Träger des Denkmalschutzpreises 1990

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Träger des Denkmalschutzpreises 1990

Fünf Gebäude und ihre Besitzer erhielten den Denkmalschutzpreis 1990 des Schwäbischen Heimatbundes und der Württemberger Hypo. Die Spanne der Gebäude reicht vom Gartenhaus bis zur schlossähnlichen Gutsanlage.

Die Preisträger 1990

Gartenhaus in Tübingen, Herrenberger Straße 9/8 (1760)

kleiner Turm mit klassizistischem Portikus

Das um 1760 erbaute Gartenhaus gibt sich wie ein kleines Schloss

Bereits in der Renaissance-Zeit wurden in Tübingen erste Gärten entlang der Ammer angelegt, da in der Stadt kein Platz für solche Grünanlagen war. Für den Aufenthalt im Garten benötigte man eine Unterkunft, die gegen die Unbilden der Witterung Schutz gewährte. Das Gelände zwischen der Herrenberger Straße und der Ammer bot sich zur Nutzung als Gartengelände an und blieb aufgrund seiner stadtnahen, exklusiven Lage vor allem den begüterten Familien von Tübingen vorbehalten. Die Herrenberger Straße war zur damaligen Zeit eine wichtige Fernverbindungung; von daher rühren die Ummauerungen der Gärten als Schutz vor Eindringlingen.

Um 1760 ließ sich Johann Friedrich Cotta, ein Großonkel des Verlegers und Kanzler der Tübinger Universität, dieses Gartenhaus errichten. Es diente damals zwar nicht zum Wohnen, war aber wohnlich ausgestattet. Das Gartenhaus übernahm häufig in Anspruch und Gestaltung die Aufgabe eines kleinen Schlösschens. Mit dem Bau dieses barocken Gartenhauses wurde auch der Garten neu angelegt und diente vor allem der Repräsentation. Es stand früher am Ende der Hauptachse der barocken Ziergartenanlage und diente als point-de-vue zur Ammer hin.

Seit 1867 wurde das Gartenhaus als Studentenbude genutzt. Zuletzt verfiel es aber mehr und mehr. Einer Erneuerung stellte sich der neue Besitzer, Otto Krause-Bächer, der mit viel Liebe zum Detail und hohem finanziellem Aufwand das dem Verfall preisgegebene ehemalige Gartenhaus erhalten und erneuert hat. Über die Erforschung seiner wechselvollen Geschichte konnten viele Bauteile nachvollzogen und rekonstruiert werden. Durch den Einbau einer kleinen Wohnung für Studenten setzt sich heute die Tradition dieses Gartenhauses fort. Durch eine geschickte Einteilung und Neunutzung des Untergeschosses konnte der obere Raum, der kleine Gartensaal, ohne Abtrennungen als Wohnraum erhalten werden. Im Untergeschoss sind eine kleine Küche mit Bad und WC sowie die Heizung eingebaut.

Das äußere Erscheinungsbild folgt in seiner Farbgebung jetzt wieder dem Aussehen des Gebäudes zur Zeit seiner Erbauung. Großer Wert wurde bei der Erneuerung auf die richtige Dachdeckung mit alten handgestrichenen Biberschwanzziegeln gelegt. Klopft man an die Säulen des Portikus, so ist man erstaunt über den hölzernen Klang. Die Säulen sind in der alten Handwerkstechnik repariert und ergänzt worden. Sie entsprechen wieder dem barocken Schein, Steinarchitektur vorzutäuschen und durch Holz mit entsprechender Bemalung zu ersetzen.

In seiner heutigen, verbauten Umgebung gibt das Gartenhaus einen letzten Hinweis auf die frühere Gestaltung und Nutzung des Geländes entlang der Ammer, auf die einst hochberühmten Gelehrten- und Poetengärten von Tübinger Familien.

Bußturm in Horb am Neckar, Bußgasse 3 (1438)

Fachwerkhaus auf sehr hohem Steinsockel

Am Rand der Horber Altstadt setzt der Bußturm einen unübersehbaren Akzent.

Unterhalb der früheren Burg überragt das Gebäude Bußgasse 3 die Altstadthäuser. Seine Lage in der Stadt und seine repräsentative Bauweise weisen auf ein Wohn- und Dienstgebäude früherer Vögte in Horb hin. Über dem mittelalterlichen Wohnturmstumpf in massiver Bruchsteinmauerung wurde 1438/39 ein zweigeschossiger Fachwerkbau errichtet, der in der für den süddeutschen Raum so typischen sogenannten alemannischen Fachwerkkonstruktion ausgebildet ist. Das steile Dach mit nochmals drei Fachwerkgeschossen gibt dem Haus seine Höhe und damit seine dominierende Stellung im Stadtbild.

1978 erwarben Ursel und Albrecht Bopp das Haus. Sie sind seitdem damit beschäftigt, das große Gebäude Stück für Stück und weitgehend in Eigenleistung zu reparieren und - wo notwendig - zu erneuern. Die behutsame und beharrliche Modernisierung und Instandsetzung der einzelnen Bauteile ist spürbar und besonders hervorzuheben. Das Gebäude hat insgesamt sieben Stockwerke mit unterschiedlichen Nutzungen.

Die Grundrisseinteilung ist dabei weitgehend erhalten und in den funktionalen Bezügen neu genutzt. Im Erdgeschossmit dem Haupteingang von der Bergseite her blieb der teilweise barocke Zustand mit stuckierten Decken und verputzten Wänden erhalten und dient heute als Atelier und kleine Galerie. Das Obergeschoss ist seit jeher der repräsentative Wohnbereich mit der auch von außen weithin sichtbaren Bohlenstube, die in der Ansicht den repräsentativen Charakter des dahinterliegenden Wohnbereichs kenntlich macht. Dieser Raum ist bis in die Details rekonstruiert. Im Dachgeschoss ist in Resten noch eine zweite Bohlenstube erhalten mit einem mittelalterlichen Türsturz, einem "Eselsrücken". Diese ehemalige Sommerstube bekräftigt die Hinweise auf ein bedeutendes adliges Wohn- und Dienstgebäude, das zum ökonomischen Umfeld der Burgherrschaft gehört.

Im Stadtbild von Horb nimmt das erneuerte Gebäude wieder seinen ihm angemessenen Platz ein und trägt maßgeblich mit zur Ablesbarkeit von Geschichte und städtebaulicher Entwicklung bei.

Hofanlage Georgenau in Bad Liebenzell-Möttlingen (1739)

Außenansicht im Park

Blick vom Park auf das dreigeschossige, schlossähnliche Gebäude der Georgenau aus der Barockzeit. Im Vordergrund ein Anbau aus dem 19. Jahrhundert.

Von früher sieben Höfen in Möttlingen ist der ehemalige Bühlhof, 1862 in Georgenau umbenannt, der einzige noch erhaltene. Er ist in der Gegend auch der einzige, der in seinem Güterbesitz nicht aufgesplittert, sondern immer wieder vergrößert wurde. Nach einer Datierung im Türsturz zum Hof wurde das herrschaftliche Gutshaus 1739 errichtet. Die Hofanlage war stets eine stattliche und repräsentative Anlage. Vor allem der Park erhielt bald ein "modisches Aussehen" durch besondere Anlagen. Romantische Gartenarchitektur, wie der sogenannte "Römerturm", erweiterten den barocken Garten zum englischen Landschaftsgarten.

Die Erhaltung, Erneuerung und Pflege einer solchen Hof- und Gartenanlage erfordert viele Mühe, und es ist um so mehr anzuerkennen, dass die heutige Besitzer-Familie von Reden-Lütcken neben ihrer Arbeit auf dem Hof sowie der Aufgabe, das Herrschaftshaus zu erhalten und als repräsentatives Gebäude zu tradieren, sich mit ebensolcher Mühe und Sorgfalt auch dem Garten gewidmet und vor allem die Ruinenarchitektur erneuert hat.

Die Rückführung des Herrschaftshauses und des Parks auf die Zeit um 1887 ist erklärtes Ziel aller Maßnahmen. Besonders hervorzuheben sind die Restaurierungsarbeiten an den barocken Fassaden. Die Reparaturen und notwendigen Erneuerungsarbeiten wurden detailgetreu und materialgerecht durchgeführt. Es war sicher schwer, über Jahre hinweg mit einem heruntergekommenen Herrschaftsgebäude und Park zu leben und dabei eine Identifikation mit seinem Besitz zu entwickeln. Heute, nachdem das Herrschaftsgebäude wieder hergerichtet ist und seine repräsentative Aufgabe für die Georgenau wieder erfüllt, ist dies keine Frage mehr und eigentliche schon wieder selbstverständlich.

Mit hohem Engagement und Mitanpacken hat die Familie von Reden-Lütcken dies geschafft und kann stolz auf das Erreichte sein. Dadurch werden auch die immer noch anstehenden zukünftigen Aufgaben - wie die Suchen nach einer Nutzung des großen Herrschaftshauses oder die Weiterführung der Arbeiten im Park - erst möglich und auch nicht unüberwindlich.

(Texte und Bilder: Ulrich Gräf)

Hinweise

In Heft 1 eines jeden Jahrgangs berichten wir in der Schwäbischen Heimat ausführlich über die aktuelle Preisverleihung und die Preisträger. Sonderdrucke können Sie kostenlos bei der Geschäftsstelle bestellen.

Die Preisträger werden im Spätsommer eines jeden Jahres bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet üblicherweise im Herbst in der Stadt oder Gemeinde eines der Preisträger statt.

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern