Denkmalpflege macht Schule

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Denkmalpflege macht Schule

Schüler stellen Lehmziegel her

Schülerinnen und Schüler der Grundschule Schützingen stellen eigenhändig Lehmziegel her.

Man schützt nur was man kennt. Getreu diesem auch für die Denkmalpflege gültigen Motto hat der Schwäbische Heimatbund gemeinsam mit Dipl.-Ing. Luise Lüttmann vom Planungsbüro LebensRäume sowie den Schülerinnen und Schülern und dem Kollegium der Grundschule Schützingen das bislang in Baden-Württemberg einzigartige Modellprojekt "Denkmalpflege macht Schule" gestartet.

Ziel des Projektes ist es, schon bei Grundschülern Verständnis und Einsicht für die Notwendigkeit der Bewahrung unseres kulturellen Erbes zu wecken. In mehreren Teilprojekten erschließen sich die Schülerinnen und Schüler das Thema durch entdeckendes, forschendes und tätiges Lernen mit allen Sinnen. Sie erleben und dokumentieren die Denkmallandschaft Schützingens, eines Teilorts von Illingen im Enzkreis, mit seinen bedeutenden Bau- und Kunstdenkmalen, gehen auf die Suche nach Kleindenkmalen und erfahren die Bedeutung der archäologischen Denkmalpflege bei einer Exkursion zu einer archäologischen Grabung.

Sichtbares Zeichen des emsigen Lernens und Arbeitens soll ein selbst gebautes Fachwerkhäuschen auf dem Schulhof werden, für das die Sechs- bis Zehnjährigen bei der Auftaktveranstaltung am 18. Mai 2004 die Biberschwanzziegel, die später das Häuschen decken sollen, selbst herstellten.

Doch zuerst präsentierten die einzelnen Klassen nach der Begrüßung durch Schulleiter Berthold Diehl, Dr. Walter Kilian, dem Stellvertretenden Vorsitzenden des Heimatbunds, und durch Winfried Scheuermann, MdL und stellvertretender Bürgermeister von Illingen, gemeinsam mit ihren Lehrerinnen, Bernadette Scheib, Gertrud Kimmerle-Hoppe und Claudia Koehnsen ihre bisherigen Ergebnisse.

Denn die Auftaktveranstaltung ist eingebunden in eine ganze Reihe von Projekttagen. So ging es am Anfang um die Frage Was ist das eigentlich ein Denkmal? Die Schüler/-innen sollten sich im Vorgriff überlegen, was ein Denkmal sein könnte, ein Beispiel dafür suchen und dieses als Zeichnung oder Foto darstellen. Bei einer Einführung präsentierten sie ihre Ergebnisse und diskutierten, was ein Denkmal ausmacht. Alle Ergebnisse sammeln die Kinder in einem persönlichen Lerntagebuch, das Luise Lüttmann in Form eines giebelständigen Hauses vorbereitet hatte. Natürlich darf beim ganzheitlichen Lernen ein Projektlied nicht fehlen. Der Refrain Wer will fleißige Handwerker sehen, der muss zu Frau Lüttmann gehen, schallte auch bei der Auftaktveranstaltung fröhlich über den Schulhof.

Denkmalpflege konkret mit Hand und Herz

Eine Schülerin an der Zeitleiste aus Korken

754 auf Draht aufgezogene Korken für die Jahrhunderte, die seit dem Bau der Ulrichskirche vergangen sind. Die Zettel markieren wichtige historische Ereignisse und - nicht zuletzt - die Geburtsdaten der Schüler.

Zwei Projekttage waren den Bau- und Kunstdenkmalen sowie der Siedlungsstruktur des historischen Ortskerns von Schützingen gewidmet. Den Beginn der zahlreichen Lernstationen machte eine Zeitwerkstatt, in der die Spanne zwischen dem ältesten Bauwerk und heute durch die Erstellung einer Zeitleiste veranschaulicht wurde. An der Schützinger Ulrichskirche entdeckten die Schülerinnen und Schüler den Wehrcharakter, und im Kircheninneren verwandelten sie sich in Kirchenmaler und malten zu gregorianischer Musik Motive des Bildprogramms der Malereien von ca. 1300 auf große Pappen.

Um das Fachwerkhaus und seine Unterschiede zur heutigen Bauweise ging es bei einer weiteren Station: Woraus besteht ein Fachwerkhaus? Wie wurde das Holz bearbeitet? und Welche Namen haben die verschiedenen Balken? waren einige der Fragen, die die Kinder durch dieses Kapitel der Baugeschichte führten. In die Theorie flocht Luise Lüttmann immer wieder praktische Übungen ein. So durften die Kinder Eichenbalken mit der Hobelzahnsäge zersägen und merkten, wie anstrengend Handarbeit in früheren Zeiten war. Wie alt Fachwerkhäuser sein können, war bei der Kartierung von Jahreszahlen oder von mittelalterlichen Gestaltungselementen wie dem Eselsrücken zu entdecken. Und ein noch in Arbeit befindliches Modell des historischen Schützinger Ortskerns verdeutlicht die heute noch ablesbare Siedlungsstruktur des Straßendorfs mit seinen Hakengehöften.

Schüler stellen Lehmziegel her

Schülerinnen und Schüler der Grundschule Schützingen stellen eigenhändig Lehmziegel für ihr eigenes Fachwerkhaus her.

Doch dann ging es nach den vielen Worten endlich los: In die von Luise Lüttmann eigens gefertigten Ziegelformen drückten die 33 Schülerinnen und Schüler den von den von der Firma Koramic/Ziegelwerke Mühlacker gespendeten Ton, arbeiteten die Nase heraus, stürzten den Ziegel auf ein Trockenbrettchen und gestalteten dann die Oberseite des Biberschwanzes durch Einritzen mit Motiven ihrer Wahl. Nach dem Trocknen werden die Ziegel in einer Töpferei gebrannt. Später werden sie das Dach des Fachwerkhäuschens krönen, das der ortsansässige Zimmerermeister Fischer gemeinsam mit den Schülern, Lehrern und Eltern in traditioneller Bautechnik aufschlägt.

(Lesen Sie mehr darüber, wie die Kinder das Fachwerkhaus selbst errichtet) und die Gefache mit Lehm geschlossen haben.)

Außerdem: Die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich mit Gedenksteinen, wandeln auf den Spuren der historischen Weinbaulandschaft und arbeiten in der Steinhauerstube in Schmie.