sondern bieten ihren Gästen ein authentisches, an der jeweiligen Region ausgerichtetes Ambiente. Um es mit den Worten einer »Ochsen«-Wirtin zu sagen: Des war scho bei onserer Mudder so.

Bernd Langner