Das evangelische Schlesien: Von Breslau zu den Friedens- und Gnadenkirchen

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Das evangelische Schlesien: Von Breslau zu den Friedens- und Gnadenkirchen

Reise Nr. 54

Leitung: Dr. Albert de Lange

Sonntag, 17. September, bis Samstag, 23. September 2017 (7 Reisetage)
Abfahrt: 7.30 Uhr Stuttgart-Weilimdorf, S-Bahnhof | Ihre Abholzeit mit dem Taxiservice entnehmen Sie bitte den Reiseunterlagen.
Zustieg: 8.00 Uhr "Parken und Mitnehmen" an der Autobahnausfahrt Heilbronn-Untergruppenbach

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Schlesiens Geschichte ist kompliziert. Das Land an der Oder wurde etwa 550600 n. Chr. von Slawen besiedelt und um das Jahr 1000 herum ein Teil Polens. Nach 1200 bemühte sich Schlesiens polnischer Herzog um deutsche Siedler, die bald in Breslau und anderen Städten die Mehrheit der Bevölkerung bildeten. Insbesondere Niederschlesien mit der Hauptstadt Breslau blieb bis 1945 überwiegend deutschsprachig.

Seit 1249 zerfiel Schlesien in mehrere Teilherzogtümer. Eines nach dem anderen unterstellte sich dem König von Böhmen. 1348 wurde das Land Teil der böhmischen Krone. Mit der Wahl Ferdinands I. dem Bruder Kaiser Karls V. zum König von Böhmen geriet es in den Herrschaftsbereich der österreichischen Habsburger.

Schlesien erlebte im 16. Jahrhundert eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte. Der Humanismus fand viel Anklang in Geistlichkeit und Bürgertum und bereitete so den Boden für die Reformation. Als Ferdinand 1564 starb, war bereits die Mehrheit der Bevölkerung lutherisch.

Dessen Nachfolger jedoch unterstützten die Gegenreformation, insbesondere nach 1619, als Schlesien sich dem Aufstand der böhmischen Stände gegen die Habsburger angeschlossen hatte. Der Westfälische Friede von 1648 gewährte nur noch den Herzogtümern Breslau, Liegnitz und Brieg Religionsfreiheit. In den Herzogtümern Schweidnitz-Jauer und Glogau mussten die Lutheraner ihre Kirchen abgeben und durften nur außerhalb der Stadtmauern neue errichten. Dabei wurden Steine und Ziegel als Baumaterial verboten kein evangelisches Gotteshaus sollte die Jahrhunderte überdauern. Die Friedenskirchen in Schweidnitz und Jauer stehen trotzdem noch und sind seit 2001 Weltkulturerbe der UNESCO.

Erst 1707 versprach Kaiser Josef I. dem König Schwedens, die Religionsfreiheit in Schlesien wieder herzustellen. So konnten neben anderen sechs "Gnadenkirchen" erbaut werden, deren schönste in Hirschberg steht.

Nach dem Österreichischen Erbfolgekrieg musste Kaiserin Maria Theresia 1741 Schlesien an Preußen übergeben. Aus dieser Zeit stammt die reformierte Hofkirche in Breslau. Nach dem Ersten Weltkrieg blieb der größte Teil Schlesiens deutsch. Niederschlesien war damals noch immer überwiegend evangelisch, Oberschlesien katholisch.

Die Vertreibung der Deutschsprachigen 1945 beendete schließlich die evangelische Präsenz in Schlesien. Deutschund polnischsprachige lutherische Gemeinden gibt es nur noch wenige, zum Beispiel in den Friedenskirchen in Schweidnitz und Jauer. Die meisten anderen Gotteshäuser wurden von der römisch-katholischen Kirche übernommen, die glücklicherweise die Spuren der evangelischen Vergangenheit größtenteils respektierte.

Unsere Reise gilt insbesondere den evangelischen Denkmälern aus Schlesiens wechselvoller Geschichte. Wir besuchen aber auch andere großartigen Zeugnisse der Vergangenheit, vor allem in Breslau, Europas dynamischer Kulturhauptstadt 2016, die auf der Suche ist nach einer neuen Identität "zwischen Ost und West".

Unterwegs machen wir Halt in Görlitz mit dem Schlesischen Museum. Die wunderbar sanierte Stadt gehört zwar traditionell zur Oberlausitz, war aber von 1816 bis 1945 Schlesien eingegliedert.

Programm:

1. Tag: Ans Neißeufer: Anreise nach Görlitz, kleine Stadtwanderung und Übernachtung.

2. Tag: Über Fürstenstein nach Breslau: Schloss Fürstenstein (Ksiaz) ist das größte Schloss Schlesiens mit terrassenförmig angelegten Gärten, eingebettet in eine malerische Waldlandschaft. Das Schloss gehörte Jahrhunderte lang dem alten lutherischen Adelsgeschlecht von Hochberg, wurde jedoch 1943 vom Naziregime beschlagnahmt. Weiterfahrt nach Breslau (4 Übernachtungen im Stadtzentrum).

3. Tag: Breslau intensiv I: Wir widmen den ganzen Tag der Breslauer Innenstadt, die 1945 schwere Zerstörungen erlitt, aber nachher wieder aufgebaut wurde. Die Stadt zählt heute mehr als 630.000 Einwohner. Wir besuchen die Dominsel mit der eindrucksvollen Johanniskathedrale, die ehemaligen lutherischen Hauptkirchen Maria Magdalena und Elisabeth und die Aula Leopoldina in der Universität, einen der schönsten Hörsäle Polens. Mit einer Fahrt auf der Oder lassen wir den Tag ausklingen.

4. Tag: Eine Friedenskirche und Moltkes Hofgut: Die wunderbar ausgemalte Friedenskirche in Schweidnitz ist die größte Fachwerkkirche der Welt (kurzes Gespräch mit dem Pfarrer). Nach einer Wanderung durch das historische Zentrum geht es nach Kreisau zum ehemaligen Gutshof der Familie von Moltke. Hier traf sich der "Kreisauer Kreis", eine Widerstandsgruppe, die sich mit der Frage nach der politisch-gesellschaftlichen Neuordnung Deutschlands nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes befasste. Die wichtigsten Vertreter des Kreises wurden 1944/45 hingerichtet. Heute beherbergen die Gutsgebäude ein deutsch-polnisches Begegnungszentrum mit Gedenkausstellungen und Tagungsräumen (Kaffeepause).

5. Tag: Breslau intensiv II: Die heutige lutherische Kirche ist in der Christophorikirche, einer mittelalterlichen Dominikanerkirche, untergebracht. Unter Preußens König Friedrich II. wurde die spätbarocke Reformierte Kirche erbaut. Im Königsschloss gleich nebenan, wo Friedrich residierte, besuchen wir das Historische Museum der Stadt. Eine der reichsten Kunstsammlungen Polens beherbergt das Nationalmuseum.

6. Tag: Hirschberg und Görlitz: Heute erwarten Sie die ebenfalls wunderbar ausgemalte Gnadenkirche in Jelenia Gora (Hirschberg) und dessen Altstadt. In Görlitz wiederum beschließen wir unsere Reise mit einer Führung im 2006 eingerichteten Schlesischen Museum. Teil des Museumskomplexes ist der alte Schönhof, das älteste Renaissance-Gebäude in Görlitz (Übernachtung).

7. Tag: Nach Hause: Rückfahrt nach Stuttgart.

Leistungen:

Preis:

1265, pro Person im Doppelzimmer
1415, pro Person im Einzelzimmer

Reisepapiere:

gültiger Personalausweis oder Reisepass

Beachten Sie bitte auch unsere Allgemeinen Hinweise, die Reisebedingungen sowie unseren Taxiservice.