Günter Künkele: Steiniges Paradies. Faszinierende Lebensräume der Schwäbischen Alb.

. . . . . .

Günter Künkele: Steiniges Paradies. Faszinierende Lebensräume der Schwäbischen Alb.

Titelblatt

Silberburg-Verlag Tübingen 2011. 208 Seiten, 222 Farbfotos, fester Einband. € 24,90. ISBN 978-3-8425-1138-5

Die Schwäbische Alb ist eine der faszinierendsten Kulturlandschaften Europas. Die Geologie, die Böden, das Klima und der wirtschaftende Mensch sind die bestimmenden Gründe für den Reichtum an Lebensräumen. Diese reichen von den Streuobstwiesen am Albanstieg über die mächtigen Hallen-Buchenwälder am Albtrauf bis zu archaischen Kulturlandschaften wie dem ehemaligen Truppenübungsplatz auf dem Münsinger Hardt. Günter Künkele, Naturschützer und einer der profiliertesten Kenner der Schwäbischen Alb, beschreibt in diesem Buch die auf der Alb vorkommenden Lebensräume und gibt spannende Einblicke in deren Tier- und Pflanzenwelt. Der Autor ist selbst Älbler. Kleine Anekdoten und Erinnerungen aus seiner Kindheit bereichern das Buch und geben Einblick in das Leben und das Wirtschaften der Albbevölkerung, das, man kann es sich vorstellen, sich des Öfteren als entbehrungsreich erwies.

Der Reichtum an Lebensräumen ist erstaunlich groß. Angesichts der geologischen Gegebenheiten denkt man zunächst an Trocken-Lebensräume wie etwa Magerrasen, Wacholderheiden, Felsen und Steinriegel. Aber auch an Feucht-Lebensräumen hat die Alb einiges zu bieten wie etwa Hülen, Höhlen, Kalktuff-Quellen, Bäche und Flüsse. Mit dem Schopflocher Moor bei Schopfloch kann die Alb sogar mit einem Hochmoor aufwarten. Auf der Trockeninsel Schwäbische Alb ist das Vorkommen dieses Moortyps nur mit der besonderen geologischen Situation erklärbar. Das Moor ist das Ergebnis der Verlandung eines Sees über Wasser stauenden Basalttuffen eines ehemaligen Vulkanschlots aus dem Tertiär, ein besonders eindrückliches Zeugnis des sogenannten Schwäbischen Vulkans.

Der Autor stellt die Tier- und Pflanzenwelt der Lebensräume der Schwäbischen Alb sehr kenntnisreich und spannend dar. Die informativen Texte werden durch sagenhaftes und z.T. einzigartiges Bildmaterial ergänzt. Allein die Bilder lohnen den Kauf des Buches.

In den Lebensräumen haben sich im Laufe der Zeit sehr komplexe und vielschichtige Lebensgemeinschaften, sogenannte Biozönosen, entwickelt, die nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip funktionieren. So bereiten Pflanzen- und Tierpioniere das Terrain für eine ganze Palette von Nachfolgearten. Viele Arten sind auf Gedeih und Verderb zum Zusammenleben im gleichen Biotop verdammt. Manche gehen sogar eine Zweckgemeinschaft zum gegenseitigen Vorteil ein, wie beispielsweise einige Schmetterlingsarten mit Ameisen. So adoptieren spezielle rote Wiesenameisen die Raupen spezieller Bläulingsschmetterlinge. Sie nutzen sie als Melktiere. Zum Dank darf sich die Raupe von den Ameiseneiern ernähren und sich mästen. Sollte sich die Schmetterlingslarve eine falsche Wirtsameise ausgesucht haben, wird sie getötet und gefressen. Geht alles gut, ist wiederum eine neue Schmetterlingsgeneration gesichert. Bei den Bläulingen hängt also alles am Seidenen Faden. Der Autor beschreibt die komplexen Lebensgemeinschaften spannend. Manche Schilderungen wirken auf den Leser wie Auszüge aus einem Öko-Thriller.

Höchst komplizierte Lebensräume sind auch höchst bedrohte Lebensräume, wenn sich die Komponenten des Zusammenspiels ändern, etwa über Nutzungsänderungen durch den Menschen. Dann geraten die empfindlichen Lebensräume ins Ungleichgewicht und fallen zusammen wie ein Kartenhaus. Auch darauf macht der Autor aufmerksam. Eine wichtige Intention des Autors ist es deshalb, auf die Fragilität und Gefährdung dieser Lebensräume hinzuweisen und für den Erhalt dieses Naturerbes zu werben. Das Buch ist für eine breite Leserschaft geschrieben. Aber auch der fachkundige Leser und Albkenner wird immer wieder auf Neues stoßen. Man kann dem Buch eine breite Leserschaft wünschen.

Siegfried Roth