Träger des Denkmalschutzpreises 2000

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Träger des Denkmalschutzpreises 2000

Fünf Gebäude und ihre Besitzer erhielten den Denkmalschutzpreis 2000 der Württemberger Hypo. Die Spanne der Gebäude reicht von einem ehemaligen Speicher bis zum Schloss.

Die Preisträger 2000

Ehemaliges Speichergebäude Fischerbach, Hintertal 21

Außenansicht des Fachwerkhauses

Das Speichergebäude des Ramsteinerhofes von 1608

Das Speichergebäude des Ramsteinerhofes wurde 1608 erbaut und erfüllte seine Funktion als Speicher bis zum Jahre 1764. In diesem Jahr wurde das Hofgebäude des Ramsteinerhofes im mittleren Kinzigtal neu gebaut oder umgebaut. Zur Überbrückung einer längeren Bauzeit für das Hofgebäude des Ramsteinerhofes, die nach archivalischen Unterlagen 1764 stattfand, richtete der damalige Hofbauer im Speicher eine Wohnung ein, die im Erdgeschoss aus Stube, Küche und Stüble bestand. Stüble ist in diesem Zusammenhang mit einer Schlafkammer gleichzusetzen. Im Obergeschoss wurden noch zwei Magd- und Knechtskammern eingerichtet, die nur über die Front-Treppe im Freien erreichbar waren.

Im Erdgeschoss beließ der Hofbauer noch einen Speicherraum als Fruchtkammer. Später wurde dann das Gebäude als Leibgeding für den Ramsteinerhof genutzt. Nach einer wechselvollen Geschichte musste das Gebäude 1997 und 1998 komplett restauriert werden, um den Zerfall zu stoppen und das Erscheinungsbild und die Nutzung als Leibgedinghaus zu erhalten.

Nach der Erneuerung und Restaurierung erhielt es sein historisches Erscheinungsbild mit einem Stroh- bzw. Reetdach zurück. Leider ist es heute nicht mehr möglich, ein reines Strohdach zu bauen, da hierzu das Grundmaterial Stroh nicht mehr in der notwendigen Mischung erhältlich ist. Beheizt wird das Haus mit dem historischen Kachelofen. Als Grundheizung dient eine Fernheizung, gespeist von einer Holz-Hackschnitzel-Anlage auf dem Ramsteinerhof. Um das historische Erscheinungsbild des Äußeren nicht zu verändern, wurden die Isolierschichten und die Installation innen aufgebracht und wieder in der alten Form verkleidet. Die Fenster erhielten zusätzliche Vorfenster, um in den Wintermonaten Schutz zu bieten. Besonderer Wert wurde auf die materialgerechte und historische stimmige Erneuerung gelegt.

Der wichtigste Raum im Gebäude, die gute Stube des Leibgedings, konnte original erhalten werden. So wurde hier auf eine Wärmedämmung der Außenwände verzichtet, die Heizkörper unter der Eckbank versteckt. Die vier Fenster sind zwölffach mit Sprossen unterteilt und besitzen alle ein kleines Lüftungsschiebefenster. Die Stube hat ihren Charakter mit Herrgottswinkel, Eckbank, Esstisch, Wandschrank und dem Kachelofen, eingerahmt von einer Ofenbank, behalten. Die neuen, nach heutigen Erfordernissen notwendigen Einbauten eines Bades und einer modernen Küche erfolgten substanzschonend im historischen Grundriss.

Durch hohen persönlichen Einsatz von Ulrich und Brigitte Müller ist es beispielhaft gelungen, ein für das Kinzigtal typisches Schwarzwald-Gebäude zu erhalten und zur Ferienwohnung ausgebaut wieder einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Die Feriengäste erleben heute anschaulich die historisch stimmige frühere Wohnform eines Leibgedinghauses.

Das sogenannte Lamparterhaus in Vaihingen an der Enz, Mühlstraße 21

Der Giebel des Lamparterhauses

Die Straßenseite zeigt ein barockes Putzfachwerk

Das nach den Vaihinger Stadtbränden von 1617 und 1618 im Zeitraum von 1617 bis 1620 wieder aufgebaute Bürgerhaus wird heute als Lamparterhaus bezeichnet. Eine mehr als hundertjährige Familiengeschichte der Familie Lamparter ist bis zum Verkauf des Gebäudes 1989 damit verbunden.

Ohne ein tragfähiges Nutzungskonzept stand das Haus bis 1997 leer, worunter vor allem die Dachgeschosse sehr gelitten haben. Der Inschriftenstein von 1617, der heute wieder im Eingang des Hauses in die Wand eingelassen ist, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Er ist eine Dauerleihgabe des Städtischen Museums der Stadt Vaihingen an der Enz und stellt ein bemerkenswertes Zeugnis städtischer Baukultur des 17. Jahrhunderts dar.

Die neuen Besitzer, Thomas Hitschler und Ulrike Schmidt-Hitschler, haben in vorbildhafter Weise ihr neues Haus erforscht und dokumentiert. In einem ausführlichen Raumbuch und in einer Bauaufnahme haben sie sich mit dem Bestand auseinandergesetzt und daraus ein neues Nutzungskonzept mit Wohnungen entwickelt. Nicht nur das Treppenhaus wurde vertikal übereinander angeordnet, sondern auch die Bäder aller drei Wohnungen. Dadurch konnten die Eingriffe in die Bausubstanz minimiert werden. Auch wenn das Haus von außen gar nicht so groß aussieht, es beinhaltet ohne die Dachgeschosse drei Wohneinheiten mit zusammen rund 300 qm.

bemalte Holzdecke

Die Renaissance-Fassung der freigelegten Decke im Eingang des Erdgeschosses.

In den Wohnungen wurde eine ganze Reihe der restauratorischen Befunde gesichert und abgedeckt, um eine sinnvolle und heutigen Erfordernissen angepasste vermietbare Wohnnutzung zu ermöglichen. Geblieben ist unter anderem die Renaissance-Ausstattung der Haupträume. Besonders hervorzuheben ist, dass die Dachgeschosse mit ihrer wertvollen historischen Struktur und Ausmalung konservierend behandelt und nicht weiter ausgebaut wurden. Damit kann der historische Grundriss mit Mittelflur und seitlichen Wohnkammern erhalten und gezeigt werden. Die wertvollen, freigelegten Deckenmalereien im Eingangsflur mit den Bauteilen einer früheren Gastwirtschaftsnutzung, die übrigen Ausstattungen von dem 17. bis zum 19. Jahrhundert mit allen Unebenheiten und Schieflagen wurden in die neue Wohnnutzung integriert und Historisches mit Modernem verbunden. Ohne große Veränderung der historisch gewachsenen Struktur und Ausstattung konnte eine neue Wohnnutzung auf drei Geschossen realisiert werden.

Schloss Laudenbach Weikersheim-Laudenbach, Schlössle 5

Gesamtansicht

Das Fachwerkgeschoss aus der Renaissance prägt heute das "Schlössle".

Schloss Laudenbach wurde laut Oberamtsbeschreibung erstmals 1459 erwähnt. Gesichert ist der Umbau und die Aufstockung des Schlosses in den heutigen Ausmaßen unter dem berühmten Würzburger Bischof Julius Echter in der Zeit um 1576. Unter Echter entstand das vierte Geschoss in Fachwerkbauweise und die bestehende Gliederung der Fensteröffnungen. Eine gesamte Umgestaltung des Schlosses in qualitätvollen Renaissanceformen und entsprechender Farbigkeit ist dabei anzunehmen.

Eine weitere Umgestaltung durch den kaiserlichen General Melchior von Hatzfeld in der Barockzeit erfolgte auch im Fachwerkgeschoss. Danach wurde im 19. und 20. Jahrhundert das Fachwerkgeschoss nur noch als Lagerraum genutzt. Dadurch blieben die außergewöhnliche Struktur der Räume und die für die ländliche Gegend aufwendigen Dekorationen der Wände und Decke bis in unsere Tage erhalten. In vorbildhafter Weise wurden in bauhistorischen und restauratorischen Untersuchungen die Befunde im Fachwerkgeschoss gesichert und historisch stimmig gezeigt.

In Zeitschnitten, die die beiden wichtigen Bauphasen aus der Renaissance und dem Barock an den Wänden, Fenstern und der Decke berücksichtigten, wurde der Versuch gemacht, diese historischen Schichten zu würdigen, ohne die originale Schicht der Erbauungszeit freizulegen und damit die barocke Bauphase zu zerstören. Besonders hervorzuheben ist die Erhaltung des bauzeitlichen Kalkmörtelestrichs im gesamten vierten Geschoss.

Die Abtragung eines späteren Außenkamins legte die originären Befunde an den Fachwerkfassaden frei, nach denen die Wiederherstellung der Fassaden erfolgte. In beispielhafter Weise hat Dr. Gerhard Hoffmann-Becking kompromisslos Wert auf die Authentizität in der Erhaltung der historischen Befunde im Fachwerkgeschoss des Schlosses gelegt. In konsequenter Weise forderte er vom Architekten, dem Denkmalpfleger und dem untersuchenden und ausführenden Restaurator eine teamorientierte Zusammenarbeit. Das ständige Bewohnen des Fachwerkgeschosses mit zeitgemäßem Wohnkomfort hätte eine entsprechende Haustechnik erfordert. Als zurückhaltend möblierte Sommerwohnung, die durch die temporäre Nutzung ohne aufwendige moderne Installationen und Einbauten auskommt, wird die wertvolle historische Ausstattung erhalten und in sinnvoller Weise weitertradiert. Wichtig ist dem Bauherrn die Wahrung der Atmosphäre der Räume und ein unverstellter Blick auf die Befunde.

Leimhaus Zimmern-Flözlingen, Im Winkel 7

Außensansicht

Das rundum mit Sichtfachwerk versehene Leimhaus von der Traufseite

Eindrucksvoll steht das große Einhaus mit Wohnteil und Scheune sowie dem dazugehörenden Kellerhaus im Dorf. Bereits im ersten Lagerbuch des Ortes findet ein "Lainhuß" Erwähnung. Das Leimhaus gehörte zu den wenigen zinsfreien Gebäuden im Dorf und steht heute noch auf einem Grundstück, das annähernd der alten Hofstattgröße entspricht.

Nach einem Brand 1778 wurde der Hof unmittelbar danach wieder etwas verkleinert in der alten Form aufgebaut. Das Leimhaus ist aufgrund seiner Bauform und Bauweise ein charakteristischer Vertreter des "quergeteilten Einhauses". Dieser Bautyp ist in der Landschaft des oberen Neckars prägend. Die repräsentative Innenausstattung und die äußere Gestaltung erlauben Rückschlüsse auf die wirtschaftlichen Verhältnisse des Erbauers und seinen sozialen Stand. Innerhalb der vom 16. bis zum 20. Jahrhundert reichenden Bautradition des Einhauses dokumentiert das Flözlinger Leimhaus gut die vermögende Stufe und die Baukultur des ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhundert in dieser Gegend.

Das Leimhaus zeigt heute nach einer wechselvollen Geschichte wieder sein barockes Schmuckfachwerk. Die Pläne der Gemeinde Zimmern, in diesem Gebäude ein Heimatmuseum einzurichten, ließen sich nicht verwirklichen. Auf diese Nutzung hin wurden aber seit 1984 bereits Außeninstandsetzungs-Arbeiten durchgeführt. Erst mit dem Erwerb durch Bernd und Annette Sigel wurde seit 1995 nach umfangreichen restauratorischen Vorarbeiten konsequent ein Nutzungskonzept entwickelt und in weitgehender Eigenleistung unter Begleitung ihres Architekten umgesetzt. In der Tradition der familiären und dörflichen Solidargemeinschaft haben Familie, Freunde und Verwandte mitgeholfen, das Gebäude wieder instand zu setzen.

Hausflur mit Dielenboden und Fachwerk

Der Eingangsflur mit Treppe ins Obergeschoss mit Dielenboden, weiß gekalktem Sichtfachwerk und Holzdecke.

Das Fachwerk zeigt eine stockwerksweise Abzimmerung mit starken Bundbalken unter dem Dachstuhl. Blockwände trennen im Erdgeschoss den Wohnteil und die Ställe im Ökonomiebereich voneinander. Auffallend sind die Zierformen der Fachwerkkonstruktion und vor allem die Eingänge in den Wohnteil und den Stallbereich. Geschwungene Streben und die profilierten Türsturze der Wohntüre und der Stalltüre sowie die bemalten Klappläden der Fenster verleihen dem Außenbau sein unverwechselbares, abwechslungsreiches und kunstvoll gestaltetes Erscheinungsbild.

Der umfassende Originalbestand aus dem Wiederaufbau von 1778 war Richtschnur für die Restaurierungsarbeiten. Verschiedene entstellende Einbauten und neue Türen aus verschiedenen Umbauphasen wurden entfernt. Natürlich fanden die wichtigen Renovierungsphasen seit der Bauzeit Eingang in das neue Nutzungskonzept. Die spätklassizistische Stube mit Kachelofen, die Türen und Fenster für das Wohnhaus stammen aus der Zeit um 1860. Sie wurden vollständig in die Restaurierung integriert. Das obere Schlafzimmer aus den 1920er Jahren dokumentiert gleichfalls den Wohnkomfort der damaligen Bewohner und bildet für sich eine erhaltenswerte stilistische Einheit.

Andere Umbauten fügen sich weitgehend harmonisch in das originale Raumgefüge ein. In beispielhafter Weise konnte so der umfassende Originalbestand des Leimhauses in Flözlingen erhalten und wiederhergestellt werden.

Schloss Dettingen Horb-Dettingen, Schlossgasse 1

Eine kunstvoll bemalte Zimmertür

Alle Türen waren ursprünglich marmoriert und mit Landschaftsbildern bemalt.

Schloss Dettingen wurde 1746 von Fürstabt Gerold I. von Muri - im Schweizer Kanton Aargau - erbaut und als Amtshaus für die Verwalter des Besitzes genutzt. Das Gebäude ist seit 1834 im Besitz der Gemeinde, umgebaut zum Schulhaus mit Lehrerwohnungen, Rathaus, Doktor- und Apothekerwohnungen. Eine wechselvolle Geschichte brachte immer wieder geänderte Nutzungen bis hin zur Einquartierung von Soldaten und anschließend daran als Wohnung für Flüchtlinge.

Der bauliche Zustand des noblen Gebäudes verschlechterte sich dabei zunehmend, ohne dass ein dauerhaftes und tragfähiges Nutzungskonzept für das ganze Gebäude gefunden wurde. Vor allem das zweite Obergeschoss stand seit langem leer. Mit dem Verkauf des zweiten Obergeschosses an die Innenarchitektin Astrid Tober bekam das Schloss in diesem Geschoss wieder eine neue Nutzung, die im Einklang mit der historischen Raumstruktur und der historischen Ausstattung der barocken Räume steht. Der bauliche Zustand ihres neu erworbenen Teileigentums ließ kaum mehr auf den heutigen Reichtum an Stuckierungen, Bemalungen und Intarsienböden schließen.

Eine ausführliche Bestandsaufnahme mit restauratorischen Untersuchungen an den Stuckierungen und an den hölzernen Bauteilen war die Grundlage für das weitere Vorgehen. Die nachträglich eingezogenen Zwischenwände und die abgehängten Decken wurden vorsichtig entfernt, der wertvolle Stuck in aufwendiger Handarbeit freigelegt. Die Fehlstellen an den Stuckgesimsen wurden ergänzt, die zerstörten plastischen Stuckierungen an der Decke wurden nur zeichnerisch ergänzt, um die Formen optisch zu schließen und wieder lesbar zu machen.

Einige ehemals zweiflügelige Türen waren zu einflügeligen Türen zusammengeschreinert worden und mussten wieder in die ursprüngliche Form zurückgebaut werden. Durch den späteren Bodenaufbau waren fast alle Türen gekürzt. Bei einer Türe waren die Malereien nicht überstrichen, sie wurden gereinigt, restauriert und nach den Fassungsbefunden wieder marmoriert. Die vorhandenen Sprossenfenster stammen aus dem 20. Jahrhundert und wurden beibehalten und repariert. Zum Innenhof hin waren die Fenster einfach verglast, die dazu gehörenden Vorfenster wurden auf dem Speicher gefunden, restauriert und wieder eingebaut.

In beispielhafter Weise hat die neue Eigentümerin die historische Struktur der barocken Raumfolgen mit ihrer Ausstattung durch Stuckdecken und Intarsienböden wieder aufleben lassen.

(Texte und Bilder: Ulrich Gräf)

Hinweise

In Heft 1 eines jeden Jahrgangs berichten wir in der Schwäbischen Heimat ausführlich über die aktuelle Preisverleihung und die Preisträger. Sonderdrucke können Sie kostenlos bei der Geschäftsstelle bestellen.

Die Preisträger werden im Spätsommer eines jeden Jahres bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet üblicherweise im Herbst in der Stadt oder Gemeinde eines der Preisträger statt.

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern