Renate Völker und Karl-Otto Völker: Gottlieb Daimler. Ein bewegtes Leben.

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Renate Völker und Karl-Otto Völker: Gottlieb Daimler. Ein bewegtes Leben.

Titelblatt

Silberburg-Verlag Tübingen 2013. 160 Seiten mit 118 Abbildungen. Gebunden € 19,90. ISBN 978-3-8425-1230-6

Schon die Aufzählung der Eigenschaften Gottlieb Daimlers im Klappentext des Buches ist fast schon ein Inhaltsverzeichnis dieser kurzen, aber durch die vielen Abbildungen recht anschaulichen Biographie des schwäbischen Erfinders und Kraftfahrzeug- Pioniers: «Bäckersohn aus Schorndorf, gelernter Büchsenmacher, begnadeter Ingenieur, schwäbischer Dickkopf, weltgewandter Industrieller, respektierter Firmenchef, leichtgläubiger Geschäftsmann, chronischer Workaholic, treuer Freund, fürsorglicher Familienmensch, liebevoller Ehemann und genialer Visionär, der die Welt ins Rollen gebracht hat.» Das Autorenehepaar, sie eine freiberufliche Redakteurin, tätig unter anderem auch als Werksredakteurin bei Daimler-Benz, er langjähriger Kommunalpolitiker und Daimler-Experte, ist in Schorndorf verwurzelt und geradezu berufen, ein Werk über Gottlieb Daimler zu verfassen.

Im 30-jährigen Krieg kam der erste Daimler, damals noch Deumler geschrieben, aus dem thüringischen Vogtland nach Schorndorf. Sechs Generationen oder 200 Jahre lang waren die Daimler Bäcker in Schorndorf. Gottlieb Daimler, 1834 geboren, wird Büchsenmacher, besucht dann die gewerbliche Fortbildungsschule in Stuttgart, wird von Steinbeis gefördert, ins Ausland geschickt, kehrt als Mechaniker zurück nach Stuttgart und studiert dort Maschinenbau am Polytechnikum. Nach Studienreisen und harten Arbeitsaufenthalten vor allem in England wird Daimler 1862 als Konstrukteur in Geislingen bei Straub, Vorgängerfirma der WMF, tätig, 1865 Leiter der Maschinenfabrik des Bruderhauses in Reutlingen, wo Wilhelm Maybach, als Waise im Bruderhause aufgewachsen, sein Assistent wird, der Anfang einer lebenslangen Freundschaft und Partnerschaft. 1869 wechselt Daimler als technischer Leiter zur Maschinenbau-Gesellschaft Karlsruhe, die Lokomotiven, Dampfmaschinen und Turbinen produziert. Nach drei Jahren geht er, gefolgt von Maybach, ins Rheinland zur Gasmotorenfabrik Deutz, gegründet von Nikolaus Otto. 1872 bringt Daimler den von Otto und Eugen Langen entwickelten Viertaktmotor zur Serienreife, die Fabrik wird zu einem Weltunternehmen. Nach Streitigkeiten mit Otto verlässt Daimler 1882 die Deutz AG und gründet in Cannstatt eine Versuchswerkstatt im umgebauten Gewächshaus seines Anwesens in der Taubenheimstraße 13; Maybach wird von Daimler als Konstrukteur angestellt. Unter großer Geheimhaltung entwickeln beide einen «revolutionär verbesserten » Einzylinder-Viertaktmotor. Während Otto in Deutz den schweren, stationären, langsam laufenden Gasmotor entwickelte, verwirklicht Daimler seine Idee eines leichten, überall einsetzbaren, schnelllaufenden Benzinmotors. 1883 bringen Daimler und Maybach ihren ersten Motor zum Laufen; er wird mit Leuchtgas betrieben, leistet 0,25 PS bei 600 Umdrehungen pro Minute und wiegt nur 60 kg. Das Patent für eine verbesserte Version, die als Standuhr-Motor bezeichnet wurde, wird 1885 angemeldet. Damit beginnt eine Vision des Erfinders Daimler wahr zu werden, «eine umfassende Motorisierung zu Lande, zu Wasser und in der Luft. In alle denkbaren Fahrzeuge und Geräte werden die Daimler-Motoren nun eingebaut: Straßenbahnen, Motor-Draisinen, Eisenbahnen, Feuerspritzen und Beleuchtungswagen.» 1889 wird der erste «Stahlradwagen» gebaut und auf der Weltausstellung in Paris präsentiert.

1890 wird die Daimler-Motoren-Gesellschaft in Cannstatt in Form einer Aktiengesellschaft gegründet. Teilhaber sind neben Daimler die Investoren Max Duttenhofer und Wilhelm Lorenz, die später Daimler entmachten, sodass er vorübergehend nur noch Aktionär und Berater des Aufsichtsrates ist, allerdings 1895 auf Druck des englischen Lizenz-Unternehmers Frederick Simms wieder Vorsitzender des Aufsichtsrates wird. 1899 arbeiten in der Daimler-Motoren-Gesellschaft mehr als 300 Mitarbeiter und produzieren in diesem Jahr 108 Automobile . 1900 stirbt Gottlieb Daimler im Alter von 65 Jahren. Wenige Monate später startet am Bodensee das erste Luftschiff «Z1» des Grafen von Zeppelin mit Hilfe von Daimler-Motoren. Der Name «Mercedes», später geschützt als Produktmarke, kommt ins Spiel, als Daimler seinen Konstrukteur Maybach einen Rennwagen bauen lässt, für den beim Rennen das Pseudonym Mercedes, der Name der Tochter des auto- und geschwindigkeitsbesessenen österreichischen Kaufmanns und Generalkonsuls Emil Jellinek, eingesetzt wird.

Ein lebhaft geschriebenes, gut zu lesendes Buch über den Lebensweg eines Erfinders und Unternehmers, der mit seinen Visionen und deren Umsetzung die Welt revolutionierte. Hilfreich für den Leser sind die vielen Bilder von Menschen, von Fahrzeugen, von Geräten und von Gebäuden. Die hier beschriebene Zeit liegt ja gar nicht so lange zurück und fällt in den Zeitraum, als die Photographie als Dokumentationsmittel schon möglich und üblich war. Obwohl der Stil des Buches eher ein erzählender als ein wissenschaftlicher ist, fehlen weder ein Quellen- und Literaturverzeichnis, noch eine Zeittafel, noch ein Register. So wird das Buch zur Bereicherung für jede Bibliothek.

Günther Schweizer