Stolze Halbzeitbilanz beim landesweiten Projekt zur Erfassung von Kleindenkmalen

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Stolze Halbzeitbilanz beim landesweiten Projekt zur Erfassung von Kleindenkmalen

Zeitzeugen am Wegesrand vor dem Vergessen bewahrt

(Stand Mai 2003)

Vor gut zwei Jahren starteten der Schwäbische Heimatbund, der Schwarzwaldverein und der Schwäbische Albverein zusammen mit dem damaligen Landesdenkmalamt Baden-Württemberg (heute Regierungspräsidium Stuttgart, Landesamt für Denkmalpflege) ein bis dahin bundesweit einmaliges Projekt zur Erfassung von Kleindenkmalen. Im Angesicht eines Kleindenkmals bei Liptingen im Landkreis Tuttlingen zogen die Vorsitzenden und Präsidenten der vier Partner im Sommer 2003 eine erfolgreiche Zwischenbilanz des zunächst auf vier Jahre angelegten Vorhabens.

Die Zusammenarbeit von hauptamtlichen Denkmalschützern und ehrenamtlichen Erfassern habe sich hervorragend bewährt, sagte Prof. Dr. Dieter Planck, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege. Er zeigte sich tief beeindruckt von der engagierten Mitarbeit der rund 500 bis 600 ehrenamtlichen Erfasserinnen und Erfasser, die bislang bei dem Projekt mitmachen. Er dankte auch den beteiligten Verbänden für die sehr gute Zusammenarbeit. Ohne die Kooperation zwischen der staatlichen Behörde und den Vereinen wäre dieses Projekt nicht möglich gewesen, so Prof. Planck.

Angeleitet und betreut werden die Projektaktivitäten in ganz Baden-Württemberg von der Kulturwissenschaftlerin Martina Blaschka, deren Leitstelle im Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen am Neckar angesiedelt ist. Ihre Stelle wird zu 40 Prozent von den drei beteiligten Vereinen und zu 60 Prozent vom Landesamt für Denkmalpflege finanziert (Stand bis 2004), das zudem auch die Sachkosten trägt. Ein Lenkungsausschuss aus Vertretern der Vertragspartner steuert den landesweiten Projektablauf. Dessen Vorsitzender, Reinhard Wolf, zugleich Vorstandsmitglied beim Schwäbischen Heimatbund und beim Schwäbischen Albverein, ist ebenfalls "überwältigt von den großen Zahl von Anfragen aus dem ganzen Land" und bescheinigte allen Ehrenamtlichen einen hervorragenden Einsatz.

Da nicht alle Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg gleichzeitig bearbeitet und betreut werden können, wurden Projektkreise benannt, in denen die Erfassung vorangetrieben wurde. Vor Ort wurde jeweils ein Kreiskoordinator bestimmt, der Anlaufstelle für die bis zu 60 Erfasserinnen und Erfasser je Landkreis ist. Pilotkreis war der Alb-Donau-Kreis. Hier erarbeitete Willi Siehler vom Schwäbischen Albverein mit seinen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Pilotstudie zum Projekt. Zum landesweiten Projektbeginn starteten im Herbst 2001 die zwei Modellkreise Ludwigsburg, betreut durch den Schwäbischen Heimatbund, und Sigmaringen, betreut durch den Schwäbischen Albverein, mit der flächendeckenden systematischen Erfassung. Beide Kreise haben nach dem ersten Erfassungsjahr stattliche Ergebnisse aufzuweisen: einige Gemeindegebiete sind bereits vollständig erfasst, die restlichen sind in Arbeit.

Für den Landkreis Ludwigsburg (Bericht) sind schon zirka 1.000 Kleindenkmale, für Sigmaringen zirka 800 gemeldet. Im Sommer 2002 lief das Projekt unter der Regie des Schwarzwaldvereins im Stadtkreis Baden-Baden an, hier arbeiten etwa 15 Ehrenamtliche an der Erfassung. In der zweiten Projektphase sind im Herbst 2002 der Landkreis Heidenheim, betreut vom Schwäbischen Albverein, und der Landkreis Tuttlingen als Projektkreise eingestiegen. Ein Koordinationsteam, gebildet aus Schwäbischem Albverein, Schwarzwaldverein und Historischen Vereinen, zeichnet für die Arbeiten im Kreis Tuttlingen zuständig. Zu Beginn des Jahres 2003 startete der Enzkreis und demnächst fällt der Startschuss im Ortenaukreis. In beiden Kreisen hat der Schwarzwaldverein die Regie übernommen.

Ehrenamtliche Arbeit beschert Datenflut

Kleindenkmale sind ortsfeste, freistehende, selbstständige, von Menschenhand geschaffene Gebilde aus Stein, Metall oder Holz, die einem bestimmten Zweck dienen oder dienten oder an eine Begebenheit oder eine Person erinnern. Mehr als hundert verschiedene Typen von Kleindenkmalen sind in ganz Baden-Württemberg zu finden. Beispiele sind Bildstöcke, Brunnen, Feldkreuze, Gedenksteine, Gruhbänke, gusseiserne Ortstafeln und Grenzsteine. Doch die "Denkmale des kleinen Mannes" sind stark bedroht. Flurbereinigung und Straßenbau, aber auch einfach Unkenntnis und falsche Sammelleidenschaft führen täglich zu großen Verlusten. Dies zu verhindern und zum Erhalt oder zur Restaurierung von Kleindenkmalen beizutragen, ist Ziel des Projektes. Für jedes aufgespürte Kleindenkmal wird ein Erfassungsbogen angelegt, es wird vermessen und fotografiert, seine Inschriften notiert und der Standort in eine Karte eingetragen. Die Daten werden beim Landesdenkmalamt in einer Datenbank erfasst und stehen nach Projektabschluss den Vereinen sowie Gemeinden und Kreisen mit ihren Fachbehörden zur Verfügung.

Die Flut der eingehenden Daten macht Projektleiterin Martina Blaschka allerdings gehörig zu schaffen. Die Eingabe in die Datenbank des Landesdenkmalamtes ist sehr zeitaufwändig. Eine ABM-Kraft, die diese Aufgabe übernommen hatte, konnte nur befristet beschäftigt werden. Weitere personelle und finanzielle Unterstützung sei in diesem Bereich notwendig, um das Projekt weiterhin so erfolgreich zu gestalten.

Fortsetzung beabsichtigt

Angesichts des großen Erfolgs des Projektes wollen alle Beteiligten das Projekt gerne über den vereinbarten Zeitraum von vier Jahren fortsetzen. Größtes Hindernis dafür ist wie so oft das nötige Geld. Die drei Vereine wollen weiterhin ihren Anteil beitragen, für die öffentlichen Mittel sollen in den nächsten zwei Jahren Finanzierungsmöglichkeiten gefunden werden. Für die drei beteiligten Vereine dankte auch der Präsident des Schwäbischen Albvereins, Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß, den Ehrenamtlichen: "Kleindenkmale sind Teil unserer Vergangenheit und in vielen Fällen auch Mahnmal für ein besseres Zusammenleben". Für die Vereine sei die Fortführung des Projektes besonders wichtig und Teil ihrer Verantwortung als kulturtreibende und Heimatvereine.

Kontakt:

Leitstelle, Projekt Erfassung von Kleindenkmalen in Baden-Württemberg
Martina Blaschka M.A.
Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg
Berliner Straße 12
73728 Esslingen am Neckar
Tel.: 0711/66463-220