Träger des Denkmalschutzpreises 1995

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Träger des Denkmalschutzpreises 1995

Fünf Gebäude und ihre Besitzer erhielten den Denkmalschutzpreis 1995 des Schwäbischen Heimatbundes und der Württemberger Hypo. Die Spanne der Gebäude reicht vom Bierkeller zur Jugendstilvilla.

Die Preisträger 1995

Gründerzeitvilla Parlerstraße 31 in Schwäbisch Gmünd

Straßenansicht

Die Gründerzeitvilla zur Straße

Den dreigeschossigen, traufständigen Klinkerbau in Ecklage wurde 1864 im Bereich des ehemaligen Stadtgrabens errichtet. Die prominente Lage führte bereits 1905 zu einem Umbau mit Ergänzungen eines Fachwerkerkers an der Straßenseite und einer rückwärtigen Glasveranda. Dieser Umbau mit Anklängen an den Jugendstil vor allem in der Verglasung prägt heute wesentlich das dekorative und repräsentative Erscheinungsbild des Gründerzeitbaues. Nach dem 2. Weltkrieg verfiel das Gebäude, die originale Ausstattung blieb aber weitgehend erhalten, da keine Renovierungen erfolgten. Ein neuer, engagierten Eigentümer packte die aufwendige Restaurierung an und sicherte in denkmalpflegerisch beispielhafter Weise Grundriss und Ausstattung.

Der Lebensstil der Zeit um 1900 kommt am besten in den aufwendig gestalteten Verandaanbauten von 1905 zur Geltung. Durch die ornamentalen und floralen Glasmalereien der Fenster wird ein Bezug zum umgebenden Grün hergestellt, der auch heute von den neuen Bewohnern wieder geschätzt wird.

Denkmalpflegerisches Ziel war die Erhaltung und Sicherung des historischen Erscheinungsbildes. Sämtliche Restaurierungs- und Renovierungsarbeiten folgten dabei dem historischen Befund. Vorhandene Bauteile wie Fenster, Türen und Treppen wurden soweit möglich im Originalzustand belassen und in das neue Nutzungskonzept integriert.

Das Treppenhaus war in der Gründerzeit, wie auch im späteren Jugendstil der Empfangsraum und belegte die gute Adresse. So ist die aufwendige Gestaltung und Ausstattung mit dekorativen Glasmalerein zu verstehen, die in nichts der Gestaltung von Wohnräumen nachstand. Besonderes Augenmerk wurde auf die Restaurierung der Jugendstilfenster im Treppenhaus und den repräsentativen Wohnräumen sowie der rückwärtigen Glasveranda gelegt. Durch restauratorische Untersuchungen konnten die originalen Oberflächen und Farbfassungen festgelegt und in einem Restaurierungskonzept umgesetzt werden. Nicht zuletzt dadurch gewinnt die Villa ihren Stellenwert im städtischen Erscheinungsbild von Schwäbisch Gmünd wieder zurück

"Ochsenwirts-Keller" Hausener Straße 25 in Munderkingen

Blick in einen Gewölbekeller

Blick in einen der Kellerräume auf der untersten Ebene. Sie wurden als Eiskeller oder als Bierlager genutzt.

Das äußerlich einfache, eingeschossige Lagergebäude mit seinem großen Satteldach verrät kaum den imposanten Eindruck, den die in zwei Geschossen unter dem Boden der Lagerhalle untergebrachten gewölbten Eis- und Bierlagerkeller auf den Besucher machen. Das 1849 durch den Munderkinger Ochsenwirt und Braumeister Anton Hagel erstellte Gebäude verfiel in den letzten Jahren mehr und mehr, nachdem seine frühere Nutzung als Bierlagerkeller nicht mehr benötigt wurde. 1985 erwarb Familie Veser den Ochsenwirts-Keller. Es widerstrebte ging dem neuen Eigentümer aber "gegen seine Handwerker-Ehre", das Gebäude abzubrechen. Durch sein großes persönliches Engagement konnte das bis dahin als nutzlos eingestufte Gebäude gerettet und erhalten werden.

Nur ein Stein mit Jahreszahl und Initialen des Bauherrn über dem Einfahrtstor gibt heute noch Hinweise auf die Entstehung. Der große, heute weitgehend leere Innenraum harrt noch einer neuen Nutzung. In vorbildlicher Weise zeigt das instandgesetzte und erneuerte Gebäude die frühere Funktion und stellt in seiner schlichten Bauweise einen markanten Punkt in landschaftlich schöner Lage über der Donau dar.

Die von Hand zu betreibende Aufzugsmaschine für die Bierfässer im Dachraum ist noch immer funktionsfähig. Ihre auf eisenbeschlagenen Holzkufen gelagerte Konstruktion ermöglichte einen Transport der Bierfässer vom Kellerschacht zu den Eingangstoren, wo sie auf die Fuhrwerke verladen werden konnten. Die liebevoll restaurierte und wiederhergestellte Konstruktion des Aufzugs mit der Transportplattform in die zweistöckige, 9,6 Meter tiefe Kelleranlage weist anschaulich auf die Funktion des Gebäudes hin.

Über eine Wendeltreppe aus behauenen Kalksteinstufen erreicht man die steingewölbten Bierkeller in zwei Geschossen, in denen das Bier durch im Winter eingebrachtes Natureis bis in den Sommer kühl gelagert werden konnte. Das Eis wurde im Winter gewonnen, indem zwei Stangengerüste - wie auf einer Aufnahme von 1917 zu sehen ist - mit Wasser berieselt wurden und sich so das sog. Stangeneis bildete. Die Entwässerung der Eiskeller und der Bierkeller ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: alle Kellerräume sind mit Gefälle so angeordnet, dass das Wasser an einem Punkt zusammenläuft und über einen ehemals begehbaren Schacht zur Donau abgeführt werden kann

Schwarzwaldhaus Erdlinsbach 9 in Schiltach-Vorderlehengericht

typisches Schwarzwaldhaus mit tief heruntergezogenem Dach

Ansicht des kleinen quergestellten Schwarzwaldhauses von der Talseite her.

Mit der Genehmigung zum Neubau eines Wohnhauses hat das Landratsamt Rottweil 1978 den Abbruch dieses Gebäudes verlangt. Nach Kenntnis der hohen Wertigkeit des kleinen Kinzigtäler Schwarzwaldhauses wurde die Verfügung zum Abbruch durch das Landratsamt später jedoch zurückgenommen, obwohl gerade durch die historische Bauform und Bauweise erhebliche Einschränkungen in der Nutzung die Folge waren. Der bauliche Zustand mit zum Teil starken Verschiebungen der Holzkonstruktion machte einen einfühlsamen Umgang mit dem Gebäude notwendig. Dem wurde sowohl vom Eigentümer als auch vom Architekten und von Handwerkern beispielhaft Rechnung getragen.

Der Eingang auf der Bergseite liegt in der Mitte des Gebäudes. Der Wohnteil ist durch einen Flur erschlossen, der entlang der Stube und des danebenliegenden Stüble in Querrichtung zum First auf die Küche zuläuft. Die Küche folgt an der dem Eingang entgegengesetzten rückwärtigen Traufseite im Anschluss an das Stüble. Der Eingang wie auch die Fassaden und Fenster werden vom ringsum überhängenden Dach geschützt, was wesentlich zum guten Erhaltungszustand vieler Bauteile beigetragen hat.

Die altertümlich anmutende Bauweise des Gebäudes in einer Ständer-Bohlen-Konstruktion mit verplatteten Hölzern im originalen Gefüge weist auf einen frühen Entstehungszeitraum im 16. Jahrhundert hin. Damit zählt der kleine Kinzigtäler Schwarzwaldhof zu den ältesten Hofgebäuden in dieser Gegend. Die verzapfte Konstruktion, wie sie an Holzverbindungen auch vorkommt, dokumentiert spätere Erneuerungen und Umbauphasen.

Hervorzuheben an Detailformen ist das gut erhaltene Fensterband mit profilierten Brüstungshölzern. In Form und Material entspricht das neue Fenster den historischen Vorbildern. Charakteristisch für diesen Bautyp eines Schwarzwaldhauses, das senkrecht zum Hang steht, ist die Bohlen-Ständerkonstruktion über dem massiven Sockelgeschoss aus Stein, das den Stall aufnimmt. Bemerkenswert dabei ist die frei sichtbar erhaltene Konstruktion aus Bohlen und Ständern und die leicht gewölbte Stubendecke, die den fast quadratischen Raum angenehm proportioniert und im historischen Gefüge heraushebt.

Die "Kaserne", Mühlstraße 20 in Vaihingen

Rückseite mit restauriertem Fachwerk

Rückseite des Gebäudes mit freigelegter Fachwerkkonstruktion

Das im Volksmund als "Kaserne" bekannte Haus wurde 1699 nach dem Stadtbrand in Vaihingen von Tobias Ruoff, einem Verwalter des Klosters Maulbronn, erbaut. Über der Mühlstraße an markanter Stelle errichtet, ist es weithin sichtbar. Trotz weiterer Veränderungen im 19. Jahrhundert wurde das originale Grundrisskonzept bei der Restaurierung soweit als möglich beibehalten. Vor allem das geräumige Treppenhaus auf der Rückseite ist als Bestandteil des Wohnbereichs erhalten. Die historischen Bestandteile der Ausstattung sind in das neue Nutzungskonzept einbezogen und lassen die ehemalige Bedeutung des herrschaftlichen Wohnhauses wieder aufleben.

Das Fachwerkgebäude weist in seinem heutigen Erscheinungsbild und Grundrisstyp auf Umbauten im späten 18. Jahrhundert zurück. Typisch für ein repräsentatives Gebäude jener Zeit ist die Enfilade von Wohn- und Schlafräumen auf der Südseite zur Straße hin und ein außenliegender breiter Flur auf der Hangseite zur Erschließung der Räume. Von daher ist auch die Fassadenausbildung der Rückseite erklärbar.

Der heutige große Musikraum geht in seiner Entstehungsgeschichte auf den Einbau einer Brauereigaststätte am Anfang des 19. Jahrhunderts zurück. Die ehemaligen, in der Fassade noch nachvollziehbaren Fenstererker wurden in dieser Zeit im gesamten Gebäude durch Einzelfenster ersetzt. Die Anordnung der Küche im Flur folgt historischen Vorbildern. Die Enfilade von Räumen auf der Südseite zur Straße hin konnte damit am besten erhalten werden.

Das Fachwerk zeigt eine stockwerksweise Abzimmerung mit starken Bundbalken unter dem Dachstuhl. Blockwände trennen im Erdgeschoss den Wohnteil und die Ställe im Ökonomiebereich voneinander. Auffallend sind die Zierformen der Fachwerkkonstruktion und vor allem die Eingänge in den Wohnteil und den Stallbereich. Geschwungene Streben und die profilierten Türsturze der Wohntüre und der Stalltüre sowie die bemalten Klappläden der Fenster verleihen dem Außenbau sein unverwechselbares, abwechslungsreiches und kunstvoll gestaltetes Erscheinungsbild.

Besonderes Augenmerk wurde auf die Restaurierung der Schablonenmalerei auf der Vertäferung im Südwestzimmer des Obergeschosses, dem heutigen Esszimmer, gelegt. Den Bauherrn ist es gelungen, für die jeweiligen restauratorischen und konstruktiven Arbeiten Handwerker zu finden, denen es nach eigenem Befinden eine Ehre war, den an sie gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Eine Besonderheit stellen auch die stuckierten Deckenspiegel in den repräsentativen Wohnräumen der Bel Etage dar. Die Erhaltung und Sicherung der wesentlichen Ausstattungsmerkmale, das Nebeneinander von historischen Zeiterscheinungen und die selbstverständliche Nutzung der Raumabfolgen sind denkmalpflegerisch beispielhaft.

Villa Hindenburgstraße 15 in Metzingen

Straßenansicht

Ein altes Gebäude, vom Jugendstil überformt: Straßenansicht mit verglaster Veranda.

In der Nähe des Kelternplatzes errichtete der damalige Metzinger Bürgermeister über dem Keller der Tübinger Universitätspflege 1791 ein Wohngebäude, das 1905 ein neues Aussehen in Jugendstilformen erhielt. Neben den Verandaanbauten auf der Straßen- und Gartenseite und den geschweiften Dachgauben folgte vor allem die neue Ausstattung im Inneren dem Jugendstil. Zwischen 1990 und 1993 wurde das stark vernachlässigte Haus umfangreich saniert. Der über das rückseitige Kellertor erreichbare Keller dient heute als Veranstaltungs- und Vortragsraum.

Der Besucher betritt das Gebäude durch den 1905 neugeschaffenen Eingang mit profilierter Türe und Schablonenmalereien an Wänden und Decken in Jugendstilformen. Mit seiner erweiterten Nutzung und modernen Ausstattung bei gleichzeitig weitestgehender Erhaltung von Gebäudesubstanz und Grundrissstruktur stellt die städtische Villa ein wichtiges Beispiel für die Verträglichkeit von Denkmalpflege und neuzeitlicher Nutzung dar.

Das Nebeneinander von historischer Konstruktion in traditioneller Handwerkstechnik und modernem Industriedesign wird als reizvoller Kontrast empfunden. Vor allem die originale Treppe, die das Gebäude erschließt, und die neue, gut durchdetaillierte Stahltreppe ins Dachgeschoss zeugen vom sorgfältigen Umgang mit der vorhandenen Bausubstanz und einem gelungenen Einfügen moderner Elemente in das historische Erscheinungsbild.

Mit den blumengezierten Türen, den freigelegten Schablonenmalereien auf Wänden und Decken, zu Rosensträußen arrangiert, wurde ganz im Sinne des Jugendstils gleichsam die Natur des umgebenden Gartens in das Innere geholt. Das die Wände überziehende lichte Grün symbolisierte die Naturverbundenheit der damaligen Bauherren. Mit großer Rücksichtnahme auf den Bestand konnten trotz der neuen Nutzung, wie dem Einbau von Büroräumen in der ehemaligen Veranda, die vorhandenen Raumstrukturen mit ihrer historischen Ausstattung erhalten werden.

(Texte und Bilder: Ulrich Gräf, Frank Busch, Stuttgart)

Hinweise

In Heft 1 eines jeden Jahrgangs berichten wir in der Schwäbischen Heimat ausführlich über die aktuelle Preisverleihung und die Preisträger. Sonderdrucke können Sie kostenlos bei der Geschäftsstelle bestellen.

Die Preisträger werden im Spätsommer eines jeden Jahres bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet üblicherweise im Herbst in der Stadt oder Gemeinde eines der Preisträger statt.

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern