Projekt Kleindenkmale: Hervorragende Zwischenbilanz im Landkreis Ludwigsburg

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Projekt Kleindenkmale: Hervorragende Zwischenbilanz im Landkreis Ludwigsburg

Stand: November 2002

Der Landkreis Ludwigsburg ist einer von drei Landkreisen in Baden-Württemberg, in dem zurzeit das Projekt zur Erfassung von Kleindenkmalen in vollem Gange ist. Ende 2002 zogen die Organisatoren Bilanz nach einem Jahr der Erfassung und Katalogisierung.

Das Zwischenergebnis von knapp 1.100 gefundenen Kleindenkmalen überraschte auch Reinhard Wolf, Vorstandsmitglied des SHB und Vorsitzender des Lenkungsausschusses der landesweiten Aktion. In Ludwigsburg sind seit Herbst 2001 rund 60 ehrenamtliche Kleindenkmalfreunde in den Fluren des Landkreises unterwegs. Schon kurz nach Start des Projekts begannen sich auf dem Wolfschen Schreibtisch die Aktenordner und Briefumschläge zu stapeln; seitdem ist der Strom nicht mehr abgerissen. Welch große Resonanz das Vorhaben rund um Ludwigsburg hat, zeigt sich auch daran, dass bis auf wenige Kommunen für fast alle Gemarkungen ein Erfasser gefunden werden konnte.

Bei einem Termin für die lokale Presse stellten die Verantwortlichen den Stand der Erfassung vor. Als Ort der Veranstaltung diente natürlich ein Kleindenkmal, der so genannte Hungerstein von 1817 an einer Stützwand in Sichtweite des Neckarufers in Marbach und verschiedenen Hochwassermarken im ehemaligen Mühlenviertel der Schillerstadt. Reinhard Wolf bedankte sich bei diesem Anlass auch bei Landrat Dr. Rainer Haas, der für den Landkreis Ludwigsburg nicht nur die Schirmherrschaft für das Projekt inne hat, sondern auch die Sachkosten des Projektes trägt. Landrat Dr. Rainer Haas sagte bei der Vorstellung des Zwischenstands, dass die "Kleindenkmal-Detektive allen ihren historisch bewussten Mitbürgern ein großes Geschenk gemacht haben". Kleindenkmale seien - so Haas - wichtige kulturgeschichtliche Zeugnisse, die über Brauchtum, Sitten und Lebensweise unserer Vorfahren, aber auch über die Rechtsverhältnisse in vergangenen Jahrhunderten erzählten.

Auch Martina Blaschka, die das Projekt beim Landesamt für Denkmalpflege betreut, ist über zahlreichen Meldungen und das Engagement der ehrenamtlichen Kleindenkmalfreunde begeistert. Allerdings bedeutet die Flut von Informationen für die Kulturwissenschaftlerin auch eine Menge Arbeit und Koordinationsaufwand. Vor allem die Übernahme der Erfassungsbögen in die Datenbank des Landesamtes für Denkmalpflege ist sehr zeitaufwändig und hinkt deshalb noch etwas hinter der Zahl der gefundenen Zeitzeugen am Wegesrand hinterher.

Dazu kommt, dass der Landkreis Ludwigsburg nicht der einzige Kreis ist, in dem ehrenamtlich nach Kleindenkmalen gesucht wird. Denn auch im Kreis Sigmaringen und im Stadtkreis Baden-Baden ist das landesweit angelegte Gemeinschaftsprojekt in vollem Gange.

Erfahrungsaustausch als feste Größe im Projekt

Am Nachmittag traf sich dann die große Schar der rund 60 Ehrenamtlichen mit den Koordinatoren auf Einladung des Landkreises im Landratsamt Ludwigsburg. Lebhaft wurden Erkenntnisse ausgetauscht, Ergebnisse verglichen und Problembereiche diskutiert. Martina Blaschka hatte zu jeder der 39 Gemeinden Listen und Einzelausdrucke der bislang in die Datenbank eingegebenen Objekte mitgebracht, so dass die Vertreter der Kommunen diese Unterlagen zum Abgleich mit ihren Unterlagen mit nach Hause nehmen konnten. Reinhard Wolf erläuterte den Erfassern, dass angesichts der unerwarteten Datenfülle zu den bislang erfassten 550 Grenzsteinen keine weiteren mehr aufgenommen werden könnten. Auch so sei die Leitstelle mit 102 Unterständen, 83 Brunnen, 57 Ruhebänken, 54 Gewölbebrücken, 35 Denkmalen, 21 Hochwassermarken, 14 Steinkreuzen, 9 Schutzhütten, 6 Quellfassungen und einem Wegekreuz schon außerordentlich stark beschäftigt.

Bis zum September 2003 soll der größte Teil der gefundenen Kleindenkmale in der Datenbank erfasst sein, Ende des Jahres ist eine Abschlussveranstaltung geplant, in der die Ergebnisse dem Landkreis und auch den Kommunen übergeben werden sollen.

Vier Landkreise neu gestartet

In vier weiteren Landkreisen ist das Projekt Erfassung der Kleindenkmale im Herbst/Winter 2002/2003 neu gestartet. Im Landkreis Heidenheim hat die Erfassung begonnen, Koordinator ist dort Dieter Eberth vom Schwäbischen Albverein. Im Landkreis Tuttlingen hat ein Koordinatorenteam die Verantwortung: Kreisarchivar Dr. Joachim Schuster, Detlef Firgau vom Schwäbischen Albverein und Erich Kaufmann vom Schwarzwaldverein werden dort die Fäden in der Hand halten. Auch im Enzkreis wurde bereits eine Auftaktveranstaltung durchgeführt, Koordinatorin wird dort Barbara Hauser vom Schwarzwaldverein sein, eventuell wird es dort noch einen Mitkoordinator vom Schwäbischen Albverein geben. Der vierte Kreis ist der flächenmäßig sehr große Ortenaukreis. Ende 2002 standen dort erste Planungsgespräche auf dem Programm. Mit ersten Ergebnissen wird in diesen Kreisen zum Jahresende 2003 gerechnet.

(aus der 'Schwäbischen Heimat', Heft 2003/1, Text: Volker Lehmkuhl)