Valérie Hammerbacher und Anja Krämer: Stuttgart. Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts.

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Valérie Hammerbacher und Anja Krämer: Stuttgart. Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts.

Titelblatt

22 Stadtspaziergänge

316 S., 252 Farbabb., 23 Karten, Klappenbroschur, G. Braun Buchverlag Karlsruhe 2013. ISBN: 978-3-7650-8612-0, € 26,95.

Die Landeshauptstadt ist unbestritten Architektur-Metropole der Moderne. Seit den 1920er-Jahren war und ist der Blick auf Stuttgart gerichtet, wenn es um neue Strömungen in der Baukultur geht, andererseits sind auch Stuttgarts Architekten und Ingenieure weltweit gefragt. Diesen guten Ruf greifen die beiden in der Kunst- und Architekturgeschichte beheimateten Autorinnen Valérie Hammerbacher und Anja Krämer auf und nehmen uns mit auf 22 über das gesamte Stadtgebiet verteilte Architekturspaziergänge. Sie führen uns zu Beispielen des frühen 20. Jahrhunderts, von der Villa Reitzenstein bis zur Siedlung Ostheim und der Gartenstadt Luginsland bis zu bekannten wie unbekannten Stätten der beginnenden Moderne, wie Hauptbahnhof, Weißenhof, Tagblatt-Turm, aber auch Stadtbad Heslach oder Raitelsbergsiedlung. Besonderes Augenmerk richten sie auf die Architektur der 1950er- bis 1970er-Jahre, die zwischenzeitlich zu einem Hauptaufgabenfeld der Denkmalpflege geworden ist, und geleiten uns über die 1980er-Jahre, in denen die Staatsgalerie entstand, bis hin zu ganz aktuellen Bauwerken. Sie zeigen uns Villen am Killesberg und Verwaltungsbauten der Innenstadt, Museumsgebäude und innovative Wohnquartiere, Kirchen und Rathäuser, Türme, Schulen, Mehrgenerationenhäuser und vieles mehr.

Auch wenn vieles bekannt ist, darf es hier nicht übergangen werden, aber man begegnet auf den Touren auch mancher Überraschung, und man darf den Autorinnen wie diesen Gebäuden wünschen, dass aus dem Geheimtipp bald ein lohnenswertes Ziel wird, wenn man sich für zeitgenössische Architektur in der Landeshauptstadt, aber nicht nur dort, interessiert. Den Boden für ein breites Publikum bereiten Hammerbacher und Krämer mit diesem empfehlenswerten Buch auf jeden Fall schon einmal.

Die Besonderheit der Publikation im handlichen Format von 12 x 20 cm, die vom Verlag als »Ausflugsführer« beworben wird und durchweg knappe, aber sehr lesenswerte und informative Texte für jeden enthält, ist natürlich der Spaziergangscharakter von Station zu Station mit hilfreichen Stadtplanausschnitten. So ist es möglich, sich in rascher Abfolge mit der Geschichte der Häuser, deren Architekten und Stilmerkmalen aus völlig unterschiedlichen Zeiten zu beschäftigen, was vor allem dem Laien sicherlich ganz neue Einblicke in die sich ständig wandelnde Architekturgeschichte der Stadt ermöglicht.

Die überaus zahlreichen und ausreichend großen Farbabbildungen sind gut gewählt und machen angesichts dessen, dass in Stuttgart offenbar immer die Sonne scheint, ebenfalls Lust auf einen Architekturspaziergang. Ein Register mit den Namen der Baumeister und Ingenieure ist angeschlossen. Ein Ortsregister und eine Zeittafel der Gebäude mit der Zuordnung zu den Touren würde man sich vielleicht für eine Neuauflage wünschen. Eine kleine Einführung sowie den Strecken zugeordnete Einkehr-Tipps und Hinweise zum Nahverkehr nebst VVS-Schienennetzplan runden das Buch ab.

Bernd Langner