Träger des Denkmalschutzpreises 1978

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Träger des Denkmalschutzpreises 1978

Im Frühjahr 1978 hat der Schwäbische Heimatbund den Peter Haag-Preis für denkmalpflegerisch beispielhaft gestaltete Bauten gestiftet. Im Dezember 1978 wurde der Peter Haag-Preis zum ersten Male verliehen, und zwar in Ulm, weil dorthin der Hauptpreis gefallen war; außerdem wurden vorbildlich wiederhergestellte Häuser in Mühlhausen (Villingen-Schwenningen) und Schwäbisch Hall ausgezeichnet. In einer Feierstunde im Ulmer Schuhhaussaal überreichte Prof. Willi Birn die von dem Tübinger Bildhauer Ugge Bärtle geschaffene Plakette an die Eigentümer der ausgezeichneten Häuser: Heinz Lange (Ulm) sowie Fritz Gräter (Schwäbisch Hall) und Wilfried Leibold (Villingen-Schwenningen, Stadtbezirk Mühlhausen).

Die Preisträger 1978

Bürgerhaus, Weinhofberg 8 in Ulm (17. Jh.)

Ansicht des großen Fachwerkgiebels

Die Giebelseite des mit dem Peter Haag-Preis ausgezeichneten Hauses am Weinhofberg 8 im Ulmer Fischerviertel.

Das Haus Weinhofberg 8 steht räumlich und zeitlich zwischen dem Stegbad und der Lochmühle. Diese dürfte im Kern aus dem frühen 17. Jahrhundert stammen, das Stegbad weist noch das bald nach 1500 vom Ulmer Rat verbotene sog. angeblattete Fachwerk auf. Am Haus Weinberghof 8 trifft man dagegen eingezapftes Fachwerk - und zwar mit der bis weit ins 16. Jahrhundert hinein typischen kurzen, verkröpften Form der Fußstreben. Es handelt sich um das einzige noch erhaltene Beispiel für diese Art einst typischer Ulmer Wohnhäuser.

Es war baufällig und zum Abbruch vorgesehen. Heinz Lange erwarb auch dieses Haus und ließ es - in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege - wiederherstellen, so dass es heute ein Bindeglied ist zwischen den beiden bereits zuvor von ihm vor dem Abbruch bewahrten und wiederhergestellten Häusern und zusammen mit ihnen ein eindrucksvolles Ensemble bildet am Eingang zum Ulmer Fischerviertel von der Neuen Straße her.

Zusammen mit dem "Zunfthaus der Schiffleute", das die Stadt Ulm 1969 erworben und inzwischen gründlich saniert hat, sollte diese Dreiergruppe ausstrahlende Kraft und anregende Wirkung auf das gesamte Ulmer Fischerviertel entwickeln können, das immerhin das einzige noch halbwegs geschlossen erhaltene mittelalterliche Quartier der ehemals freien Reichsstadt ist!

Ehemaliges Pfarrhaus in Mühlhausen (Villingen-Schwenningen) Tuninger Straße 13 (1670)

Außenansicht mit freigelegtem Fachwerk

Das restaurierte ehemalige Pfarrhaus in Mühlhausen aus der Zeit kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg.

Das ehemalige Pfarrhaus in Mühlhausen wurde um 1670 erbaut. Eine dendrochronologische Untersuchung ausgebauter Hölzer des Fachwerks bestätigt dieses Datum. Im Jahre 1777 erfolgte ein größerer Umbau, von dem wahrscheinlich die heutige Form stammt. Das Haus diente den Pfarrern von Mühlhausen bis 1828 als Wohnhaus. Später ging es in Privatbesitz über und war von 1860 bis ca. 1890 das Gasthaus "Zum Hirschen".

Mühlhausen wurde 1970 nach Schwenningen eingemeindet. Die nachfolgenden Jahre brachten dem einst stillen Dorf große Bautätigkeit im Tiefbausektor. Mühlhausen sollte ein modernes Dorf werden; dem stand das "Alte" im Wege. Ein erstes Opfer sollte durch den Abbruch der alten Pfarrscheuer gebracht werden. Dank dem energischen Auftreten des Denkmalamtes und durch die Gründung einer örtlichen Privatinitiative konnte dies vermieden werden; der Ortskern von Mühlhausen sollte erhalten bleiben. Hierzu gehörte auch der ehemalige Hirschen.

Inschrift

Inschrift an der Fassade.

Der Zustand des Hauses war jedoch desolat. Nachdem die Anbauten auf drei Seiten des Hauses entfernt waren, bot sich manch unliebsame Überraschung. Das unter dem Putz liegende Fachwerk war teilweise zerstört und musste erneuert werden. Kurz darauf ließ die Stadt Villingen-Schwenningen auch das oberhalb des Hauses liegende Rathaus nach Gesichtspunkten der Denkmalpflege renovieren. Mühlhausen hat damit wahrlich einen Ortskern, der sich sehen lassen kann.


"Haus am Roten Steg" in Schwäbisch Hall, Bahnhofstraße 3 (1515)

Fachwerkhaus von vorne

Das spätgotische Handwerkerhaus in der Altstadt von Schwäbisch Hall

Das "Haus am Roten Steg" in Schwäbisch Hall lehnt sich eng an die alte Stadtbefestigung "jenseits Kochers" an. Eduard Krüger - er hat schon 1958 eine Renovierung des Hauses angeregt und das Fachwerk aufgenommen - beschreibt die Situation: Das Rotsteg-Tor bildet, ganz erhalten, den westlichen Brückenkopf der Holzarche des Roten Stegs. Sein Steinteil (Grundfläche 6 x 5 m) ist 6 m hoch und enthält zwei Geschosse... Der Durchlaß zur Brücke zeigt eine Umrahmung mit hübschem spätgotischem Stabwerk, das man auf 1515 datieren mag... Fugen an der Stadtmauer beweisen, daß das Tor erst nach 1500 entstanden ist... Das spätere 18. Jahrhundert setzte das heutige Fachwerkgeschoß und ein gekurvtes Zeltdach auf... Zusammen mit der Brücke ergibt das Rotsteg-Tor ein überaus liebliches Bild, zu mal sich südlich noch ein gutes spätgotisches Fachwerkhaus anschließt.

Das Gebäude, in dem offensichtlich früher einmal Rotgerber ihr Gewerbe ausgeübt haben (man fand im Keller einen Brunnen und eine Grube mit Tierabfällen) und vielleicht auch Hafner (worauf Reste eines Brennofens schließen lassen), hat Fritz Gräter vor jetzt fünf Jahren erworben und so wiederherstellen lassen, dass es in seiner alten Bausubstanz möglichst erhalten blieb und zugleich auch den Bedürfnissen eines modernen Geschäftes dienstbar gemacht werden konnte. Zur Gestaltung des Ausstellungs- und Eingangsbereichs wurden die Schaufensterscheiben nicht in die Außenfront des Hauses eingefügt, sondern in eine Passage zurückgenommen. So konnte man vermeiden, dass sich das Erdgeschoss sozusagen in ein gläsernes Nichts auflöste. Innerhalb des Hauses wurde auch der alte Wehrgang an der Stadtmauer, der außerhalb der Giebelwand lag, in das erste Geschoss einbezogen. So wurde ein Stück der alten Stadtmauer sichtbar und zugänglich; auch der Turm - der allerdings im städtischen Eigentum blieb und nur pachtweise mitgenutzt werden kann - wurde in die Neugestaltung einbezogen.

(Bilder + Texte: Rueß, Leibold, Haida, Leygraf, Langner)

Hinweise

In Heft 1 eines jeden Jahrgangs berichten wir in der Schwäbischen Heimat ausführlich über die aktuelle Preisverleihung und die Preisträger. Sonderdrucke können Sie kostenlos bei der Geschäftsstelle bestellen.

Die Preisträger werden im Spätsommer eines jeden Jahres bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet üblicherweise im Herbst in der Stadt oder Gemeinde eines der Preisträger statt.

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern