Werner Konold und Claude Petit (Red.): Historische Terrassenweinberge.

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Werner Konold und Claude Petit (Red.): Historische Terrassenweinberge.

Titelblatt

Baugeschichte, Wahrnehmung, Erhaltung. Verlag Haupt Bern Stuttgart Wien 2013. 336 Seiten mit zahlreichen meist farbigen Abbildungen, Graphiken und Tabellen. Kartoniert 34,90 Euro. ISBN 978-3-258-07806-9

Anzuzeigen ist ein außerordentlich sorgfältig erarbeitetes, hervorragendes Sammelwerk, das auf sehr lange Zeit ein unentbehrliches Kompendium und eine wahre Fundgrube für alle Themen um landschaftsprägende Mauerweinberge bleiben wird. Es wendet sich ebenso an Winzer (oder «Weingärtner»), Handwerker, Techniker, Weinmacher und Vermarkter wie an Forscher, Landwirtschafts- und Kulturwissenschaftler, Önologen, Ampelografen, Naturschützer und Denkmalpfleger und überhaupt an alle, die Interesse nehmen an der Entstehung, Entwicklung, Beschaffenheit und Erhaltung von Terrassenweinbergen als faszinierenden, oft viele Jahrhunderte alten Zeugnissen besonders schätzenswerter Kulturlandschaften.

Gestreift werden beispielsweise sogar die schwindelerregenden Terrassen- und Entwässerungsbauten der Inka um Machu Picchu auf 2400 m Meereshöhe. Ein Schwergewicht der Untersuchungen liegt freilich im deutschen Südwesten und besonders auch im spezifischen Arbeitsbereich des Schwäbischen Heimatbunds, somit im württembergischen Landesteil, vor allem am mittleren Neckar (z. B. um Mundelsheim und Hessigheim) und an der Enz (z. B. um Rosswag).

Neun ausgewiesene Fachleute haben die vielen Beiträge verfasst. Dazu zählen auch die beiden Redaktoren: Werner Konold ist Inhaber des Lehrstuhls für Landespflege der Universität Freiburg i. Br.; sein Institut hat auch die umfangreichen Vorarbeiten für das Sammelwerk geleistet. Der Luxemburger Claude Petit war zeitweise enger Mitarbeiter Konolds.

Der Sammelband, dessen mustergültige wissenschaftliche Apparate allen Ansprüchen gerecht werden, ist in zehn Kapitel – mit jeweils zahlreichen Unterkapiteln – gegliedert: 1. Historische Terrassenweinberge als kunstvolle und gefährdete Kulturlandschaftselemente; 2. Das vorbereitende Projekt «Historische Weinberge»; 3. Bau- und Arbeitsgeschichte; 4. Trockenmauern als Sachquellen; 5. Von Wasserstaffeln und Zwergfurchen; 6. Die Fischgrät- Treppe in Rosswag; 7. Holzbedarf und Holzverbrauch; 8. Weinbaulandschaft und Jugendliche; 9. Flurbereinigung; 10. Instrumente zur Erhaltung von Terrassenweinbergen.

Eine Auswahl exemplarischer Probleme: Wie und in welchen Zeiträumen haben Vorfahren Terrassenweinberge geplant, organisiert, verwirklicht und erhalten (oder aufgegeben)? Welche Herrschaftsund Besitzverhältnisse weltlicher und geistlicher Art haben wie auf die Gestaltung von Mauerweinbergen eingewirkt? Wo und wie hat man welche Baumaterialien besorgt? Was ist für fachgerechten Bau von Trockenmauern in Steillagen zu beachten? Welche Arten von Pflanzen und Tieren sind nachhaltiger Nutzung von Mauerweinbergen dienlich? Was erzählen uns die Namen von Gewannen? Welche Wechselwirkungen bestehen auf Weinbergterrassen zwischen Kleinklima, Bodenqualität, Bepflanzung und Pflege? Was für emotionale Werte sind mit Mauerweinbergen verbunden? Wie ist der bei ihnen erforderliche große Mehraufwand an Arbeit zu kompensieren?

Wo in deutschen Landen gibt es noch für Weinbau genutzte Terrassenanlagen? Was meint der Begriff «Terroir»? Welche Methoden der Rebstockerziehung gab und gibt es in unterschiedlichen geografischen und geschichtlichen Räumen? Wie steht es um die Sanierung vernachlässigter Terrassenweinberge? – Auf solche und viele andere Fragen finden sich in dem Opus profunde Antworten, weiterführende Hinweise und ausführliche Literaturangaben.

Das Werk wurde gefördert und als Band 36 ihrer Schriftenreihe herausgegeben von der Bristol-Stiftung Zürich, die sich des Natur- und Umweltschutzes annimmt. – Nachdrückliche Empfehlung: Dieses Buch ist für Kulturlandschaftsfreunde ein Muss!

Helmut Gerber