Erhaltung historischer Terrassenweinberge – Ein Leitfaden.

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Erhaltung historischer Terrassenweinberge – Ein Leitfaden.

von Franz Höchtl, Claude Petit, Werner Konold, Volkmar Eidloth, Sebastian Schwab und Claudia Bieling (Culterra, Schriftenreihe des Instituts für Landespflege der Albert-Ludwigs- Universität Freiburg, Band 58). Freiburg 2011. 190 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. Gebunden € 25,–. ISBN 3-933390-45-1

Titelblatt

Das Buch entstand als Ergebnis des Projekts Historische Weinberge: Winzer, Denkmalpflege und Naturschutz auf einem gemeinsamen Weg, das in den Jahren 2006 bis 2010 am Institut für Landespflege der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg bearbeitet wurde. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, die Bristol-Stiftung Zürich, der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, das Regierungspräsidium Freiburg sowie das Landesamt für Denkmalpflege beim Regierungspräsidium Stuttgart unterstützten es finanziell. Das Projekt wurde im Rahmen von vergleichenden Studien in baden-württembergischen, bayerischen und schweizerischen Weinbergen bearbeitet.

Terrassenweinberge prägten über Jahrhunderte hinweg das Erscheinungsbild vieler Weinbaugegenden. Die Bewirtschaftung der steilen Terrassenweinberge erfordert jedoch ungleich mehr Aufwand als die Bewirtschaftung rebflurbereinigter Weinberge. Aus Rentabilitätsgründen fallen deshalb die Terrassenweinberge zunehmend aus der Nutzung und verbrachen. Ziel des Projekts war es, auf der Grundlage von Kriterien, die Nutz- und Schutzansprüchen entsprechen, Ansätze und Instrumente für den Erhalt und die Entwicklung von historischen Terrassenweinbergen aufzuzeigen. Von Anfang an wurde versucht, einen integralen Ansatz zu verfolgen und die Interessen der Bewirtschafter mit denen des Natur- und Denkmalschutzes in Einklang zu bringen. Die Datenerhebung erfolgte zum einen durch Interviews mit Akteuren des Weinbaus, von Vertretern des Naturschutzes und der Denkmalpflege sowie von Heimatvereinen und Agendagruppen, zum anderen mittels Methoden der historischen Landschaftsanalyse sowie der empirischen Sozialforschung.

Im Hauptteil wird der Beschreibung der Elemente im historischen Terrassenweinbau breiter Raum eingeräumt. Sehr lesenswert ist die hier vorgenommene Klassifizierung von Mauern, Mauerverbänden, Mauerkronen, Treppen, Wegen und Elementen der Wasserabführung, die sich aus dem synoptischen Vergleich der Untersuchungsstandorte ergaben. Hier erfährt der Leser, dass sich die Elemente im Weinberg als Ergebnis der vor Ort vorkommenden Gesteine, standörtlicher Gegebenheiten und etwa handwerklicher Fertigkeiten der Erbauer erweisen. Die Elemente spiegeln aber auch die sozialen Gegebenheiten der Eigentümer wider, etwa deren finanzielle Möglichkeiten oder deren Repräsentationsbedürfnis.

Im Buch wird darauf hingewiesen, dass sich auch die Denkmalpflege seit langer Zeit für die Sicherung der Terrassenweinberge einsetzt und zahlreiche Reblagen unter Denkmalschutz gestellt sind. Der Denkmalwert einer Reblage ergibt sich aus dem historischen Wert, der Repräsentativität, dem Originalitätswert sowie deren Wert im kulturlandschaftlichen Kontext. In einem weiteren Kapitel wird auf die Sanierung und die Pflege historischer Terrassenlagen eingegangen. Technischen Methoden, wie etwa der Sanierung der Mauern mit künstlichen Bindemitteln (z. B. SAL-Verfahren), wird die Berechtigung nicht abgesprochen, wenngleich die Autoren für die Wiederherstellung beschädigter Mauern in Trockenbauweise plädieren.

Breiter Raum wird der Beschreibung der Instrumente zur Erhaltung historischer Terrassenweinberge eingeräumt. Der Bogen reicht hier von finanziellen und ordnungsrechtlichen Instrumenten über planerische/organisatorische bis zu informationellen Instrumenten. Von den zahlreichen aufgeführten Instrumenten seien nur folgende zwei genannt. Aus der Befragung von Winzern, Weinhändlern und Weinexperten konnte beispielsweise eruiert werden, dass historische Terrassenweinberge einige spezielle Eigenheiten aufweisen, die für ein gezieltes Marketing genutzt werden können. Im Sinne des Mottos Premiumlandschaft schafft Premiumqualität soll den Kunden bewusst gemacht werden, dass sie mit dem Kauf von Weinen aus entsprechenden Reblagen zur Pflege unserer Kulturlandschaft beitragen. Eine entsprechende Etikettierung der Weine kann diese Wirkung unterstützen. Immerhin wird diese Slow Food-orientierte Personengruppe, die auf Genuss, Gesundheit und nachhaltigen Lebensstil bedacht ist und die für solche Marketingstrategien empfänglich ist, auf ein Drittel der deutschen Bevölkerung geschätzt. Als Beispiel wird die Weingärtnergenossenschaft Roßwag- Mühlhausen genannt, die mit der Vermarktung ihres Lembergers 401 diesen Weg erfolgreich beschreitet und im Übrigen vom Schwäbischen Heimatbund hierfür mit dem Kulturlandschaftspreis 2011 ausgezeichnet worden ist.

Aber auch aus dem neuen Bezeichnungsrecht für Weine ergeben sich nach Einschätzung der Autoren interessante Chancen für den Namensschutz von historischen Weinlagen und damit Möglichkeiten für deren Erhalt. Wenn es gelänge, so die Autoren, alte Gewannnamen aus dem Kontext einer Großlage herauszulösen, so könnten die dort erzeugten Weine, analog zum französischen Grand Cru-Konzept, unter einem eigenen Namen und anspruchsvollem Qualitätsprofil gewinnbringend vermarktet werden.

Das Buch ist zwar als Leitfaden für die Erhaltung historischer Terrassenweinberge konzipiert, erfüllt aber angesichts seines umfangreichen Grundlagenteils in weiten Teilen die Kriterien eines Nachschlagewerkes. Der integrale Ansatz, das heißt alle Akteure im Weinberg, vom Naturschützer und Denkmalpfleger bis zum Winzer, Händler und Kunde in die Studie mit einzubeziehen, hat sich als guter Ansatz erwiesen. Daraus konnten zahlreiche und z. T. sehr innovative Strategien betreffend der Erhaltung historischer Terrassenweinberge generiert werden. Der Leitfaden ist insofern ein informativer, praktischer und in der Sprache verständlicher Ratgeber für alle, die mit der Bewirtschaftung, der Sanierung, der Pflege und dem Erhalt historischer Terrassenweinberge zu tun haben. Man kann dem Leitfaden einen breiten Leserkreis nur wünschen.

Siegfried Roth