Träger des Denkmalschutzpreises 1997

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Träger des Denkmalschutzpreises 1997

Fünf Gebäude und ihre Besitzer erhielten den Denkmalschutzpreis 1997 des Schwäbischen Heimatbundes und der Württemberger Hypo. Die Spanne der Gebäude reicht vom Wohnturm zum Bürgerhaus.

Die Preisträger 1997

Oflingser Wohnturm in Wangen im Allgäu-Oflings (um 1200)

ein hoher, weiß verputzter Turm

Der Oflingser Wohnturm bei Wangen

Die alles überragende Stellung im Ort mit einem weiten Rundblick in die umgebende Landschaft bis hin zu den Alpen verdeutlicht die Funktion des Wohnturms in der Vergangenheit. Als Sitz des Ministerialengeschlechts Huß, das seit 1302 in der Gegend nachweisbar ist, war die Turmburg zugleich Wohnung und wehrhafte Anlage zur Verteidigung im Vorfeld der freien Reichsstadt Wangen im Allgäu. 1897 erwarb der Urgroßvater des heutigen Besitzers, Anaklett Sigg, den Wohnturm und richtete sich darin häuslich ein. Zur Erschließung der insgesamt sechs Geschossebenen waren Innentreppen entlang der Außenwände notwendig, die wegen der nach oben abnehmenden Wandstärke des Turmes mehrfach versetzt werden mussten. Daraus ergibt sich im Inneren eine starke Dominanz der verschiedenen Treppen mit ihren unterschiedlichen Formen und Materialien: von der steinernen Wendeltreppe bis zur hölzernen Stiege im Dachgeschoss.

Die Grundmauern bis zum zweiten Obergeschoss stammen wohl noch aus der Zeit um 1200. Das Gebäude war zu jener Zeit nur über eine sechs Meter hohe Außentreppe zu betreten. In die Erdgeschosswände der fast zwei Meter dicken Turmmauern der ersten beiden Geschosse wurde im 19. Jahrhundert der heute benutzte Eingang durchgebrochen und damit die Erschließung der oberen Wohnräume vereinfacht. Deshalb sind die ersten beiden Geschosse über eine neue Holztreppe erschlossen, bevor man über die historische Wendeltreppe in die eigentlichen Wohngeschosse gelangt. Aus der Zeit von 1597 stammt wohl der Ausbau des Hauptraumes im Wohnturm mit seiner profilierten Sandsteinsäule. Interessant die Mittelsäule, die aus einem ornamental verzierten Kapitell, einem dazu angepassten Schaft und einer grob zugefügten Basis besteht. Die eingeschlagene Jahreszahl 1521 bezieht sich auf die erstmalige Aufstellung der Säule.

Das Dach wurde entsprechend der Rauch'schen Wandtafel aus dem Jahr 1617 rekonstruiert und die ursprüngliche Krüppelwalmform des Daches wiederhergestellt. Die Ausstattungselemente aus den verschiedenen Umbauphasen vermitteln ein anschauliches Bild der Geschichte des Wohnturmes.

Bettelhaus in Ebhausen-Rotfelden, Pfarrberg 7 (1823)

Außenansicht

Ansicht des Bettelhauses mit der farbig abgefassten Holzverkleidung in den Obergeschossen

Das Rotfelder Armenhaus wurde 1823 für die Funktion eines sogenannten "Bettelhauses" errichtet und gehört damit zu den nur noch ganz wenigen er-haltenen geschichtlichen Zeugnissen dieser besonderen Form sozialer Ein-richtungen. Der Grundriss war so angelegt, dassdrei Wohnungen mit je einer Stube, einer Kammer und einer Küche entstanden. Auf jedem Stockwerk war ein gemeinsamer Abort. Eine Hälfte des Erdgeschosses war für Ställe abgeteilt, im Dachgeschoss befand sich ein großer Fruchtboden. Mit einer Bretterverschalung wurde das Haus gegen die Witterung geschützt.

Der letzte Bewohner, der hier bis 1983 lebte, holte - wie schon die früheren Bewohner - sein Trinkwasser vom Dorfbrunnen. Mittelpunkt des Hauses und zentrale Erschließungsachse ist bis heute der mittige Hausflur mit der einläufigen Treppe, die an originaler Stelle blieb. Den neuen Eigentümern gelang es dabei, die Raumaufteilung mit den für die ehemalige Nutzung als Armenhaus typischen kleinen, ineinanderübergehenden Kammern substanzschonend zu erhalten und die neuen Nutzungsvorstellungen im historischen Baubestand ohne größere Veränderungen unterzubringen, da auf aufwendigere Sanitäranlagen und Nasszellen in den Obergeschossen verzichtet wurde.

Die einfache Gestaltung der neuen Bauteile entspricht damit weitgehend der historischen Überlieferung und trägt zum einheitlichen Erscheinungsbild des Inneren ganz wesentlich bei. Die Oberflächen der Innenwände wurden mit Lehmputz fachwerkbündig restauriert . Sie bestimmen weiterhin den inneren Gesamteindruck. Das "historische Fenster" in einer Wand zeigt noch den originalen Befund. Der Bau des Rotfelder Armenhauses war mit seiner für die damalige Zeit gediegenen Ausstattung auf Dauer angelegt und dokumentiert damit die Bedeutung, die der sozialen Aufgabe eines Armenhauses beigemessen wurde.

Hofanlage in Eberdingen, Rathausstraße 6 (um 1700)

Außenansicht

Ansicht vom Innenhof mit den unterschiedlichen Bauphasen

Von der Rathausstraße ist das Wohngebäude der Hofanlage durch einen kleinen Vorgarten mit einem prächtigen Birnbaum abgegrenzt, der für den dörflichen Charakter früher so mitprägenden "Mostbirne". Die Fassade des Wohnhauses zeigt das typische Putzfachwerk mit weißen Sprossenfenstern und grünen Klappläden. Die Fensterfront mit den gereihten Fensterflächen des 19. Jahrhunderts weist auf die Ordnung der dahinterliegenden Räume der Wohnstuben hin, deren Größe auf ein bis drei Fensterachsen ausgerichtet ist. Bei der Hofanlage Rathausstraße 6 in Eberdingen handelt es sich um eines der wenigen innerörtlichen landwirtschaftlichen Anwesen, dessen Ökonomiegebäude den Innenhof fast vollständig abschließen. Das Hauptgebäude mit barockem Putzfachwerk wurde um 1700 errichtet. Die im Türbogen des Kellereingangs unter der Durchfahrt eingeschlagene Jahreszahl 1709 weist auf diese Entstehungszeit hin.

In vielen Räumen des Wohngebäudes ist die originale Ausstattung aus der Zeit um 1900 erhalten und in das neue Nutzungskonzept integriert. Der Haupteingang mit Treppenhaus zeigt noch den originalen Fliesenboden der Jahrhundertwende. Trotz der Aufteilung des Wohngebäudes in mehrere zeitgemäße Wohneinheiten konnte die historische Bausubstanz ohne größere Eingriffe erhalten und tradiert werden.

Die Ökonomiegebäude einer solchen Hofanlage, die nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden kann, sind in ihrer Substanz oft stark gefährdet. Typisch ist die massiv gemauerte Scheuer mit Sansteinrahmungen an den Toren, war sie doch mit das wichtigste Gebäude der Hofanlage. Die Erhaltung der Scheune und deren Weiterverwendung als Lagerraum war Ziel der Renovierung. Vorbildlich gelöst ist die Umgestaltung der ehemaligen Remise zu einem Unterstellplatz für die Autos der neuen Bewohner. Familie Beutel ist es gelungen, die Hofanlage in Eberdingen weitgehend zu erhalten und darin unter Rücksichtnahme auf die Bausubstanz und vor allem auf die räumlichen Strukturen des Hauptgebäudes eine neue Nutzung unterzubringen.

Zehntscheuer in Ellwangen-Neunheim, Ellwanger Straße 6b (17. Jh.)

Ansicht mit offenem Tor

Traufansicht der Zehntscheuer

Sie geht in ihrem Baubestand, vor allem in der Holzkonstruktion, wohl auf eine Erneuerung im frühen 18. Jahrhundert zurück. Der Bau steht ganz in der Nachfolge früherer Bauten an derselben Stelle mit der gleichen Funktion: Sammelstelle für die Abgaben der Bauern an ihre Herrschaft, die Fürstpropstei Ellwangen. Nach dem Verlust ihrer Funktion als Zehntscheuer wurde sie von den Landwirten weitergenutzt und gelangte so in den Besitz der Familie Reeb, die heute dort wieder einen Teil ihrer Maschinen unterstellt. Das Bauwerk folgt in seinem konstruktiven Aufbau rein funktionalen Anforderungen; so sind Lage und Größe der Öffnungen kein Gestaltungsprinzip, sondern zweckmäßige und wirtschaftliche Anordnung mit mittlerer Tenne und links und rechts davon entsprechende Lagerräume. Die Anlage stellt sich damit als dreizonige Fachwerkkonstruktion auf massivem Bruchsteinsockel aus heimischem Kalkstein dar.

Die Einfachheit und Klarheit der Konstruktion ergibt das für den heutigen Betrachter faszinierende und harmonische Erscheinungsbild. Das äußere Erscheinungsbild der Zehntscheuer ist geprägt durch den verputzten Bruchsteinsockel und bretterverschalten Fachwerkgiebel. Das steile hohe Dach, mit handgestrichenen Biberschwanzziegeln neu eingedeckt und mit der bereits wieder angewitterten Bretterschalung an den Giebeln verleiht dem Gebäude seine Dominanz im Ort und ist gleichzeitig Orientierung und Identifikationsobjekt der Dorfbewohner.

Eine Besonderheit am Gebäude, die erst bei näherer Betrachtung auffällt, stellen die Rillen in den Eckquadersteinen der Stubensandsteine dar. Sie gehen auf das Schleifen metallischer Gegenstände zurück. Die Dorfbewohner benutzten die Stubensandsteine zum Schärfen ihrer Werkzeuge, die Schulkinder zum Anspitzen ihrer Griffel für die Schultafel. Der neben dem Haupttor eingelassene Inschriftstein mit seiner unvollständig lesbaren Jahreszahl bezieht sich wohl auf die Erneuerung der Scheune im 18. Jahrhundert. Das renovierte Gebäude gibt kaum Hinweise auf die Mühe, die von der Eigentümerfamilie Reeb für die Sanierung des Holzwerks und der Steinmauern aufgewendet werden mussten.

Bürgerhaus in Markgröningen, Ostergasse 1 (1714)

rote Fensterläden und grüne Rahmen

Ausschnitt der Fassade mit Sprossenfenstern und Klappläden, die nach historischem Befund erneuert wurden.

Das Haus Ostergasse 1 bildet zusammen mit drei weiteren Gebäuden den nördlichen Abschluss des Markgröninger Marktplatzes, zwischen Turmgässle und Marktbrunnengässle. Die noch im Original vorhandene Wetterfahne auf dem First weist die Initialen "P.W. 1714" auf, Hinweis auf den Erbauer Paulus Wolff. Die Grundmauern des Gebäudes gehen aber nach dem Befund einer ionischen Sandsteinsäule im Erdgeschoss auf die Renaissancezeit zurück. Die von Wolff neu erstellten Obergeschosse und der Dachstuhl sind zeitgenössisch ausgestattet und dokumentieren den Reichtum des Bauherrn.

Ist das Äußere noch bescheiden als typisches einfaches barockes Putzfachwerk mit Fensterreihung gestaltet, zeigt das Innere mit seinen Stukkaturen und Bemalungen hohe kunsthandwerkliche Qualitäten. Erst durch die aufwendigen Restaurierungsarbeiten an den Stuckdecken, den Farbfassungen an Wänden und Decken sowie am Holzwerk der Treppe und der Böden kamen die reich ausgestatteten Räume der Belétage wieder zur Geltung. Der ehemalige Bauherr Wolff hatte sich mit ausgewählten Materialien und Dekorationen umgeben, wie sie sonst im Markgröningen der damaligen Zeit nicht vorkamen. Der Deckenspiegel in der Mitte des Zimmers ist mit seinen Initialen so angeordnet, dass durch das offene Fenster von der Straße her ein Blick auf die Decke geworfen werden kann, deren Besitzer sich damit ausweist.

Das Treppenhaus besitzt ein barockes Geländer. Die Baluster und die kassettierten Untersichten der Treppe erhielten wieder ihre originale Farbigkeit und prägen damit ganz entscheidend das innere Erscheinungsbild des Wohngebäudes. Auch die Fassungen des Sichtfachwerks im Treppenhaus, in Teilen mit Rankenmalereien, konnten weitgehend erhalten und wieder hergestellt werden. Mit erhaltenen Sandsteinplatten im Treppenhaus wurde das ursprüngliche Erscheinungsbild komplettiert und wiedergewonnen. Dem neuen Besitzer, Gerhard Schmid, gelang es beispielhaft, die Erhaltung vor allem der ausgestatteten Raumfluchten mit der neuen Nutzung in Einklang zu bringen.

(Texte und Bilder: Ulrich Gräf, Frank Busch)

Hinweise

In Heft 1 eines jeden Jahrgangs berichten wir in der Schwäbischen Heimat ausführlich über die aktuelle Preisverleihung und die Preisträger. Sonderdrucke können Sie kostenlos bei der Geschäftsstelle bestellen.

Die Preisträger werden im Spätsommer eines jeden Jahres bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet üblicherweise im Herbst in der Stadt oder Gemeinde eines der Preisträger statt.

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern