Träger des Denkmalschutzpreises 1991

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Träger des Denkmalschutzpreises 1991

Fünf Gebäude und ihre Besitzer erhielten den Denkmalschutzpreis 1991 des Schwäbischen Heimatbundes. Die Spanne der Gebäude reicht von der Burg zur Ölmühle.

Die Preisträger 1991

Obere Burg in Talheim

stattliche Burg mit hohem Steinsockel und Fachwerkgeschossen

Die Obere Burg in Talheim, Landkreis Heilbronn

Die sog. Obere Burg war das Stammschloss der Herren von Talheim und geht in großen Teilen auf einen Wiederaufbau der Zeit von 1380-1400 zurück. Nach dem Aussterben der Herren von Talheim, 1605, kam die gut ausgebaute Ritterburg am Nordhang des Schozachtales in wechselnde Hände. 1778 bezogen vier jüdische Familien aus Horkheim diesen Teil der Burg. Von daher rührt eine heute noch im Volksmund gebräuchliche Bezeichnung als "Judenschloss".

Die Obere Burg in Talheim ist baugeschichtlich hochinteressant als Beispiel eines Ganerbenschlosses, das sich mit Schildmauer und mittelalterlichen Fachwerkaufbauten auf den steinernen Burgmauern erhalten hat. In der Burgen-Literatur wird darauf Bezug genommen, dass sich im 15. Jahrhundert auskragende Aufbauten in Fachwerkkonstruktion zu Wohngeschossen entwickelten, die nur noch in wenigen Beispielen, wie etwa hier in Talheim in dieser Form erhalten sind.

Durch die dendrochronologische Datierung der Bohlenbalkendecke in das ausgehende 14. Jahrhundert wird die burgenkundliche Bedeutung der heute wieder sanierten Wohnung im 2. Obergeschoss deutlich. Aus dieser Zeit stammt die Balkendecke der Bohlenstube, die Bohlenwände und das gotische Ständerwerk der Treppenhalle. Heute besitzt die Familie Striegel im 2. Obergeschoss eine Wohnung im Stockwerks- und Bruchteilseigentum an der Burg. Sie hat die Wohnung mit großem Aufwand erhalten und gesichert.

Der rücksichtsvolle Umgang mit der vorhandenen Bausubstanz zeigt in anschaulicher Weise spätmittelalterliche Wohnkultur im Inneren. Verstellende Einbauten aus unterschiedlichen Zeiten wurden entfernt, Zerstörungen soweit möglich repariert, um den spätmittelalterlichen Wohngrundriss mit seiner großzügigen gotischen Treppenhalle, der repräsentativen Bohlenstube mit anschließender Küche und den Schlafkammern wieder entstehen zu lassen. Von der jüdischen Vergangenheit des Gebäudes zeugen Brandspuren an der Bohlenwand, die von einem Chanukka-Leuchter herrühren.

Altes Pfarrhaus in Zimmern-Stetten, Mariazeller Straße 1

Außenansicht des großen Fachwerkhauses

Rückansicht des Alten Pfarrhauses mit den Lauben

Das alte Pfarrhaus in exponierter Ortslage gegenüber der Kirche ist 1664 wieder aufgebaut und 1689 endgültig fertiggestellt worden, nachdem es im 30-jährigen Krieg niedergebrannt war. Grundlegende Erneuerungsmaßnahmen wurden 1760 notwendig, und ein rückwärtiger Anbau von 1824 und nochmals daran anschließend von 1914-1919 als Schwesternstation gaben dem Gebäude sein heutiges Volumen und Erscheinungsbild.

Der dreigeschossige Zierfachwerkbau auf hohem massivem Sockel und mit dreigeschossigem liegendem Stuhl aus dem 17. Jahrhundert tradiert einen Bautyp, der für landwirtschaftliche Nutzung als "quergestelltes" bzw. "gestelztes Einhaus" offensichtlich auch für Pfarrhäuser jener Zeit üblich war.

Familie Nübling hat das Gebäude nach einer erfolgten Außenrenovierung erworben und nun auch im Inneren soweit als möglich das historische Gefüge mit den Ausstattungen wie den Bohlenstuben, Wände, Decken und Fußböden mit hohem Aufwand erhalten. Die Ablesbarkeit der Nutzungen von Wohnteil im 1. und 2. Obergeschoss, dem Stallbereich im massiven Erdgeschoss und dem seitlich integrierten Scheunenteil ist weiterhin - trotz neuer Nutzung - vorhanden.

Der Scheunenteil wurde ohne störende Einbauten und Verkleidungen belassen und nicht, wie heute üblich, zur Garage "missbraucht". Der Stallbereich nimmt jetzt eine Diele mit Nebenräumen auf. Die Wohngeschosse zeigen ihre ursprüngliche räumliche Aufteilung und Fachwerkgestaltung und sind in der für diesen Haustyp üblichen Grundrissstruktur belassen.

Wohnhaus in Schwäbisch Hall, Glockengasse 2

grau verputztes Stadthaus mit hohem Giebel

Haus Glockengasse 2 in Schwäbisch Hall. Außenansicht im Erscheinungsbild des 19. Jahrhunderts.

Dem Gebäude in der Katharinenvorstadt von Schwäbisch Hall ist das hohe Alter nicht anzusehen. Große Teile des Dachstuhls und Reste im Fachwerkgerüst sind dendrochronologisch datiert auf 1395. Ein Gebäude also, das in seinen Ursprüngen auf die Anlage der Katharinenvorstadt zurückgeht. Das äußere und innere Erscheinungsbild vermittelt dagegen auch nach der Sanierung des Gebäudes den Eindruck späterer Umbauphasen des 19. Jahrhunderts. Zeichen des Baualters sind die vorhandenen Balken-Bohlen-Decken, der stattliche Gewölbekeller und die auch in späteren Umbauphasen belassene Lage der Treppe.

Ein Kulturdenkmal wiederherzustellen ist nicht immer gleichbedeutend mit der Freilegung des ursprünglichen Zustandes, sondern auch die Bewahrung der in Jahrhunderten gewachsenen Strukturen und Ausstattungen. An diesem Grundsatz hat sich Familie Camerer und ihr Architekt Hansjörg Stein orientiert und dem Gebäude sein historisch gewachsenes Erscheinungsbild belassen unter Bewahrung früherer Schichten.

Nach Auffassung des Architekten ist es gelungen, die sehr weitreichenden und mit der Denkmalbehörde abgestimmten Planungsziele weitestgehend zu verwirklichen. Dies ist auch der Eindruck der Jury des Denkmalschutzpreises des Schwäbischen Heimatbundes. Dabei lässt sich auch verschmerzen, wenn auch schwer, dass bis ins Giebeldreieck noch ein Ausbau erfolgte und zur Belichtung sogar ein Dachflächenfenster eingebaut wurde.

Loggia in der 3-Kannen-Anlage in Ulm, Hafenbad 31

Hofansicht der Loggia mit Gartenwirtschaft.

Die Drei-Kannen-Loggia, erbaut um 1680

Die um 1680 von dem Ulmer Handelsherr Christoph Weickmann in der Ulmer Altstadt erbaute sog. 3-Kannen-Anlage wurde im 2. Weltkrieg weitgehend zerstört, bis auf eine zweigeschossige offene Gartenlaube. Die zweigeschossige Gartenloggia mit Walmdach, massiver Rückwand und offener, von toskanischen Säulen getragener Gartenfront, verbunden mit verputzten Segmentbögen in Bohlenkonstruktion gehörte als westlicher Abschluss der 3-Kannen-Anlage zum Schlössle der geadelten Ulmer Familie Weickmann. Mit der bedeutenden Stuckierung nach Wessobrunner Art und der besonderen Bauweise in verputzter und offener Holzkonstruktion mit einem reich verzierten Balustergeländer im Obergeschoss stellt die Loggia nördlich der Alpen ein äußerst seltenes Beispiel eines aus Italien stammenden Bautyps dar.

Es ist das Verdienst von Herrn Conrad Keifl, dass eines der Wahrzeichen von Ulm erhalten und als bedeutendes Kulturdenkmal der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht wurde. Das einsturzgefährdete Bauwerk wurde mit hohem statischem und restauratorischem Aufwand gesichert, eine anspruchsvolle Aufgabe für den Architekten Folker Mayer, von dessen verschiedenen Maßnahmen heute gar nicht mehr viel zu sehen ist. Die gesamte Hofanlage ist in ihrem Erscheinungsbild und Maßstäblichkeit auf die Loggia abgestimmt. Durch die aufwendige Begrünung wird der Eindruck einer "Gartenloggia" wieder hergestellt. Obwohl die Loggia nicht genutzt werden kann, ist sie durch die Einbeziehung als schöne "Kulisse" für die Gartenwirtschaft mit gelegentlicher Aufführung von Hofmusik in die Nutzung der neugebauten Nachbarschaft gelungen integriert.

Im Zusammenspiel von Restaurator, Architekt, Bauherr und Denkmalpflege konnte die originale Substanz der Stuckierungen, der verzierten Holzstützen und der konstruktiven Teile so weit als möglich erhalten werden. Notwendige Ergänzungen erfolgten in Material, Form, Farbe und handwerklicher Ausführung nach historischem Vorbild. Die Farbgebung auf Stuck, Putz und Holz entspricht dem Befund.

Ölmühle in Dörzbach/Jagst

Außenansicht

Ansicht der Ölmühle von der Straße aus

Bereits 1412 gab es in Dörzbach einen urkundlichen Hinweis auf eine Jagstmühle. Diese 1709 erstmals erwähnte Ölmühle gehört aufgrund ihrer Vollständigkeit zu den ganz wenigen erhaltenen Mühlen dieses Typs in Baden-Württemberg. Das bestehende Gebäude wurde 1798 als "Loh-, Walk-, Öl- und Reibmühle" anstelle eines abgegangenen Vorgängerbaues errichtet. Seit 1854 ist sie im Besitz der Familie Stolz. Das heutige Aussehen des Mühlengebäudes geht auf eine Erweiterung und Aufstockung im Jahr 1864 zurück. Von der ursprünglichen Mühleneinrichtung blieben alle Geräte zur Ölgewinnung und der Läufer der Hanfreibe erhalten.

Daneben wird durch das 1927 eingebaute Zuppinger-Wasserrad über erhaltene Vorgelege und Transmissionen eine Hochgangsäge aus dem 19. Jahrhundert betrieben. 1932 wurde die Ölmühleneinrichtung stillgelegt, die Hochgangsäge jedoch bis in die fünfziger Jahre weiter betrieben.

Mehr als 50 Jahre nach der Stillegung hat der derzeitige Eigentümer, Herr Karl Stolz, mit großem persönlichen Engagement und viel Liebe zum traditionsreichen Beruf seines Vaters die Ölmühle wiederhergerichtet. Mit Hilfe eines 1982 gegründeten Mühlenvereins Dörzbach, der es sich zur Aufgabe machte, den Eigentümer zu unterstützen, ist es gelungen, die Mühle wieder originalgetreu in Betrieb zu nehmen. In mehreren Etappen erfolgte zuerst die Sanierung des Gebäudes 1982-1984, das durch Unterspülung durch die Jagst akut bedroht war, danach die Restaurierung der Ölmühleneinrichtung, deren Abschluss 1989 die Wiederinbetriebnahme der Wasserkraft darstellte.

Die Mühle zeigt in allen Details einen Mühlenbetrieb des 19. und frühen 20. Jahrhunderts und gibt in anschaulicher Weise einen Einblick in die notwendigen handwerklichen Fertigkeiten eines Ölmüllers. Als lebendiges Museum, in der Verbindung von früheren Maschinen und Geräten und heutiger wieder aufgefrischter, in Teilen neu erlernter Handwerkstechnik, stellt die Ölmühle einen wichtigen Beitrag zur Technikgeschichte dar.

(Texte und Bilder: Ulrich Gräf)

Hinweise

In Heft 1 eines jeden Jahrgangs berichten wir in der Schwäbischen Heimat ausführlich über die aktuelle Preisverleihung und die Preisträger. Sonderdrucke können Sie kostenlos bei der Geschäftsstelle bestellen.

Die Preisträger werden im Spätsommer eines jeden Jahres bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet üblicherweise im Herbst in der Stadt oder Gemeinde eines der Preisträger statt.

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern