Schützinger Grundschulkinder erfassen steinerne Zeugen der Geschichte

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Schützinger Grundschulkinder erfassen steinerne Zeugen der Geschichte

Mit dem Thema Kleindenkmale wurde nun ein weiterer Abschnitt im Rahmen des Modellprojekts "Denkmalpflege macht Schule" an der Grundschule Schützingen in Angriff genommen.

Kinder an einem Grenzstein im Wald

Mit Hilfe von Förster Bronn entschlüsselten die Schützinger Grundschülerinnen und Grundschüler die Inschriften der Grenzsteine.

Mehrmals musste der Projekttag verschoben werden, denn die Grenzsteine auf dem Schützinger Burgberg lagen lange unter einer dicken Schneedecke verborgen. Doch endlich konnten sich die Dritt- und Viertklässler gemeinsam mit dem früheren Revierförster Erwin Bronn, der die Grenzsteine auf Schützinger Markung kartiert hat, Klassenlehrerin Claudia Koehnsen und Projektleiterin Luise Lüttmann auf die Suche nach den steinern Zeugen einstiger Territoriumsgrenzen machen.

Der Aufstieg auf den hohen Burgberg war anstrengend, doch die Schülerinnen und Schüler wurden dafür belohnt. In kurzen Abständen entdeckten die "Kleindenkmaldetektive" entlang des Kammweges immer wieder Grenzsteine mit unbekannten eingemeißelten Zeichen und schwer entzifferbaren Zahlen. Doch Herr Bronn konnte bei der Entschlüsselung der Inschriften helfen. Und so erfuhren die interessierten Kinder, dass die alten Steine auf diesem Teilstück nicht nur die Markungsgrenze zwischen Illingen und Schützingen kennzeichnen, was an den Ortssymbolen zu erkennen ist: dem Pflugsech (Scharvorschäler) für Illingen und dem Schlüssel für Schützingen. Sie markieren gleichzeitig die frühere Waldbesitzgrenze zwischen Kloster Maulbronn, erkennbar an dem Abtstab, und Illingen, heute die Grenze zwischen dem Staatswald und dem Gemeindewald Illingen.

Kinder vermessen einen Grenzstein im Wald

Gewissenhaft wurden die Grenzsteine von den Kindern vermessen, hier der älteste Stein von 1496.

Eifrig wurden die Steine fotografiert, vermessen und die Daten über Art des Kleindenkmals, Standort, Größe, Material und Zustand sowie eine Zeichnung der Zeichen in Erfassungsblätter eingetragen.

Dabei stießen die Schülerinnen und Schüler auch auf den ältesten Grenzstein des Enzkreises. Der sogenannte "Dreimärker" von 1496 markiert die Stelle, an der sich die Illinger und Schützinger Markungen sowie die "Hundert Morgen" treffen. Zu dem Hundert-Morgen-Wald gibt es auch eine Sage. Danach verpfändete die Gemeinde Illingen in einer Zeit schwerer Bedrängnis diesen Waldteil dem Kloster Maulbronn mit dem Zusatz, die Pfandsumme an einem bestimmten Tag zu einer genau festgesetzten Stunde, nicht früher und nicht später, heimzuzahlen. Die Gemeinde brachte die Schuldsumme rechtzeitig zusammen und sandte einen Boten nach Maulbronn. Zwei Mönche hielten diesen aber in Lienzingen auf und machten ihn betrunken, so dass er das Geld nicht rechtzeitig abliefern konnte, worauf dann das Kloster den Wald an sich zog.

Nach dem anstrengenden Marsch erfrischten sich zum Schluss alle noch am Burgbrünnele, ebenfalls ein Kleindenkmal, bevor der Heimweg angetreten wurde. Die Klassen 1 und 2 werden sich nun gemeinsam mit Luise Lüttmann auf die Suche nach Gedenksteinen und Zeugen des Weinbaus machen.

(Text und Fotos: Luise Lüttmann)