Träger des Denkmalschutzpreises 1982

. . . . . .

Träger des Denkmalschutzpreises 1982

Drei Gebäude und ihre Besitzer erhielten 1982 den Denkmalschutzpreis (Peter-Haag-Preis) des Schwäbischen Heimatbundes. Preiswürdig hielt das Preisgericht drei Fachwerkhäuser mit unterschiedlichen historischen Nutzungen.

Die Preisträger 1982

Bürgerhaus Blaubeuren, Marktstraße 13 (1412)

Ein hohes Fachwerkhaus in einer engen Gasse

Marktstraße 13 nach der Renovierung (Aufnahme 2005)

Das Haus Marktstraße 13 - früher einmal Gastherberge zur Traube - wurde aufgrund der dendrochronologischen Datierung der Hölzer 1412 erbaut und ist damit eines der ältesten Fachwerkhäuser im Lande. Es zeichnet sich aus durch die voll ausgeprägte Fachwerkkonstruktion und birgt eine gotische Stube mit gewölbter Bohlenbalkendecke, teilweise erhaltenen Bohlenwänden und einem nach außen vortretenden Fenstererker. Der konstruktive Aufbau des zweigeschossigen, fast quadratischen Hauses folgt dem bekannten Schema: dreischiffige Längsteilung (bedingt durch die Hausbreite von ca. 12 m) und dreizonige Querteilung. Während im Erdgeschoss dieses Schema klar ausgeführt werden konnte, musste im Obergeschoss zur Ausbildung einer größeren, zur Straße orientierten Stube der Raster aufgegeben werden.

In der Mitte lief von der Straße zum Hof im Obergeschoss der Ern (Diele). Im seitlichen Schiff vorne die große Stube (mit gewölbter Bohlenbalkendecke, Bohlenwänden und Fenstererker), anschließend Küche und zum Hof orientiert eine kleine Stube, ebenfalls mit gewölbter Bohlenbalkendecke und Fenstererker. Die beiden Giebel stammen von einem Umbau im 17. Jahrhundert. Während der straßenseitige Giebel reiches Zierfachwerk zeigt, wurde der hofseitige Giebel mit einfachem "konstruktivem" Fachwerk errichtet. 1721 erstmals und auch noch 1815 wird das Haus als "Gastherberg zur Traube" erwähnt.

Hofansicht mit Holzbalkon

Hofansicht der früheren "Traube" in Blaubeuren

Während bei der Instandsetzung der stark nach außen geneigte Nordgiebel wieder senkrecht gestellt werden konnte, musste der hofseitige Giebel abgetragen werden. Hier wurde der ursprünglich vorhandene Krüppelwalm wieder hergestellt. Im Erdgeschoss wurde zur Erschließung von Parkplätzen im Hof eine Durchfahrt eingebaut.

Ziel der Instandsetzungsmaßnahmen war nicht eine Rekonstruktion der Raumteilung und der äußeren Erscheinung, sondern die Reparatur des "gewachsenen Zustandes", wobei die wesentlichen Bauteile des ursprünglichen Hauses sichtbar blieben.

Obwohl der Abbruch unabwendbar schien, konnte das Gebäude schließlich doch noch im Zusammenwirken von Eigentümer (Hermine und Josef Unsöld), Architekt (Manfred Kurz) und amtlicher Denkmalpflege gerettet und in beispielhafter Weise wiederhergestellt werden. Damit werden an einer der Hauptstraßen von Blaubeuren Anregungen gegeben und Maßstäbe gesetzt für die weitere städtebauliche Entwicklung im historischen Kern der Stadt.

Sog. Kloster Reutlingen-Gönningen, Hauptstraße 44 (17. Jh.)

Straßenansicht mit Fachwerk bis unter den Giebel

Giebel- und Traufseite mit hohem Sockel über dem Gewölbekeller

Das stattliche Fachwerkhaus Hauptstraße 44 in Gönningen (Stadt Reutlingen) stammt aus dem frühen 17. Jahrhundert und ist nach der Überlieferung von historischer Bedeutung. Es diente einst als Beginenhof, und wird deshalb gelegentlich auch als "Kloster" bezeichnet. Zu Beginn der 70er Jahre sollte es - zusammen mit anderen für den Straßenzug charakteristischen Giebelhäusern - abgerissen werden, um Raum für großzügigen Straßenausbau zu gewinnen. Nach langen Auseinandersetzungen fiel die Entscheidung gegen den Abriss.

Das "Kloster" konnte von den jetzigen Eigentümern Dr. Dörte und Dr. Wolfgang Rumetsch erworben werden. Sie haben es mit ihrem Architekten Erich Jakobi von Grund auf wiederhergestellt und für eine moderne Nutzung eingerichtet. Damit wurde nicht nur ein - allerdings noch nicht überall verstandenes - Signal gegeben für die weitere Entwicklung des Ortsbildes von Gönningen; die Diskussion um Erhaltung oder Abriss dieses Hauses und seiner Nachbarn hat auch den Bürgern der Gemeinde die Probleme der Denkmalpflege deutlicher erkennbar gemacht.

Auch hier ist von einem hohen Anteil an Opferbereitschaft, Eigenarbeit und zäher Geduld zu berichten. Hervorzuheben ist aber die besondere Bedeutung der Wiederherstellung gerade dieses Hauses für die Diskussion um die Entwicklung Gönningen.

Waldgerichtshaus Dornstetten-Aach (1554)

Stattlicher Fachwerkbau mit offenen Arkaden im Erdgeschoss

Das stattliche "Waldgericht" mit seinen offenen Arkaden und dem Renaissance-Fachwerk

Das um die Mitte des 16. Jahrhunderts erbaute - "Haus des Waldgerichts" in Dornstetten-Aach ist nicht nur vermutlich das älteste Gasthaus weitum - bis 1936 hieß es die "Alte Sonne" -, es hat auch rechts- und verwaltungsgeschichtliche Tradition: bei ihm tagte das Waldgericht und entschied über alle im Waldgeding, einer Genossenschaft freier Leute aus dem weiteren Umkreis, anstehenden Fragen und Händel.

Seit 1936 diente das Gebäude als Wohnhaus, in den 70er Jahren war der Abbruch so gut wie beschlossen. Dazu kam es nicht; die Eigentümer Leane und Joachim Hebestreit (Architekt: Friedrich Jäckle) entschlossen sich vielmehr, an die Geschichte anzuknüpfen: das Haus wurde von Grund auf saniert und wiederhergestellt und brauchbar gemacht für die Weiterführung der Gasthaus-Tradition unter den modernen Gegebenheiten und Erfordernissen.

Besonders hervorzuheben für das Waldgerichtshaus ist zum einen der enorm hohe Anteil, den der Eigentümer an der Wiederherstellung genommen hat - mit vielen einfühlenden Überlegungen, von denen er sich leiten ließ, vor allem aber auch mit einem kaum abzuschätzenden Maß an eigenem körperlichen Einsatz und handwerklicher Arbeit, und nicht zuletzt mit großem persönlichen Risiko. Nicht übersehen werden sollte, dass er ein Kultur- und Geschichtsdenkmal von Rang wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat, in dem er - an die Tradition der historischen "Taferei" und der "Alten Sonne" anknüpfend - im wiederhergestellten Hause des Waldgerichts eine einladende Gastwirtschaft (mit Hotel) betreibt.

(Fotos: Schwäbische Heimat 1982, Heft 4; Langner)

Hinweise

In Heft 1 eines jeden Jahrgangs berichten wir in der Schwäbischen Heimat ausführlich über die aktuelle Preisverleihung und die Preisträger. Sonderdrucke können Sie kostenlos bei der Geschäftsstelle bestellen.

Die Preisträger werden im Spätsommer eines jeden Jahres bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet üblicherweise im Herbst in der Stadt oder Gemeinde eines der Preisträger statt.

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern