Träger des Denkmalschutzpreises 2005

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Träger des Denkmalschutzpreises 2005

Der Denkmalschutzpreis Baden-Württemberg - landesweit der wichtigste Preis für private Denkmaleigentümer - ehrt im 28. Jahr seines Bestehens fünf völlig verschiedene Gebäude aus der reichen Denkmallandschaft des Landes. Die Spanne reicht vom Gesindehaus in Stuttgart bis zur Künstlervilla Hermann Hesses am Bodensee und vom Bauernhaus bis zum ehemaligen Grandhotel im Schwarzwald. Eine Besonderheit ist ein mittelalterlicher Wohnturm in Schwäbisch Hall.

Der in Baden-Württemberg einmalige Preis (weitere Infos zum Denkmalschutzpreis) wird vom Schwäbischen Heimatbund, dem Landesverein Badische Heimat und der Denkmalstiftung Baden-Württemberg mit Unterstützung der L-Bank Baden-Württemberg verliehen. Ziel des Preises ist, denkmalpflegerisch beispielhaft instandgesetzte Gebäude auszuzeichnen und bekannt zu machen, auch um weitere Denkmalbesitzer zur Nachahmung zu ermuntern. "Ohne privates Kapital und den Willen engagierter Bauherren, sich auf die Besonderheiten historischer Bauten einzulassen, würde die Denkmallandschaft in Baden-Württemberg viele herausragende Gebäude verlieren", sagte der Vorsitzende der Jury, Kirchenoberbaudirektor Ulrich Gräf. Die in diesem Jahr ausgezeichneten Bauwerke beweisen eindrucksvoll, dass alte, heruntergekommene Häuser durch Einfühlungsvermögen und Sachkenntnis neu genutzt werden können, ohne auf heutigen Komfort und hochwertige Wohn- und Arbeitsbedingungen zu verzichten.

Die Preisverleihung fand am 7.11.2005 in Schwäbisch Hall statt (zum Bericht über die Preisverleihung). Eigentümer, Architekten und Restauratoren erhielten als Auszeichnung eine Urkunde. Als Zeichen der Anerkennung erhielt zudem jeder Bauherr 5.000 Euro und eine Bronzeplakette zum Anbringen an das Gebäude.

Die Preisträger 2005

Ehemaliges Gesindehaus, Goezstraße 7, in Stuttgart-Plieningen

Das kleine Fachwerkhaus in der Goezstraße 7 mit seinem steinernen Sockelgeschoss war ein so genanntes Gesindehaus, in dem die Knechte und Mägde des Bauernhofs lebten. Das Nebengebäude einer früheren, großen Hofanlage kündet zusammen mit einer Reihe weiterer Bauernhäuser im Ortskern von Plieningen von der ehemals dörflichen Struktur des Stuttgarter Stadtteils. Um 1800 errichtet, war das Gebäude früher nur im Obergeschoss zu Wohnzwecken ausgebaut. Im steinernen Sockelgeschoss befanden sich die Ställe, die offene Bühne diente als Lager.

Metalltreppe im Fachwerkhaus

Historische und moderne Elemente lassen sich gegenseitig genügend Platz zur Entfaltung.

Das über einen längeren Zeitraum nicht mehr instand gesetzte und wenig gepflegte Gebäude wurde von Kerstin und Joachim Adam zu einem gut nutzbaren und komfortablen Wohnhaus ausgebaut. Dabei legten die neuen Eigentümer besonderen Wert auf einen niedrigen Energieverbrauch, ohne dabei die denkmalpflegerischen Belange des für das Ortsbild so wichtigen Gebäudes zu vernachlässigen. Deshalb blieben die alten Fenster so weit wie möglich an ihrem Platz und wurden zu Kastenfenstern umgebaut. Das Dach ist nun wieder mit historischen Biberschwänzen eingedeckt.

Das Obergeschoss erhielt eine außen liegende Dämmung - sein schönes Fachwerk ist jetzt von innen zu sehen. Im Sockelgeschoss, wo einst Schweine und Kühe zuhause waren, befinden sich heute die Wohnküche und weitere Räume - die außen sichtbaren Steinwände wurden belassen und nur von innen gedämmt, eine Wandheizung sorgt für angenehme Wärme. Eine neue Treppe in leichter Stahlkonstruktion fügt sich harmonisch in das historische Erscheinungsbild der alten Böden und Wände sowie ins Dachgeschoss mit seiner sichtbaren Sparrenkonstruktion ein.


Einhaus, Wäschbachweg 15, in Kressbronn-Gattnau (Bodenseekreis)

Das traufständige Bauernhaus von 1824 im Weiler Gattnau bei Kressbronn ist ein Vertreter des im Argengau bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts typischen, eingeschossigen und quergeteilten Einhauses. Unter dem großen, durchgehenden Satteldach vereinen sich der Wohnteil mit Hausflur, der Stall mit Tenne und die Remise. Heute ist diese Hausform nur noch selten zu sehen. Typisch für das Argenhaus sind auch die weiten Dachüberstände und die Zierbretter an den Köpfen der Dachpfetten.

Holztür

Historische Detailtreue bis zur Hintertür.

Stefan und Irene Missenhardt kauften das Bauernhaus von einer Erbengemeinschaft. Im Umgang mit dem stark heruntergekommenen Bauernhof spürt man die Liebe des Eigentümers zu seinem Haus. Das ist auch nicht verwunderlich, denn Stefan Missenhardt wurde vor über 50 Jahren in diesem Haus geboren. Unzählige Stunden an Eigenleistung haben er und seine Familie aufgewendet. Dank seiner ausgeprägten handwerklichen Fertigkeiten konnte Stefan Missenhardt viele Gewerke - von den Holzarbeiten bis hin zum technischen Ausbau - selbst ausführen. Das Bauernhaus zeigt sich heute wieder in einem historisch stimmigen Erscheinungsbild und dokumentiert beispielhaft das ländliche Wohnen und Wirtschaften im Bodenseeraum. Zurzeit wird das Haus als Ferienwohnung vermietet.


"Goldene Krone" in St. Märgen (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald)

Einst Klosterherberge, dann Kurhaus und später Hotel-Pension - die Geschichte der "Goldenen Krone" in St. Märgen ist eng verbunden mit der touristischen Entwicklung des Schwarzwaldes. 1757 entschloss sich Abt Peter Glunk, zur Verpflegung und Versorgung der zahlreichen Wallfahrer eine Kloster-Gastwirtschaft zu bauen. Im großzügig gebauten Neuen Haus wohnten auch Menschen, die beim Kloster arbeiteten. Daneben logierten in der viel besuchten Herberge des Klosters weltliche und geistliche Besucher. Der Aufenthalt hochgestellter Herrschaften im Jahr 1860 markiert denn auch den Beginn des Tourismus im Schwarzwald und den Wandel von der Klosterherberge und Pilgerheim zum Gasthof und späteren Grandhotel.

Gaststube

Der Speisesaal zeigt heute wieder seine Eleganz.

Das heutige, wieder hergestellte, Erscheinungsbild geht auf eine Erweiterung und die neue Einrichtung von 1902 zurück. Reich verzierte Erker und Dachaufbauten, glasierte Ziegel und eine prunkvolle Fassade mit Zierfachwerk und verspielten Fenstereinfassungen repräsentieren den Stil der Jahrhundertwende. Die "Goldene Krone" wurde zum führenden Grandhotel des Schwarzwaldes mit damals luxuriösen Bädern, prachtvollem Lesezimmer und einem eleganten Jugendstilsaal. Die berühmten Philosophen Martin Heidegger und Edmund Husserl und seine Schülerin Edith Stein waren häufige und gern gesehene Gäste. Aber auch Karl May und Konrad Adenauer finden sich in den Gästebüchern.

Der Niedergang begann in den 1960er Jahren. Fehlende Investitionen und billige Umbauten verschandelten das Haus. Als das Hotel dann letztendlich über mehrere Jahre leer stand, schien der Verfall unaufhaltsam. Doch der neu gegründete Förderkreis Lebendiges Dorf kaufte 2003 das Haus. Elf Privatpersonen schlossen sich zur Goldenen Krone GbR zusammen und setzten sich für die Rettung des wertvollen Baudenkmals ein. Mit hohem ehrenamtlichem Engagement ist es gelungen, das traditionsträchtige Haus wieder zu beleben. Im Erdgeschoss ist heute wieder ein Café eingerichtet und der Jugendstilsaal ist für Veranstaltungen aller Art instand gesetzt. In den Obergeschossen sind in die historischen Raumfolgen mehrere Wohnungen eingebaut.


Hermann-Hesse-Haus in Gaienhofen (Kreis Konstanz)

1904 ziehen Hermann Hesse und seine Frau Mia aus Basel kommend in ein altes Bauernhaus in Gaienhofen auf der Halbinsel Höri. 1907 kauft Hesse ein Grundstück in Gaienhofen und lässt sich durch den Basler Architekten Hans Hindermann ein Haus bauen. Die Villa inmitten eines großen Gartens beschreibt Hesse mit den Worten: Die Lage ist sehr schön, Quellwasser ganz nahe, das ganze 3 Minuten zum Dorf, mit weiter Seeaussicht nach zwei Seiten. Das Häusle wird bis zum 1. Stock massiv gemauert, oben Fachwerk und wahrscheinlich Schindelbekleidung, 7-8 Zimmer ohne Nebenräume. Doch bereits 1912 zieht Hesse mit seiner Familie nach Bern und verkauft sein Haus. Danach erlebt das Haus viele Veränderungen und das Grundstück wird geteilt.

karges Zimmer mit Schreibtisch

Auch Hesses Arbeitszimmer macht den "Genius Loci" anschaulich.

Im Jahr 2003 erwerben Dr. Bernd und Eva Eberwein das Haus. Ihr Ziel ist es, ein kleines Museum über die Gaienhofener Zeit von Hermann Hesse einzurichten. Anhand vieler Fotos und restauratorischer Befunde wurde die originale Bausubstanz in den wichtigsten von Hesse bewohnten Räumen, die der Schriftsteller in vielen Ausstattungsdetails selbst entworfen und konzipiert hatte, wieder hergestellt. Am Anfang der Sanierung stehen Sicherungs- und Freilegungsarbeiten in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege. Bis hin zur historischen Inneneinrichtung wird das Haus repariert und in Teilen auch rekonstruiert. Dabei mussten vor allem die unsachgemäßen Veränderungen der 1960er und 1970er Jahre zurückgebaut werden. Die ursprüngliche Farbgebung der Wohn- und Arbeitsräume wurde untersucht und soweit möglich rekonstruiert. Andere Teilbereiche des Hauses wollen die neuen Eigentümer zukünftig selbst bewohnen.


"Hohes Haus", Unterlimpurger Str. 81, in Schwäbisch Hall

Das so genannte "Hohe Haus", ein dreigeschossiger turmähnlicher Bau auf fast quadratischem Grundriss, steht am südlichen Rand der Unterlimpurger Vorstadt von Schwäbisch Hall. Der Wohnturm aus dem Spätmittelalter wurde über die Bestimmung der Jahresringe des Bauholzes (Dendrochonologie) auf das Jahr 1396 datiert, spätere Veränderungen im Innern stammen vor allem aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert. Seit 1602 lässt sich die Geschichte seiner Besitzer nachvollziehen.

Innenraum mit Holzstütze

Hier wird das Mittelalter lebendig.

Im Jahr 2001 erwarben Albrecht und Inge Bedal das seit 1998 leer stehende und heruntergekommene Gebäude und bewohnen das viergeschossige Baudenkmal seit 2004. Am steilen Ufer des Kocher gelegen, ist der auch als Wohnturm bezeichnete Bau mit seinem Schopfwalmdach eines der ganz seltenen Beispiele einer spätmittelalterliche Dachform mit einem doppelt stehenden Dachstuhl mit angeblatteten Steigbändern. Die weit auskragenden Fachwerkgeschosse zeigen heute wieder ihr ursprüngliches Erscheinungsbild. Dazu wurden die Fensteröffnungen der Bohlenstube auf die ursprüngliche Größe verkleinert.

Denkmalpflegerisches Ziel war es, die Vorzüge und Merkmale dieses einmaligen spätmittelalterlichen Baus wieder herauszuarbeiten. Dazu wurden die im Laufe des 19. Jahrhunderts hinzugefügten Änderungen und Anbauten entfernt, da sie keine hohe Qualität besaßen und schon halb verfallen waren. Dank des in weiten Teilen noch original erhaltenen Fachwerkaufbaus konnte das äußere und innere Erscheinungsbild erneuert und das Gebäude wieder zu einem Einfamilienhaus nach dem mittelalterlichen Grundriss gestaltet werden. Bauliche Hinzufügungen heben sich deutlich als Elemente der Moderne vom historischen Bau ab. Die neuen Anbauten im 2. Obergeschoss anstelle der baufälligen Schuppen aus dem 19. Jahrhundert sind deshalb in einer leichten Stahl-Glas-Konstruktion ausgeführt.


[Text: Ulrich Gräf, Fotos: Fisch]

Bei dem vorstehenden Text handelt es sich um die Mitteilung des SHB vom Oktober 2005. Ein ausführlicher Bericht ist in der "Schwäbischen Heimat" 2006/1 zu finden.