Träger des Denkmalschutzpreises 2001

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Träger des Denkmalschutzpreises 2001

Fünf Gebäude und ihre Besitzer erhielten den Denkmalschutzpreis 2001 des Schwäbischen Heimatbundes und der Württemberger Hypo. Die Spanne der Gebäude reicht vom Amtshaus zum Gerberhaus.

Die Preisträger 2001

Ehemalige Arbeiterwohnhäuser in Hausen, Bergwerkstraße 53-65

Ansicht einer langen Häuserreihe

Die langgestreckte Arbeitersiedlung mit den ehemaligen "Laborantenhäusern"

Die so genannten Laborantenhäuser in der Bergwerkstraße 53-57 und 61-65 in Hausen wurden 1836 von der Großherzoglichen Hüttenverwaltung für ihre Arbeiter erstellt. Das 1841 errichtete erhöhte Mittelhaus (Nr. 59) schloss die Lücke zwischen den beiden Baublöcken und bildet die heutige Bauflucht. Das Mittelhaus wurde als Gaststätte "Eisenwerk" bekannt.

Deutlich ist an den Gebäuden der Niedergang der Textilindustrie in den 60er- und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts nachvollziehbar. Bis dahin wurden die Gebäude gepflegt und instandgehalten. Beim Kauf der Häuser durch die Eigentümergemeinschaft 1995-1996 waren die Wohnungen kaum mehr vermietbar, da es z.B. keine sanitären Einrichtungen bis auf die außen liegenden Plumpsklos gab. Auch in dem heruntergekommenen Zustand war aber der städtische Zuschnitt der dreigeschossigen Bauweise mit dem hohen Kniestock für ein voll ausgebautes Dachgeschoss erkennbar. Die einfache Nutzung und Bauweise war Verpflichtung.

Die Übernahme der gesamten Hauszeile 1996 war Rettung in letzter Not. Sämtliche Fenster wurden nach historischem Vorbild erneuert, die Eingangstüren repariert. Der historische Putz aus Sand und feinem Splitt als Kellenwurf war noch weitgehend vorhanden. Er wurde ausgebessert und ergänzt und mit Mineralfarbe neu gestrichen. Die Treppenhäuser und vor allem die schönen Dielenböden konnten erhalten und repariert werden. Mit dem Erhalt der alten Kamine ist es den Bewohnern heute wieder möglich, zusätzlich mit Holzeinzelöfen zu heizen.

Die Nutzung des Gebäudes durch Wohnungen ist geblieben, wenngleich die Grundrisse heutigen Wohnverhältnissen und Familiengrößen angepasst werden mussten. Die alten überdachten rückwärtigen Veranden aus Holz sind in die heutigen Wohnnutzungen integriert und bilden in der Orientierung zu den privaten Gartenflächen ein wichtiges Element des Wohnwertes der Anlage.

Die drei- bis viergeschossigen Häuser überraschen in dieser ländlichen Gegend mit ihrer städtischen Gestalt von der Straßenseite her. Die Rückseite hingegen mit vorgelagerten Schuppen und Ställen zeigt den ländlichen Charakter im heute parzellierten Freibereich mit kleinen Gärten, Baumwiesen und Bach. Mit hohem Aufwand und persönlichem Einsatz wurden die einzelnen Hausteile individuell für die Bedürfnisse der Bewohner saniert. Auf neue Gestaltungselemente wurde weitgehend verzichtet, um die ursprüngliche Schlichtheit zu erhalten. Gerade diese Einfachheit macht heute wie damals die Wirkung der Siedlung aus und setzt mit hohem Selbstbewusstsein einen wichtigen städtebaulichen Akzent.

Klassizistisches Wohnhaus in Kressbronn, Tettnanger Straße 28

Vorderansicht

Die Strassenseite zeigt die symmetrische Putzfassade mit ihren klassizistischen Gliederungselementen

Das stattliche, zweigeschossige Wohnhaus wurde 1847 bis 1848 außerhalb des einstigen Dorfes Hemigkofen (seit 1934 Kressbronn) an der Straße nach Betznau und Tettnang errichtet. Bauherr war der damalige Hemigkofer Schultheiß Alois Maier, dessen Anwesen zugleich auch Sitz der Ortsverwaltung und Poststation war. Daher rührt sicherlich der für ein landwirtschaftliches Gebäude nicht erforderliche zentrale, repräsentative Eingang von der Straße her. Das Haus konnte seit 1997 durch Familie Müller wieder in Stand gesetzt werden und ist heute bereit, als Wohnhaus für die nächste Generation zu dienen

Ziel der Renovierung war es, ein Wohnhaus nach zeitgemäßen Bedürfnissen zu schaffen. Etwaige Abstriche im Wohnkomfort wegen denkmalpflegerisch wertvoller Bausubstanz und Ausstattungen nahm die Eigentümerin, Frau Waltraud Müller, dabei bewusst in Kauf. Ausgehend von einer Bestandsaufnahme konnte ein Wohnkonzept entwickelt werden, das den historischen Grundriss beibehält und in einfühlsamer Weise die Wohnnutzung mit ihren Ansprüchen an zeitgemäße Sanitär- und Heizungsinstallationen unterbringt.

Für die klassizistische Formensprache typisch sind die profilierten, wiederkehrenden Traufgesimse, die mit den hohlkehligen Ortganggesimsen eine gestalterische Einheit bilden. Das historische Erscheinungsbild wird komplettiert durch die reparierten Fenster in den historischen Formen, die Restaurierung der Holzgewände und die Restaurierung der Klappläden.

Der klassizistische Putzbau mit seinen symmetrischen, hochformatigen Kreuzstockfenstern und kassettierten, auf die Gliederung der Fenster abgestimmten Klappläden steht heute markant an der Tettnanger Straße. Der liebevoll angelegte Bauerngarten zur Straße hin vervollständigt das Erscheinungsbild. Besonders beachtenswert ist die Konstruktion der aufwändigen Kelleranlage mit fünf Tonnengewölben und zwei Kellerhälsen, die zusammen mit der Scheuer auch auf die ehemalige landwirtschaftliche Nutzung des Hauses hinweisen.

In beispielhafter Weise sind die für ein Gebäude von 1848 so wichtigen Elemente wie Stuckgesimse, Wandtäfer, Dielen- und Parkettböden, Einbauschränke, Kachelofen und Küchenofen erhalten und restauriert. Mit viel Liebe zum Detail wurde die historische Ausstattung des 19. Jahrhunderts erhalten und, wo erforderlich, die notwendigen Abstriche am heutigen Wohnkomfort in Kauf genommen, um damit ein Gebäude weiter zu tradieren, das anschaulich die Wohn- und Lebensverhältnisse in der Mitte des 19. Jahrhunderts vermittelt.

Barockes Bürgerhaus in Rottweil, Hochturmgasse 4

Straßenansicht mit großer Aufzugsluke im Dach

Das Bürgerhaus in der Rottweiler Altstadt zeigt alle Attribute des Ackerbürger- und Handwerkertums.

Das stattliche dreigeschossige Bürgerhaus in der Hochturmgasse im Norden der his-torischen Altstadt von Rottweil brannte 1696 zusammen mit weiteren 115 Häusern ab. Fast zehn Jahre lang blieb die Brandstelle unbebaut, bis der Spitalmeister Joseph Schroff 1705 bis 1706 sich hier sein Stadthaus mit geschütztem Garten zur Stadtmauer hin baute. Die Hausgeschichte lässt sich mit Hilfe der Kaufbücher im Stadtarchiv Rottweil bis zum Jahr 1769 lückenlos zurückverfolgen. Die wohlproportionierte Fassade wird durch die charakteristischen und stadtbildprägenden Elemente geformt. Zum einen ist dies der zweigeschossige, polygonale Erker in asymmetrischer Anordnung auf der rechten Haushälfte und zum anderen eine den Traufbereich durchstoßende Aufzugsgaube.

Auf der Grundlage von ausführlichen Bestandserfassungen wurde ein Gesamtkonzept erarbeitet, um die historische Bausubstanz und die ursprünglichen Ausstattungen soweit als möglich zu erhalten. Ein wichtiger Teil des Konzepts war die Freilegung der historischen Wand- und Deckentäfer, sowie die weitgehende Schonung gut erhaltener Fachwerkwände an ihren Originalplätzen.

