Kulturdenkmal Böblinger Pirschgänge
Für Sanierungen braucht es manchmal einen langen Atem
Im ehemaligen Böblinger Stadtwald - heute Standortübungsplatz der amerikanischen Streitkräfte - befinden sich die unter Herzog Carl Alexander 1733-1737 angelegten Pirschgänge, die als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung gelistet sind (§12 DSchG). Es handelt sich hierbei um ein verzweigtes, ehemals überwölbtes Gangsystem zum Anpirschen der Jagdgesellschaft an das Wild. Dieses wurde von Treibern auf die Endpunkte der Gänge gejagt, von wo aus es erlegt werden konnte.
Die Pirschgänge befinden sich in einem desolaten Zustand. Die ca. 130 m langen, bis heute überwölbten oder mit Mauerresten erhaltenen Gänge sind akut einsturzgefährdet. Ebenso bedarf eine am Haupteingang angebrachte historische Gedenktafel von 1737 dringend der Restaurierung.
Dank des Engagements des SHB bietet sich nach mehreren erfolglosen Versuchen in der Vergangenheit die Chance für eine umfassende Sanierung. Bereits 2008 konnte im Rahmen mehrerer Besprechungen und Begehungen mit allen Beteiligten (Stadt Böblingen, amerik. Standortverwaltung, Denkmalpflege, Bundesimmobiliengesellschaft) ein Konsens in Bezug auf die Notwendigkeit des Erhalts des Denkmals erreicht werden. Von den insgesamt veranschlagten Sanierungskosten in Höhe von ca. 130.000 Euro konnte der SHB zwischenzeitlich einen Großteil einwerben.
Als lange Zeit ungeklärt erwies sich die Frage nach der Trägerschaft der Bauunterhaltspflicht nach Abschluss der Sanierung, die der SHB nicht übernehmen kann. Erst vor kurzem hat sich die Stadt Böblingen bereit erklärt, diese Trägerschaft zu übernehmen. Der Stadt Böblingen gilt hierfür unser Dank, denn ohne das Engagement seitens der Stadt, stände das Projekt - wie so oft in der Vergangenheit - vor dem Aus. Es bleibt nun die Aufgabe des SHB als Bauherr der Maßnahme, die restlichen Finanzmittel ein zu werben, sodass die Sanierung dieses bedeutenden Denkmals nun endlich in die Wege geleitet werden kann. In einem der nächsten Hefte werden die Böblinger Pirschgänge ausführlich vorgestellt.
Siegfried Roth
