Hans Angele und Johannes Angele: Sühnekreuze im Kreis Biberach.

. . . . . .

Hans Angele und Johannes Angele: Sühnekreuze im Kreis Biberach.

Titelblatt

Steinkreuze zeugen von Totschlagsühnen zwischen 1400 und 1600. Angele Verlag Ochsenhausen 2012. 300 Seiten mit vielen, meist farbigen Abbildungen und Karten. Gebunden 24,– Euro. ISBN 978-3-9807403-6-4

Im Jahr 2001 initiierte der Schwäbische Heimatbund zusammen mit anderen ihm nahe stehenden Verbänden – Schwäbischer Albverein, Schwarzwaldverein – ein Projekt zur Erfassung von Kleindenkmalen in unserem Land, das inzwischen vom Landesdenkmalamt betreut wird. Über 60.000 Objekte des Landes wurden inzwischen ermittelt. Doch sind sie noch lange nicht alle erfasst. Eine eigene Gattung bilden dabei die Stein- und Sühnekreuze, derer sich die wissenschaftliche Forschung, vor allem die (rechts-)historische und volkskundliche schon seit gut hundert Jahren mit Eifer angenommen hat. Zum Standardwerk dieses Genre zählen nach wie vor die Arbeiten von Bernhard Losch, insbesondere sein 1981 erschienener großer Inventarband «Sühne und Gedenken, Steinkreuze in Baden-Württemberg». Zum Thema erschien von ihm erst vor einem Jahr ein Beitrag auch in der Schwäbischen Heimat (Heft 3/2012).

Anders als andere Kleindenkmale sind die Steinkreuze zu einem größten Teil bereits erfasst und bekannt. Doch meist sind sie nur unvollständig dokumentiert, ist ihre geschichtliche Aussage, ihre «Botschaft», weitgehend unbekannt. Der Kreis Biberach kann sich glücklich schätzen, für sein Gebiet nun über eine Publikation zu verfügen, die anderen Kreisen oder Regionen als Beispiel dienen kann. Die beiden Autoren Hans und Johannes Angele, Vater und Sohn sind nicht nur Liebhaber der Steinkreuzmaterie, sondern auch beste Kenner des Themas und akribische Forscher. Sie dokumentieren die Steinkreuze – 74 sind es insgesamt, fünf mehr als bei Losch – nicht nur nach Größe, Form, Material, Aufschrift, Alter, Ort, Lage und Zustand. Sie haben darüber hinaus Archive besucht, Bücher gewälzt und Ansässige befragt, um so alles zusammenzutragen, was man über die Steinkreuze wissen kann. Zudem haben sie diese von den verschiedensten Seiten im Bild festgehalten und Lageskizzen gefertigt, mansches konnten sie mit historischen Fotografien oder Karten ergänzen. Schon ein erster Blick auf das Buch vermittelt sachliche, gut fundierte Information auf höchst anschauliche Weise. Bereits der Buchtitel verdeutlicht, dass die Steinkreuze nichts mit den Schweden zu tun haben, wie oft gemeint wird, sondern rund 500 Jahre alte Sühnezeichen sind. Der dem Cover auf Vorder- und Rückseite unterlegte Urkundentext macht neugierig auf die Geschichten, die möglicherweise hinter den Steinkreuzen stehen.

Das Buch selbst besteht aus zwei Hauptteilen – einem Inventar der Steine und einem «Inventar» der dazu ermittelten Sühneverträge. Umrahmt werden sie von einer Einleitung, die Wege bisheriger Forschung skizziert, den Begriff Sühnekreuze definiert und die Form der folgenden Beschreibungen erläutert sowie zum Ausklang des Buches von weiterführenden Quellen- und Literaturverzeichnissen, Anmerkungen und einem Index. Im Inventarteil werden auf rund 180 Seiten alle bekannten Sühnekreuze – auch 20 verschwundene oder inzwischen zerstörte – in vielerlei Varianten abgebildet (sofern möglich) und beschrieben. Die Fotos sind von unglaublicher Anschaulichkeit, zeigen die Lage und das Umfeld des Steines, aber auch besondere Einzelheiten. Man sieht sich geradezu an Ort und Stelle versetzt und gewinnt schnell einen umfassenden Eindruck von den einzelnen Steinkreuzen. Begleitet und ergänzt werden die Bilder von einem Textblock, der alles Wichtige enthält.

Im zweiten Hauptteil des Buches werden 14 Sühneverträge vorgestellt. Auch sie findet man zum Teil über zwei Seiten reichend, in bestechender Qualität, fotografisch wiedergegeben. Natürlich sind die handschriftlichen Texte, der älteste stammt aus dem Jahr 1474, der jüngste aus dem Jahr 1583, transkribiert und ausführlich erläutert. Deutlich wird dabei, dass zu den Sühneverpflichtungen der Täter nach einem Totschlag neben einer materiellen Entschädigung der Opferfamilie in der Regel auch die Errichtung eines Steinkreuzes am Ort der Tat gehörte und dieses somit die kirchlich-religiöse Absolution des Täters versinnbildlicht.

Bernhard Losch, um einen Kommentar zu diesem Buch gebeten, schreibt unter anderem: «Eine ähnlich gründliche Bestandsaufnahme, wie im Buch von Hans und Johannes Angele hat es noch nicht gegeben. Die Autoren arbeiten geografisch, historisch und denkmalkundlich mit größter Sorgfalt und dokumentieren erschöpfend, ohne sich in Überflüssiges zu verlieren. Ein nachhaltigerer Eindruck als dieses Buch vermittelt, lässt sich nicht denken.» Dem kann man nur beipflichten.

Wilfried Setzler