Projekt Kleindenkmale: Erfassung im Kreis Sigmaringen abgeschlossen

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Projekt Kleindenkmale: Erfassung im Kreis Sigmaringen abgeschlossen

Am 25. März 2004 wurde nach zweijähriger Arbeit das Projekt Erfassung von Kleindenkmalen im Kreis Sigmaringen abgeschlossen. An dem Projekt waren bis zum Abschluss 56 interessierte Bürger beteiligt, es waren Kulturwarte des Schwäbischen Albvereins, Ortsarchivare, Mitglieder des Schwäbischen Heimatbunds.

Als Koordinator hatte Willi Rößler die Mitarbeiter in ihre Arbeit eingewiesen und die Bürgermeister von dem Vorhaben informiert. Mit dem Frühjahr 2002 begann die Erfassung der Kleindenkmale. Sie hat viel Zeit in Anspruch genommen, oftmals musste ein Feldkreuz zweimal angefahren werden, weil die Lichtverhältnisse zum Fotografieren ungünstig waren. Viele Gespräche mit Besitzern waren notwendig, um die letzten Kleindenkmale zu erkunden bzw. Hintergründe der Errichtung zu erfahren. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Insgesamt wurden 1770 Kleindenkmale und 1048 Grenzsteine erfasst, wobei die religiösen Zeugnisse in der Überzahl sind.

Zeugnisse der Volksfrömmigkeit

Wer im Kreis Sigmaringen - einer weitgehend noch ländlich geprägten Landschaft mit überwiegend katholischer Konfession - wandert, wird auf Schritt und Tritt Feldkreuzen, Bildstöcken, Kapellen und Mariengrotten begegnen. 1081 Feldkreuze, 170 Bildstöcke, 50 offene Kapellen und 24 Mariengrotten wurden registriert. Die Dichte der Feldkreuze liegt im Schnitt bei 0,8 je qkm.

Insgesamt wurden 478 Holzkreuze, 440 Steinkreuze und 154 Metallkreuze erfasst. Interessant ist die regionale Verteilung der Feldkreuze. Während im nördlichen Teil des Kreises, der Schwäbischen Alb, vorwiegend Holzkreuze stehen, findet man im südlichen Teil fast ausschließlich Steinkreuze, im östlichen Teil treten gegossene und geschmiedete Kreuze stärker in Erscheinung. Entscheidend hierfür war das örtliche Material. Im südlichen Teil des Landkreises wurden früher in Steinbrüchen Molassesteine gebrochen, die für Grabsteine Verwendung fanden. Die Gusskreuze im östlichen Teil stammen zum großen Teil aus der Hütte in Schussenried.

Die Steinkreuze stehen auf Steinsockeln. Die Sockel weisen oft sehr schöne Steinmetzarbeiten auf mit neugotischen bzw. neubarocken Elementen. Sie sind meistens beschriftet. Die Buchstaben sind eingehauen und in den Kerben mit Blattgold oder schwarzer Farbe unterlegt. Bei den metallenen Kreuzen handelt es sich meistens um Gusskreuze, wobei zwischen Massenware und Einzelanfertigungen unterschieden werden muss. Geschmiedete Kreuze sind seltener. In den letzten Jahren wurden von Künstlern entworfene Feldkreuze in Metall geschmiedet bzw. gegossen.

77 weltliche Gedenksteine verweisen auf örtliche, politische oder geschichtliche Ereignisse. In Jungnau wird auf einem Stein an den Fliegerangriff mit Toten im Jahr 1945 erinnert, in Thiergarten steht ein Eisenluppen, der auf die frühere Hütte hinweist, in Neufra der Wolfstein, der an die erfolgreiche Jagd auf den letzten Wolf in Hohenzollern erinnert.

Kleindenkmale, die an frühere Wirtschaftsweisen erinnern

An den Nebenflüssen der Donau, der Schmeie, der Lauchert, der Fehla, ja an der Donau selbst wurden viele Fallenstöcke erfasst, die früher zur Bewässerung der Wiesen dienten. Vorhanden sind noch die Stein- bzw. Betonfundamente, die Holzbohlen sind verschwunden. Über ein Grabensystem wurde das Wasser auf die Wiesen geleitet. Ein so genannter Wässerer war für die gerechte Verteilung des Wassers verantwortlich.

