Träger des Denkmalschutzpreises 1998

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Träger des Denkmalschutzpreises 1998

Fünf Gebäude und ihre Besitzer erhielten den Denkmalschutzpreis 1998 des Schwäbischen Heimatbundes und der Württemberger Hypo. Die Spanne der Gebäude reicht von der Friedhosfkapelle bis zum ehemaligen Dorfschulhaus.

Die Preisträger 1998

Friedhofskapelle in Starzach-Wachendorf (1733)

Blick auf die Kapelle durch das Friedhofstor

Blick auf die Kapelle vom Eingangstor zum Friedhof.

Joseph Freiherr von Ow-Wachendorf und seine Gemahlin Elisabeth, geb. Freiin von Raßler, erbauten 1733 die Friedhofskapelle und übereigneten sie der kath. Kirchengemeinde Wachendorf. Einige Jahre später stifteten sie zudem ein namhaftes Kapital zur Erhaltung der Kapelle, welches aber durch die verschiedenen Geldentwertungen verloren ging. Mangelhafte Instandsetzungen und jahrelanger Streit um die Erhaltung führten zu einem desolaten Zustand des Gebäudes. Die Kapelle war so sehr heruntergekommen, dass sich ernsthaft die Frage stellte, das Gebäude aufzugeben.

Die vielen fruchtlosen Verhandlungen über mehrere Jahre hinweg bewogen Sigurd Freiherr von Ow-Wachendorf, den Vertreter der zur Nutzung der Gruft berechtigten Familie, die Kapelle wieder zu übernehmen und die notwendigen Instandsetzungsarbeiten auf eigene Kosten durchzuführen. Das heutige verputzte Mauerwerk zeigt wieder sein historisch stimmiges barockes Erscheinungsbild. Die Mauerecken wurden mit Lisenen nach dem historischen Vorbild neu gestaltet, die Steingewände des Eingangsportals und der Fenster mussten aufwendig repariert werden.

Eine Besonderheit im Inneren stellt das Altarblatt "Die sieben Zufluchten" von Franz-Joseph Spiegler dar. Die störenden Überfassungen vergangener Jahre wurden entfernt und das Bild und der Stuckmarmor des Altars entsprechend dem Erstbefund restauriert. Die Raumschale mit der farbigen Fassung der Stuckierung wurde gesichert, soweit notwendig ergänzt und nach dem Befund neu gefasst.

Die Notwendigkeit, einen abschließbaren Chorraum zu schaffen, ließ den Eigentümer auf den Gedanken kommen, ein neues, sich einfügendes Chorgitter gestalten zu lassen. Mit den darin montierten vergoldeten Ähren und Trauben soll das allerheiligste Altarsakrament, wichtigste der "sieben Zufluchten" auf dem Spiegler´schen Bild, reflektiert werden. Die erneuerte Friedhofskapelle dient heute wieder als Kirche und für Begräbnisgottesdienste.

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Ehemaliges Mesnerhaus in Überlingen-Goldbach, Alte Poststraße (1847-1850)

kleines weiß verputztes Haus und Bauerngarten

Die alte Poststraße mit dem ehemaligen Mesnerhaus

1847 bis 1850 errichtete der Mesner Martin Buser sein neues Haus an der ehemaligen alten Poststraße in Goldbach, nachdem sein voriges Haus dem Landstraßenbau hatte weichen müssen. Die Gestalt des jetzigen ehemaligen Mesnerhauses ähnelt dem früheren bei der Kapelle im Ort. Beiden Gebäuden gemeinsam, dem abgebrochenen wie dem heutigen, sind die Zweigeschossigkeit, das Krüppelwalmdach und die Verbindung mit landwirtschaftlicher Nutzung. Die heutigen Eigentümer, Familie Schönenberger, übernahmen das heruntergekommene Haus und erneuerten und restaurierten in liebevoller Detailarbeit das Wohnhaus, den Scheunenteil des Gebäudes, die Wirtschaftsgebäude sowie das dem Haus über die Straße hinweg zugehörige Bauerngärtlein.

Die landwirtschaftliche Nutzung des Ensembles wird durch die Vielzahl der Tore deutlich: das große Tor zur Scheuer, das Kellertor für die Wein- und die Kartoffellagerung, das kleinere Tor als Eingang in die zum Haus gehörende Brennerei. Das Haus ist als ein Einhaus mit Wirtschafts- und Wohnteil unter einem Dach gebaut. Es hebt sich aus den üblichen in Goldbach zu findenden Einhäusern dadurch heraus, dass der Wohnteil dem Scheunenteil entspricht, was auf den Status des Besitzers schließen lässt, der als Mesner die Landwirtschaft nicht im Vollerwerb betrieb.

Die repräsentativen großformatigen und aufrechtstehenden Fenster sind sonst in Goldbach an Einhäusern nicht zu entdecken und weisen auf die Sonderstellung des Gebäudes hin. Wichtig war den neuen Eigentümern die originalgetreue Reparatur und Wiederherstellung der Fenster mit Bekleidung und Fensterläden. Mit seinem mit den alten handgestrichenen Biberschwanzziegeln gedeckten Krüppelwalmdach hat das Gebäude den hervorgehobenen Platz im Ortsbild wieder gefunden.

Auffallend am Äußeren wie im Inneren ist der gehobene Wohnstandard, der über dem üblichen bei den sonstigen landwirtschaftlich genutzten Gebäuden liegt und der die Position des Mesners im sozialen Gefüge des Ortes betont. Viele bauliche Details, wie Balken des Fachwerks und des Dachstuhls, Türsturze, Türbänder, Winkelbänder, Stützkloben stammen wohl aus dem Vorgängerbau, da sie älter sind als das jetzige Haus. Besonders liebevoll wiederhergestellt wurde die ehemalige Mesnerwohnung mit ihren schönen Dielenböden und den sichtbaren Holzdecken mit verputzten Deckenfeldern. Die Raumzuschnitte und die Zuordnung der Räume zum zentralen Treppenhaus wurden belassen und in die neue Wohnnutzung integriert. Das neu bewohnte und wieder landwirtschaftlich genutzte Ensemble entspricht in idealer Weise der ursprünglichen Nutzung.

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Villa Heck in Pforzheim, Bichlerstraße 12 (1897)

Fachwerkbau mit eiserner Veranda

Gartenansicht der Villa

Die Villa Heck wurde 1897 nach Plänen des angesehenen Pforzheimer Architekten Ernst Maler für den ersten Augenarzt in der Stadt, Dr. A. Brinkmann, in einem planmäßig als Villenviertel angelegten Wohngebiet erbaut. Die Villa veranschaulicht als bauliches Ensemble mit umgebendem Garten die industrielle und kulturelle Blütezeit Pforzheims als "Goldstadt" zu Beginn des 20. Jhs. sowie die baukünstlerische Entwicklung der damaligen Zeit.

Die Villa ist unter Rückgriff auf Formen der Renaissance in Verbindung mit einer romantisch-verspielten Variante der "altdeutschen" Fachwerkbaukunst gestaltet. Die Vielzahl der Formen und Materialien mit Eckturm, Giebelrisalit, Altan- und Verandavorbauten, Dachausbildungen machen ihren heutigen Reiz aus. So zeigt das Erdgeschoss eine gelbe Ziegelverblendung mit gliedernden roten Ziegelornamenten und bauplastischen Details aus hellem Sandstein auf einem Sockel aus rotem profilierten Sandstein. Der aufwendig erneuerte Verandavorbau ist in reichen Formen aus rotem und hellem Sandstein und darüber in bemalter Holzkonstruktion gehalten, als repräsentativer Zugang zum Garten. Da in den letzten hundert Jahren kaum in das Gebäude investiert wurde, enthielt esnoch sehr viel originale Substanz und erhaltungswürdige Details.

Der Hausgrundrissdokumentiert mit der großen Treppenhalle und Repräsentationsräumen im Erdgeschoss, mit Wohn- und Schlafräumen und Bad im Obergeschoss, mit Bedienstetenkammern im Dachstock sowie einem gewölbten Keller eine großbürgerliche Wohnkultur von gehobenem Anspruch. Eine Besonderheit stellen im Wohnbereich die aufwendig restaurierten Fenster mit den mechanisch bedienbaren Schiebeläden dar, eine Technik, die zur Erbauungszeit als modernste Form des Sonnenschutzes galt.

Viel zum heute so geschätzten Erscheinungsbild im Inneren tragen die aufwendigen Fliesendekorationen bei, eine Bodengestaltung, die heute so kaum mehr herzustellen wäre. Familie Heck ist es zusammen mit ihrem Architekten beispielhaft gelungen, die heruntergekommene Villa wieder zu neuem Leben zu erwecken.

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Einhaus in Heiningen, Ringstraße 10 (um 1700)

Fachwerkbau mit Wohnteil im ersten Stock

Die Hofanlage in Heiningen zeigt die typische Anordnung mit rückliegendem Ausgedinghaus

Das um 1700 erbaute, gestelzte Einhaus der Hofanlage ist eines der ältesten Gebäude in Heiningen und prägt ganz wesentlich das historische Ortsbild. Die Hofanlage mit dem Einhaus, dem Ausgedinghaus und dem zugehörigen rückwärtigen Wirtschaftsteil und Garten wurde von den neuen Eigentümern, Familie Schmid, in weitgehender Eigenleistung über mehrere Jahre hinweg instandgesetzt und wieder bewohnbar gemacht.

Besonderen Wert legten die neuen Eigentümer auf die materialgerechte und historisch stimmige Konstruktion der zu reparierenden und zu erneuernden Bauteile. Das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes mit seinem massivem Stall und Wohngeschossund den darüberliegenden Fachwerkgeschossen im Dach folgt dem Befund.

Die Raumstrukturen des Wohnteils wie auch der Wirtschaftsgebäude wurden erhalten und die neue Nutzung in die vorhandenen Räume integriert. Auch das moderne, neue Heizsystem folgt den im historischen Grundriss vorgesehenen Öffnungen. Von der zentralen einläufigen Treppe geht es direkt in das übereckliegende Wohnzimmer, die "gute Stube" zur Straße hin mit ihrem schönen Dielenboden und der noch weitgehend originalen Bretterbohlendecke. Die Befensterung der straßenseitigen Fassaden mit hochrechteckigen Formaten des 19. Jh. weisen auf das Wohngeschosshin. Besonderes Augenmerk wurde deshalb auch der originalgetreuen Konstruktion und Ausbildung der dreiflügeligen Kreuzstockfenster mit den Fensterbekleidungen und den Fensterläden gelegt, die ganz wesentlich das äußere und innere Erscheinungsbild mitprägen.

Die Gefache wurden, wenn nötig ausgebessert. Die Stakung aus Eiche konnte zumeist weiterverwendet werden, das Geflecht wurde mit neuen Ruten aus Weide und Haselnuss gefertigt, der alte Lehmschlag eingesumpft und wiederverwendet. Zur Isolierung der Außenwände wurde ein neuzeitlicheres Verfahren benutzt, der sog. Leichtlehmbau, bei dem die überwiegenden Teile der Masse aus Stroh bestehen und Lehm zum Verkleben des Strohs benutzt wird. Ökologisches Bauen in Verbindung mit denkmalpflegerischem Handeln ist hier beispielhaft gelungen.

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Altes Schulhaus und Rathaus in Freudenstadt-Obermusbach, Mühlhaldendstraße 3 (1811)

schlichter Putzbau mit Glockentürmchen

Altes Schul- und Rathaus mit Giebelansicht über steinernem Erdgeschoss und verputztem Fachwerk

1811 wurde in Obermusbach das heute so genannte "Alte Rathaus" als Schul- und Rathaus erbaut. Das Gebäude überstand den großen Brand von 1823 als eines der ganz wenigen Gebäude im Ort und behielt seine Nutzung bis 1893. Nach 1900 wurde das Haus im Obergeschoss als Wohngebäude genutzt. Die Ortschaftsverwaltung verblieb bis 1993 im Gebäude. Bis zum heutigen Tag erfüllt es immer noch wichtige öffentliche Funktionen im Ort. Zum Kirchgang und zu Beerdigungen wird die Glocke im Dachreiter von Hand geläutet. Das 1993 von Familie Kappler erworbene Alte Rathaus bezeugt eine alte Familienbindung zum Ort und Gebäude, waren doch Großvater und Urgroßvater als Bürgermeister in diesem Gebäude tätig. Der ehemalige Ratssaal und das Wohngeschoss zeigen heute eine beispielhafte Mischung von öffentlicher und privater Nutzung. Seit Mai 1997 wird das in seiner historischen Struktur und Ausstattung weitgehend wiederhergestellte Alte Rathaus jungen Künstlern für mehrere Wochen im Jahr zur Arbeit überlassen. Der ehemalige Ratssaal dient dabei als Atelier.

Das Alte Rathaus steht auf einem massiven Erdgeschoss, das durch steinerne Fensterrahmen und Eckquaderung betont wird. Die Wetterseite wird durch einen Schindelschirm geschützt. Der ehemalige Aborterker auf der Rückseite des Gebäudes wurde im Erdgeschossin seiner Funktion erhalten und modernisiert und im Obergeschosszu einem kleinen Erkerzimmer umgenutzt. Die noch originalen bauzeitlichen Fenster wurden repariert. Die in der Mitte des Hauses angeordnete Treppe blieb ebenfalls erhalten und betont auch heute wieder den repräsentativen Anspruch des Hauses gegenüber den übrigen Gebäuden im Ort. Die Küche mit ihrem originalen Bodenbelag aus großformatigen Sandsteinplatten, dem noch intakten und weiterhin gut benutzbaren Spülstein zeigt anschaulich die Küchenausstattung der Zeit um 1900.

Die restaurierten Türen mit ihren schönen Beschlägen und Schlössern, die reparierten Holzdielenböden, die erneuerten Oberflächen der Wände und Decken, die Ausstattung ergänzt durch Möbel aus der Erbauungszeit, verdeutlichen die Wohnkultur dieser Zeit. Die heutigen Bewohner des Hauses, Künstlerinnen und Künstler, die hier über mehrere Monate wohnen und arbeiten, fühlen sich wohl und schätzen besonders die Atmosphäre des Hauses.

(Texte und Bilder: Ulrich Gräf, Frank Busch)

Hinweise

In Heft 1 eines jeden Jahrgangs berichten wir in der Schwäbischen Heimat ausführlich über die aktuelle Preisverleihung und die Preisträger. Sonderdrucke können Sie kostenlos bei der Geschäftsstelle bestellen.

Die Preisträger werden im Spätsommer eines jeden Jahres bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet üblicherweise im Herbst in der Stadt oder Gemeinde eines der Preisträger statt.

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern