Die Cottischen Alpen. Auf den Spuren der Waldenser im Piemont

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Die Cottischen Alpen. Auf den Spuren der Waldenser im Piemont

Reise Nr. 38

Leitung: Dr. Albert de Lange.

Samstag, 15. Juli, bis Samstag, 22. Juli 2017 (8 Reisetage)
Abfahrt: 7.30 Uhr Stuttgart-Weilimdorf, S-Bahnhof | Ihre Abholzeit mit dem Taxiservice ent nehmen Sie bitte den Reiseunterlagen.
Zustieg: 8.30 Uhr Karlsruhe, Busbahnhof hinter dem Hauptbahnhof

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In den Jahren 1699–1701 wurden mehr als 2.500 Waldenser im Herzogtum Württemberg angesiedelt. Sie stammten aus den Cottischen Alpen, wo sie 1698 wegen ihrer protestantischen Glaubensüberzeugung vertrieben worden waren. Noch heute erinnern Ortsnamen in Württemberg wie Perouse, Pinache, Serres, Groß- und Kleinvillars an die Heimatdörfer der Waldenser, unweit des Monviso, wo der Po entspringt.

Das Waldensertum entstand um 1175, als Waldes (in Deutschland besser bekannt als "Petrus Waldus"), ein reicher Kaufmann aus Lyon, entschied, seinen Besitz den Armen zu schenken und fortan als Prediger umherzuziehen. Das Waldensertum verbreitete sich rasch über große Teile Europas. Getragen wurde die Bewegung von Laien, die wie Waldes als Wanderprediger auftraten. Erst seit dem Ende des 14. Jahrhunderts gelang es der Inquisition, das Waldensertum zurückzudrängen.

Trotz der Verfolgungen konnten sich die Waldenser auf der italienischen Seite der Cottischen Alpen behaupten. Hier lebten sie auf zwei Herrschaften verteilt: im Fürstentum Piemont der Herzöge von Savoyen und in der Dauphiné, die den Königen Frankreichs gehörte. 1555 gründeten die Waldenser die erste protestantische Kirche auf italienischem Boden, die bis heute besteht.

Auf dieser Studienfahrt lernen Sie die in Deutschland kaum bekannte, eindrucksvolle Gebirgskette der Cottischen Alpen auf den Spuren der Waldenser kennen. Dabei wird man entdecken, dass es sich nicht um ein einsames und isoliertes Gebiet handelt, sondern um eine Durchgangslandschaft. Hier verliefen bereits in der Antike wichtige Verbindungswege, wie die Via Domitia im Susatal, die Rom mit Spanien verband und noch heute der wichtigste Verbindungsweg zwischen Frankreich und Italien ist. Seit dem Mittelalter bildeten die Cottischen Alpen das wichtigste Eingangstor für die westeuropäische Kultur nach Italien. Auf der piemontesischen Seite finden sich noch Zeugnisse der Troubadoure und Zisterzienser, der Gotik und der Reformation, die man anderswo in Italien so nicht antrifft. Dazu gehört auch die Präsenz der Waldenser.

1. Tag: Zum Auftakt: Stuttgart – Karlsruhe – über den Großen St. Bernhard (bei geeignetem Wetter über den Pass mit Besuch des Hospiz der Augustiner- Chorherren in 2.500 m Höhe, sonst durch den Tunnel) nach Aosta (Übernachtung).

2. Tag: Susa und das Chisonetal: Stadtwanderung in Susa mit seinen schönen römischen Relikten (Triumphbogen, Stadttor, Reste des Amphitheaters) und mittelalterlichen Kirchen (Dom). Über den Sestrierepass erreichen wir das Chisonetal (seit dem Mittelalter eines der wichtigsten Zentren der Waldenser, alle deutschen Waldenser stammen von hier; heute vor allem wegen des Skiorts Sestriere und der riesigen Festungsanlage von Fenestrelle bekannt). 5 Übernachtungen in der charakteristischen Foresteria valdese, dem Gästehaus der Waldenser im Zentrum von Torre Pellice.

3. Tag: Das Pellicetal: Bereits im 13. Jh. waren die Waldenser im piemontesischen Pellicetal und seinen Seitentälern vertreten. In den letzten beiden Jahrhunderten hat sich das kleine Städtchen Torre Pellice zum wichtigsten Zentrum der Waldenser entwickelt. Morgens wandern wir im einsamen Angrognatal, einem Seitental, zur Wiese von Chanforan, wo die Waldenser sich der Reformation angeschlossen haben, und besuchen eine historische Dorfschule und die sogenannte "Felsenkirche". In der "Barbenschule" sollen die Waldenser im Mittelalter ihre Wanderprediger ausgebildet haben. Nachmittags besuchen wir den Synodensaal und das Historische Museum der Waldenser in Torre Pellice.

4. Tag: Die Markgrafschaft Saluzzo: Im Mittelalter war die kleine Markgrafschaft Saluzzo eines der wichtigsten Zentren der französischen Kultur auf der italienischen Seite der Cottischen Alpen. Im 16. Jh. fand die Reformation hier viel Anklang. Die Protestanten wurden allerdings vertrieben, als die Herrschaft 1601 an die Herzöge von Savoyen fiel. Vormittags besichtigen wir die großartigen um 1440 entstandenen Fresken im Schloss von Manta. Die wunderbar am Fuß des Monviso-Massivs (3.841 m) gelegene Stadt Saluzzo hat ihr mittelalterliches Stadtbild größtenteils bewahrt (gotische Basilika San Giovanni mit der Grablege der letzten Markgrafen von Saluzzo).Das Zisterzienserkloster Santa Maria von Staffarda (1135) wurde in der Nähe des Po angelegt. Abends besucht uns ein Waldenserpfarrer aus dem Pellicetal.

5. Tag: Das Germanascatal: Das Germanascatal ist neben dem Pellicetal das wichtigste Zentrum der Waldenser. Hier gibt es wichtige Bergwerke, wo Graphit und Talk abgebaut werden. Wir besuchen das interessante Talkbergwerk. In Ghigo di Prali, dem höchstgelegenen Dorf der Waldensertäler auf 1.500 m, besuchen wir das bekannte Begegnungsund Bildungszentrum der Waldenser "Agape" mit seiner eigenwilligen Architektur. Eine Wanderung führt entlang des malerischen Bergbaches Germanasca nach Villa di Prali. Eine Wanderung durch die mittelalterliche Altstadt von Pinerolo hoch bis zur Basilika San Maurizio mit einem wunderbaren Ausblick auf die Poebene bis Turin beschließt den Tag.

6. Tag: Turin: Im 16. Jh. siedelten die Herzöge von Savoyen (die im 19. Jh. Könige Italiens wurden) von Chambery nach Turin über und machten es zur Hauptstadt ihres Territoriums. Turin hat nicht nur bemerkenswerte römische und mittelalterliche Bauten, es gehört zugleich zu den schönsten Barockstädten Italiens (Wanderung durch die Altstadt mit Besuch der Kathedrale, wo der sogenannte Santa Sindone [Turiner Grabtuch] aufbewahrt wird, und der berühmten Barockkapelle San Lorenzo von Guarino Guarini). Mittags besuchen wir das neu restaurierte herzog liche Schloss Venaria Reale mit seiner interessanten Ausstellung zur Geschichte des Hauses Savoyen und machen eine Fahrt durch den schönen Barockgarten.

7. Tag: In schwindelnder Höhe: Die tausend Jahre alte Benediktiner abtei Sacra di San Michele della Chiusa im Susatal liegt rund 700 Meter über dem Talgrund. In Aosta besuchen wir die Altstadt mit ihren eindrucksvollen römischen und mittelalterlichen Resten, allen voran die Collegiata San Giovanni dell'Orso. Übernachtung in Aosta.

8. Tag: Nach Hause: Durch den Tunnel des Großen St. Bernhard geht es zurück nach Karlsruhe und Stuttgart.

Für die Wanderungen und Rundgänge sind feste Wanderschuhe erforderlich.

Leistungen:

Preis:

€ 1340,– pro Person im Doppelzimmer
€ 1455,– pro Person im Einzelzimmer

Reisepapiere: gültiger Personalausweis oder Reisepass

Das Gästehaus der Waldenser in Torre Pellice ist etwas einfacher als die sonst von uns gewählten Hotels, bietet aber eine sehr schöne Atmosphäre und reiche Begegnungsmöglichkeiten. Alle Zimmer sind mit Dusche und WC ausgestattet.

Beachten Sie bitte auch unsere Allgemeinen Hinweise, die Reisebedingungen sowie unseren Taxiservice.