Die Fenster in den Achsen neben dem Erker zeigen die ursprüngliche Größe und Unterteilung durch Mittelpfosten auf. Die Rückseite des Hauses wird durch eine über alle Geschosse reichende Laube geprägt, ein Gliederungselement Rottweiler Häuser seit dem Spätmittelalter. Nach dem Ausbau der Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen der letzten Jahrzehnte, wie Trennwände, Aufdopplungen von Wänden, Decken und Böden, kamen prächtige barocke Ausstattungen hervor, die vorher nicht zu sehen waren. Gleichzeitig traten auch große Bauschäden zutage, die behoben werden mussten.

Augenfällig zeigen sich die originalen raumhohen Wandtäfer, die Kassettendecken und der Erker. Zusammen mit den Dielenböden wurden sie repariert und nach Befund behandelt. Die barocke Holzausstattung der guten Stuben auf der Straßenseite geben den Räumen ihr schönes Erscheinungsbild in einem Fachwerkhaus. Die Erhaltung und gekonnte handwerklich-meisterhafte Reparatur und Ergänzung der barocken Raumausstattungen ist beispielhaft. Mit Umsicht und Einfühlungsvermögen haben die Bauherren Theresia Dreischulte-Klos und Hermann Klos ein harmonisches Nebeneinander von historischer Ausstattung und zeitgemäßer Nutzung geschaffen.

Ehemaliges Eremitenhaus in Abtsgmünd-Wöllstein, Kapellenweg 31

Ein kleines Haus am Hang

Das Eremitenhaus in Abtsgmünd-Wöllstein mit der zum Ensemble gehörenden Kapelle

Das freistehende Wohnhaus in Wöllstein, auch "Schlössle" genannt, steht auf den Resten einer Burganlage, die bereits 1269 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Nach den Zerstörungen im 30-jährigen Krieg wurden die letzten Mauern um 1700 bis auf die Grundmauern der daneben liegenden Kapelle eingerissen. Seit 1723 ließen sich Einsiedler in den Ruinen nieder und erbauten 1757 für ihre Zwecke ein neues Wohngebäude. Der restaurierte und aufwändig wieder hergestellte Eingang aus Sandstein dokumentiert mit seiner Inschrift diese Bauphase. Im Anbau zur Waldseite und im Gewölbekeller stecken noch Teile der ehemaligen Burganlage, erkennbar an historischen Mauern und Verputzungen sowie an mittelalterlichen Fenstergewänden.

Die neuen Eigentümer Gabriele und Josef Thamm erwarben das Gebäude 1995 quasi als Ruine, da in den letzten Jahrzehnten kaum noch etwas für die Erhaltung des Hauses getan worden war. Eine Bauaufnahme und umfangreiche restauratorische Untersuchungen brachten eine Vielzahl von bauzeitlichen Funden und Resten der Vorgängerbauten zutage, die nach mehreren Konzeptionsphasen ein schlüssiges Gesamtkonzept, abgestimmt auf die neue Wohnnutzung, ergaben.

Im Obergeschoss waren in den historischen Wohnräumen der Eremiten zwei Kammern und ein größerer Aufenthaltsraum sowie im Treppenhausflur an vielen Stellen die historischen Putze und die Farbfassungen auf dem Fachwerk erhalten. Durch die Behandlung und Wiederherstellung der Räume nach ihrem historischen Befund wird die frühere Nutzung mit den beiden Eremitenkammern, dem verbindenden Flur mit Ofen und einem größeren Aufenthaltsraum erst wieder nachvollziehbar. Die neue Nutzung und Ausstattung als Wohngebäude für eine Familie nimmt darauf Rücksicht und integriert die historischen Funktionen wie selbstverständlich in eine zeitgemäße Wohnnutzung. Der Dachboden, der als Heuboden diente, ist nun als Wohnraum ausgebaut worden. Die historische Dachkonstruktion konnte weitgehend repariert und erhalten werden.

Mit hohem Engagement und vielen Arbeitsstunden setzten die neuen Eigentümer nach Angaben durch die untersuchenden Restauratoren die historische Ausstattung mit Böden, Decken, Wänden, Treppen und Türen in Stand. Dabei entstand ein überraschend gut nutzbares Wohnhaus, das anschaulich die frühere Nutzung mit Eremitenzellen und Aufenthaltsraum sowie den entsprechenden Nebenräumen des historischen Grundrisses dokumentiert

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Frühklassizistisches Amts- und Wohngebäude in Konstanz, Hofhalde 1

Außenansicht

Das elegante Amtsgebäude

Die "Domfabric", der weltliche Vermögensfonds zum Unterhalt der Bischofskirche in Konstanz, ließ 1781-1782 in der Hofhalde ein neues Amts- und Wohnhaus erbauen. Die eleganten frühklassizistischen Fassaden und Ausstattungen sprechen für einen guten Baumeister jener Zeit, der leider nicht mehr bekannt ist. Die qualitätvollen Holz- und Stuckarbeiten folgen dem Repräsentationswillen der damaligen Auftraggeber am Ausgang des Absolutismus.

Nach der Säkularisation kam das Gebäude über Umwege an den jungen badischen Staat, der es bereits 1814 wieder in einer offensichtlich heftigen Bieterschlacht unter den Konstanzer Familien versteigerte. Den Zuschlag erhielt der Zimmermeister und Stadtrat Benedikt Milz. 1916 kam es in den Besitz der Familie Stiegeler. Der heutige Eigentümer Alexander Stiegeler hat es mit hohem Aufwand in zahlreichen Arbeitsstunden restauriert und wieder nutzbar gemacht.

Die Fassade ist durch flache Pilaster mit ionischen Kapitellen dreigeteilt und symmetrisch gestaltet. Die Betonung des Eingangs durch einen wappengeschmückten Giebel gibt dem als städtische Villa ausgeführten Gebäude seinen repräsentativen Charakter. Die symmetrisch angeordneten Schornsteine erhielten wieder ihre charakteristischen, mit Dachziegeln abgedeckten Kaminköpfe. In den Konstanzer Baudenkmälern von 1983 zählt der architektonisch reich gerahmte Eingang mit originaler Haustür zu den schönsten der Stadt. Nach der Restaurierung der Fassaden mit ihrem historisch stimmigen Erscheinungsbild und der aufwändigen Restaurierung der zweiflügeligen Haustüre trifft dies heute erst recht zu.

Eine der für das historische Gesamterscheinungsbild des Hauses wichtigsten Maßnahmen war die Herausnahme einer später eingezogenen Wand im Festsaal. Damit konnte die ursprüngliche Raumaufteilung der Beletage wieder hergestellt werden. Beispielhaft ist auch der Wiedereinbau der in früheren Jahren ausgebauten Kachelöfen, die vom Rosengartenmuseum zurückgegeben wurden. Heute sind wieder alle beheizbar.

Das zukünftige Nutzungskonzept sieht eine gemischte Nutzung sowohl von Wohnen als auch Tagungsbetrieb vor. Die Ausrichtung der repräsentativen Innenräume auf ein zentrales Treppenhaus lässt eine geschossweise Vermietung und Nutzung nicht zu. Das Wohn- und Amtshaus dient heute als kleines, gehobenes Tagungs- und Gästehaus. Seine Einrichtung mit Möbeln der Zeit aus Familienbesitz macht es zu einem Gebäude der "Sammlung und Versammlung". Die kleine, aber mit gehobenem Anspruch erbaute repräsentative Stadtvilla wird nach der Vorstellung seines Besitzers im Laufe der Zeit die Teile der Familienschätze bergen, die zur Ausstattung und Möblierung eines solchen Gebäudes dazu gehören. So vermittelt das Gebäude auch heute anschaulich den Wohn- und Lebensstil einer bürgerlichen Kultur im ausgehenden 18. Jahrhundert.

(Texte und Bilder: U. Gräf / D. Dziellak, R. Ray)

Hinweise

In Heft 1 eines jeden Jahrgangs berichten wir in der Schwäbischen Heimat ausführlich über die aktuelle Preisverleihung und die Preisträger. Sonderdrucke können Sie kostenlos bei der Geschäftsstelle bestellen.

Die Preisträger werden im Spätsommer eines jeden Jahres bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet üblicherweise im Herbst in der Stadt oder Gemeinde eines der Preisträger statt.

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern