Projekt Kleindenkmale befindet sich in der dritten Runde (2010/2011)

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Projekt Kleindenkmale befindet sich in der dritten Runde (2010/2011)

(von Reinhard Wolf, Ulrike Plate und Martina Blaschka)

Die Erfassung und Dokumentation der Kleindenkmale in Baden-Württemberg ist ein Erfolgsmodell. Das Projekt wurde 2001 als Gemeinschaftsaktion von Schwäbischem Heimatbund, Schwäbischem Albverein, Schwarzwaldverein, dem Landesverein Badische Heimat, der GEEK (Gesellschaft zur Erhaltung und Erforschung der Kleindenkmale) einerseits und dem damaligen Landesdenkmalamt als staatlichem Vertreter geboren. Meinte man anfangs, man müsse ständig die Werbetrommel rühren, um Mithelfer zu finden, weiß man nun heute, dass es viele Leute gibt, die ehrenamtlich bereit sind, sich für die kleinen Objekte am Wegesrand einzusetzen. Nach nunmehr zehn Jahren konnte mit Jahresbeginn die dritte Phase des Projekts eingeläutet werden.

Eine Frage, die längst beantwortet ist: Warum Kleindenkmale dokumentieren?

beschrifteter hoher Stein

Bei Bauarbeiten im Zuge eines Straßenausbaus halbwegs zwischen Großsachsenheim und Untermberg förderte ein Bagger in freier Feldflur einen riesigen behauenen Steinbrocken zutage. Vielleicht wäre er unbeachtet wieder verschüttet worden, wäre er nicht von Kleindenkmalfreund Karl Heidinger mit geschultem Blick entdeckt worden. So wurde der Stein als Radschuhstein und Straßensperrstein identifiziert, gereinigt, von einer Spezialfirma gehärtet und in der Nähe des alten Standorts wieder neu aufgestellt. Versehen mit einer Erläuterungstafel, welche die geschichtliche Bedeutung aufzeigt, steht er nun an einer markanten Wegekreuzung und wird von vielen Spaziergängern als Geschichtszeugnis wahrgenommen.

Der Definition nach sind Kleindenkmale ortsfeste, freistehende, kleine, von Menschenhand geschaffene Gebilde aus Stein, Metall oder Holz, die einem bestimmten Zweck dienen oder dienten oder an eine Begebenheit oder eine Person erinnern. Sie sind Teil der Geschichte und der Gegenwart einer Landschaft und in Ortschaften ebenso zu finden wie in der freien Landschaft, dort oft im Verborgenen. Meist wird ihr Dasein und oft leider auch ihr Verschwinden von der Öffentlichkeit nicht bewusst wahrgenommen. Beim Start des Projektes "Dokumentation Kleindenkmale" 2001 hatten sich die oben genannten Institutionen das Ziel gesetzt, alle der Definition entsprechenden Objekte in einer gemeinsamen Aktion systematisch und möglichst flächendeckend - zunächst in ausgewählten Kreisen in Baden-Württemberg - zu erfassen. Die Kleindenkmale sollen damit verstärkt ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden, damit ein besserer Schutz, eine verstärkte Beachtung und die notwendige Sicherung und Pflege der Kleindenkmale gewährleistet werden können.

Erfreulicherweise bleibt es oft nicht bei der bloßen Dokumentation, sondern es erwachsen daraus Patenschaften und manchmal sogar Restaurierungsarbeiten. Jahr für Jahr kann der Schwäbische Heimatbund in Verbindung mit dem Württembergischen Sparkassenverband im Rahmen des jährlichen Kulturlandschaftspreises mehrere Sonderpreise für die Erhaltung und Sicherung von Kleindenkmalen vergeben.

In acht Landkreisen ist die Dokumentation zwischenzeitlich abgeschlossen worden: Alb-Donau-Kreis, Landkreis Sigmaringen (P), Landkreis Ludwigsburg (P), Stadtkreis Baden-Baden, Landkreis Tuttlingen (P), Ortenaukreis, Enzkreis und Landkreis Konstanz (P); im Hohenlohekreis wird die Dokumentation 2010 ihren Abschluss finden. Etwa 800 ehrenamtliche Mitarbeiter haben rund 26.000 Objekte dokumentiert. Umfangreiche Dokumentationsunterlagen wurden den Kreisarchiven übergeben, Kopien liegen auf den Rathäusern und stehen zur Einsichtnahme bereit. In vier Landkreisen existieren bereits umfangreiche Publikationen (siehe unten: P), die über den Buchhandel und die Landratsämter erhältlich sind.

Dank wichtiger Befürworter: Projekt kann bis Ende 2013 weiterlaufen

Personen an einer Ruhbank

Bei der Erstellung eines Heimatbuches in Stuttgart-Möhringen entdeckte Sonja Mailänder in einem Vorgarten zufällig Teile einer steinernen Ruhebank. In einer Karte von 1900 ist sie eingezeichnet. Die Hausbesitzer hatten keine Verwendung für die Steinteile, und so konnte die «Gruhe» oder «Gruhbank», die wohl länger als 50 Jahre unbeachtet in diesem Garten lag, an einem nicht weit entfernten Standort an der Ecke Märzenbaumstraße und Gammertinger Straße wieder aufgestellt werden. Um in Zukunft nicht mehr auf Vermutungen angewiesen zu sein, wurde die Ruhebank genau dokumentiert und mit einer Tafel und einem Informationstext versehen.

Die beim Schwäbischen Heimatbund angesiedelte, landesweite Projektkoordination wird zu 100% aus Mitteln der Denkmalpflege finanziert. Nachdem sich der damalige Ministerpräsident Günther Oettinger und Regierungspräsident Johannes Schmalzl im Herbst 2009 persönlich für eine Fortsetzung des Projektes bis zum Abschluss der landesweiten Erfassung eingesetzt haben, hat sich das für die Denkmalpflege zuständige Wirtschaftsministerium trotz knapper Haushaltsmittel zu einer weiteren Finanzierung entschlossen - zunächst befristet auf weitere drei Jahre. Die Projektkoordination hat Martina Blaschka M.A. inne.

In der dritten Phase werden insgesamt fünf Projektkreise betreut: Der Rems-Murr-Kreis, die Land- kreise Esslingen und Reutlingen, der Ostalbkreis und - ganz neu - der Zollernalbkreis. Etwa 350 ehrenamtliche Mitarbeiter sind derzeit tätig. Koordiniert wird die Arbeit von einem Dreiergremium, dem "Lenkungskreis" mit Martina Blaschka, Dr. Ulrike Plate, Leiterin des Referats Inventarisation beim Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, und Reinhard Wolf, Vizepräsident des Schwäbischen Albvereins und Vorstandsmitglied beim Schwäbischen Heimatbund.

Regierungspräsident Johannes Schmalzl unterstützt das landesweite Projekt "Dokumentation von Kleindenkmalen": Kleindenkmale sind Bestandteile unserer Kulturlandschaft. Mit jedem Objekt, das verloren geht, geht ein Stück Heimat verloren. Deshalb ist es wichtig, dass die Kleindenkmale dokumentiert werden und dass man alle Anstrengungen unternimmt, durch fachgerechtes Instandhalten das Erbe von Generationen Vorfahren auf unsere Nachkommen zu übertragen.

Auch der Präsident des Schwäbischen Albvereins, Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß, steht voll hinter der Dokumentationsarbeit: Den Kleindenkmalen unseres Landes muss man auch über die jetzige Aktion hinaus mehr Beachtung schenken, sie sind aus unserer Kulturlandschaft nicht wegzudenken!

Der Vorsitzende des Schwäbischen Heimatbundes, Fritz-Eberhard Griesinger, hat sich mit großem Engagement für die Verlängerung des gemeinsamen Projekts stark gemacht: Ehrenamtliche Erfassung in Verbindung mit professioneller Datenaufarbeitung - das sind hervorragende Voraussetzungen für eine Stärkung des Ehrenamts und für einen verbesserten Schutz dieser gefährdeten Kategorie an Denkmalen!

Allen, die sich für die Kleindenkmale, ihre Erforschung, ihre Dokumentation und ihren Erhalt einsetzen, sei an dieser Stelle herzlich gedankt. Die Kleindenkmale brauchen die Aufmerksamkeit eines jeden Einzelnen. Nur was registriert ist, kann wirksam geschützt werden. Jeder kann einen Beitrag dazu leisten, dass die Kleindenkmale weiterhin augenscheinlicher Bestandteil unserer Kulturlandschaft bleiben.

Weiterführende Literatur:

Die breite Vielfalt der Kleindenkmale, die unser Land zu bieten hat

(Erläuterungen von oben links nach unten rechts):