Michael Brenner und Sabine Ullmann (Hrsg.): Die Juden in Schwaben.

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Michael Brenner und Sabine Ullmann (Hrsg.): Die Juden in Schwaben.

Titelblatt

Oldenburg Verlag München 2013. VIII, 313 Seiten mit 20 Abbildungen. Gebunden € 34,80. ISBN 978-3-486-70484-6

In den letzten Jahren hat das Interesse an lokaler und regionaler jüdisch-deutscher Geschichte sicht- und lesbar zugenommen. Sie wird nicht mehr nur an den Universitäten erforscht und gelehrt. Inzwischen wird sie auch von zahlreichen außeruniversitären Einrichtungen der Heimatpflege – Gedenkstätten, Museen und Archiven – erarbeitet und gepflegt. Zudem ist sie in den Regionen, die einst blühende jüdische Gemeinden beherbergten, jetzt allmählich meist auch Gegenstand politischer Kulturarbeit. Beobachtet man die dabei entwickelten Aktivitäten, wird deutlich, dass sie vor allem auch von Kooperationen und Austausch untereinander geprägt sind.

Ein Beispiel dafür bietet auch der jetzt vorliegende Band, der 13 Vorträge vereint, die 2009 auf einer Tagung zur «Geschichte der Juden in Schwaben» von ausgewiesenen Fachleuten gehalten wurden. Träger der Veranstaltung, die im Jüdischen Kulturmuseum Augsburg-Schwaben stattfand, waren die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, der Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur an der Universität München und die Professur für Landesgeschichte an der Universität Eichstätt-Ingolstadt. Der zeitliche Bogen der Aufsätze spannt sich vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Die meisten fokussieren auf Bayerisch-Schwaben, mehrere Aufsätze sind aber auch dem württembergischen Raum zugewandt.

Den Reigen eröffnet Alfred Haverkamp, em. Professor in Trier und Direktor des Arye Maimon-Instituts, mit einem Beitrag zum politisch-rechtlichen Status der Juden diesseits und jenseits der Alpen im späten Mittelalter. Mit Augsburg beschäftigen sich Gregor Maier (die wirtschaftlichen Tätigkeitsfelder der Augsburger Juden 1276–1348), Christian Jörg (die Kennzeichnung und Ausweisung der Augsburger Juden) und Benigna Schönhagen, Leiterin des Jüdischen Kulturmuseums (Die zweite jüdische Gemeinde von Augsburg 1861–1943). Auf die Geschichte der Ulmer Juden im 14. Jahrhundert geht Christian Scholl ein und Johannes Mordstein wählt für seine Fragestellung nach der politischen Partizipation der Juden im frühmodernen Staat als Beispiel die Grafschaft Oettingen. Besonders bemerkenswert ist der Überblick von Stefan Lang, der das jüdische Leben im «Land zu Schwaben» in der Frühen Neuzeit aufzeigt, das sich im Spannungsfeld von Kaiser und Territorialherrschaften abspielte. Claudia Rieth und Rolf Kießling untersuchen den Weg der Judenemanzipation, ihrer rechtlichen Gleichstellung mit den Christen im 19. Jahrhundert. Themen der neueren Geschichte beleuchten die jüdische Geschichte im bayerischen Schwaben während der Weimarer Republik, den Umgang mit den jüdischen Friedhöfen in der NS-Zeit sowie das Leben der Juden in Landsberg am Lech im Vernichtungslager 1944/45 und im «Jidiszes Centr» bis 1950. Die durchweg gut lesbaren und interessanten Beiträge beschließt ein Fazit von Michael Brenner über das «Jüdische Leben in Bayerisch-Schwaben nach 1945».

Sibylle Wrobbel