Kalk wurde als Baustoff zur Herstellung von Mörtel und als Desinfektionsmittel schon im Mittelalter verwendet. In jedem Dorf, in dem Kalksteine vorhanden waren, wurde Kalk gebrannt. Meist zeugt nur noch der Flurname Kalkofen von dem früheren Gewerbe. In drei Orten des Landkreises konnten noch Reste von Kalköfen festgestellt werden.

Leider sind in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts viele Mühlen stillgelegt worden. Von den ehemaligen Mühlen sind nur noch die Kanäle sichtbar, bei manchen sind die Mühlsteine erhalten, sie stehen als Denkmal an der Stelle der früheren Mühle oder wurden als Sockel für ein Feldkreuz verwendet. Mühlräder stehen noch in Sigmaringen-Oberschmeien, in Herbertingen-Marbach und in Krauchenwies.

An den früheren Hohlwegen wurden in Gemarkungen mit Molassestein (Sandstein) Keller für landwirtschaftliche Vorräte wie Rüben und Kartoffeln, für Lagerung von Bier und Eis (Brauereien) geschlagen. Der relativ weiche Sandstein ließ dies zu. Die Keller, die tief im Boden lagen, boten eine gleichmäßig kühle Temperatur. Bis in die 1960er-Jahre des letzten Jahrhunderts wurden diese Keller regelmäßig benutzt. Durch die Kühltechnik der heutigen Zeit ist die Lagerung in den Kellern unwirtschaftlich geworden. Heute stehen die Keller leer.

Brunnen, Brunnenstuben, Hochbehälter wurden als Kleindenkmale registriert. Schöne Brunnentröge mit Pumpenschwengel stehen in Neidingen und in Aftholderberg, eine Brunnenstube in Mengen, der so genannte Kindlesbrunnen. Alte Hochbehälter finden sich fast in jeder Gemeinde. Heute ist jedes Haus an die Wasserversorgung angeschlossen, sodass die Brunnen als Wasserversorgung für Mensch und Vieh an Bedeutung verloren haben.

Kleindenkmale, die mit Verkehr zu tun haben

Die interessanteste Straße im Kreisgebiet ist die Donautalstraße zwischen Sigmaringen und Beuron. Sie wurde in den Jahren 1852 bis 1858 von den damaligen preußischen und badischen Straßenverwaltungen errichtet und führt mehrmals durch Felstunnel. Im Zuge der Erfassung von Kleindenkmalen hat Otto Rieger, Gutenstein, eine interessante Entdeckung gemacht. In den Felstunneln Gutenstein und Thiergarten sind die Namen der Herstellerfirmen und die Jahreszahlen der Fertigstellung eingehauen. Die Beschriftung ist nur schwer lesbar und kaum zu finden.

Alte Wegweiser sind nur in Sigmaringen im Park Josefslust zu finden, es handelt sich um gusseiserne Wegweiser. Eine gusseiserne Ortstafel wurde in Mengen-Granheim erfasst.

Es gibt nur wenige historische Brücken im Landkreis, jedoch steht auf vielen Brücken in unterschiedlicher Art der hl. Nepomuk, der Brückenheilige. In Beuron ist vor der historischen Holzbrücke eine Tafel von 1830 angebracht, welche die Brückentarife aufführt.

1476 Landesgrenzsteine

Der Kreis Sigmaringen wird als Dreiländerkreis bezeichnet, weil Bereiche von Baden, von Württemberg und von Hohenzollern im Landkreis integriert sind. Dementsprechend gibt es lange frühere Landesgrenzen, und zwar zwischen Baden und Württemberg, zwischen Hohenzollern und Württemberg sowie Hohenzollern und Baden vor 1850, danach zwischen Preußen und Württemberg sowie Preußen und Baden. Daneben wurden einige interessante Grenzsteine aus der Zeit vor 1803 erfasst: in Frohnstetten Steine der Klosterherrschaft Buchau mit Wappen von Äbtissinnen, in Ostrach ein Stein mit dem Wappen des Klosters Salem, in Bad Saulgau Steine mit dem Wappen der Fürsten von Thurn und Taxis. Der älteste Stein aus dem Jahr 1606 sitzt in Neufra und zeigt die Wappen von Württemberg und Fürstenberg.

Willi Rößler