Gabriele Katz: Franziska von Hohenheim. Herzogin von Württemberg.

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Gabriele Katz: Franziska von Hohenheim. Herzogin von Württemberg.

Titelblatt

Belser Verlag Stuttgart 2010. 160 Seiten mit zahlreichen Abbildungen in Farbe. Gebunden € 22,95. ISBN 978-3-7630-2549-7.

Franziska von Bernerdin, geschiedene Freifrau von Leutrum, Reichsgräfin von Hohenheim und Herzogin von Württemberg war eine außergewöhnliche Frau, eine Ausnahmeerscheinung ihrer Zeit. Zweifelsohne zählt sie, der man immer noch eine gewisse Popularität zuschreiben kann, zu den großen Frauen im Hause Württemberg. Ihr von jeder Norm abweichender, erstaunlicher Lebensweg als Geliebte, dann offizielle Mätresse und schließlich Ehefrau des Herzogs Carl Eugen offenbart ein besonderes Kapitel der württembergischen Geschichte.

Die 1748 geborene Franziska von Bernerdin entstammte dem niederen Adel. Sie wuchs in ärmlich-bescheidenen Verhältnissen auf. Das mütterliche Stammschloss in Adelmannsfelden bei Ellwangen, in dem sie ihre Kindheit und Jugend verbrachte, glich eher einem größeren Bauernhaus. Mit 17 Jahren wurde sie mit Reinhard Freiherr vor Leutrum verheiratet, der als körperlich missgestaltet und psychisch labil beschrieben wird, unter finanziellen und gesellschaftlichen Gesichtspunkten jedoch eine gute Partie war. Die entscheidende Wende ihres Lebens wurde die Bekanntschaft mit dem zwanzig Jahre älteren Carl Eugen 1771, über die Gabriele Katz in ihrem Kapitel Liebe auf den ersten Blick anmerkt: Eros, Macht und Intrige gehörten zum Spiel der Höfe (...) das Spiel der Verführung war ausgefeilt und benutzte zahlreiche Requisiten (...) Affären sorgten für Gesprächsstoff und dienten der Unterhaltung, wurden aber äußerst gefährlich, wenn sie Teil bösartiger Manipulationen waren (...) Trotzdem oder gerade weil Franziska kaum den Anforderungen an Schönheit, Eleganz und Esprit entsprach und so in keiner Weise zu ihm zu passen schien, begann der Herrscher sich für sie zu interessieren - zu einem Zeitpunkt, als er sich in einer tiefen Krise befand.

Die württembergische Geschichtsschreibung hat die Beziehung zwischen Carl Eugen und Franziska, insbesondere auch den "positiven" Einfluss, den diese auf ihn gehabt hat, in vielfältiger Weise ausgeleuchtet. Im Mittelpunkt all dieser Literatur steht der Wandel des Herzogs vom absolutistischen Herrscher zum Landesvater. Mit Be- und Verwunderung wird beschrieben, wie dieser, der bislang nur häufig wechselnde Liebschaften kannte, glanzvolle Feste und Feiern veranstaltete, die das Land an den Rand des Ruins führten, nun zum vorbildlichen Regenten wurde, der sich für sein Land und seine Untertanen rastlos einsetzte. Richtig ist sicher, dass Franziska für den Herzog von großer Bedeutung wurde, obwohl oder gerade weil sie sich von der Politik und dem höfischen Leben fernhielt. Erstaunlich ist allerdings auch, wie diese Beziehung zwischen dem katholischen Fürsten und der frommen evangelischen Freifrau Gestalt gewann, sich zunehmend vertiefte und bis zum Tod Carl Eugens bestand.

Gabriele Katz ist den Versuchungen, die solch ein Stoff bietet, nicht erlegen. Ihr Buch ist fern jeder Effekthascherei und Sensationsgier. Hier werden weder gefährliche Liebschaften beschworen, noch frömmlerische Kritiken ausgebreitet. Der Autorin geht es nicht um einen Mythos oder um eine schillernde und widersprüchliche Person. Ihr geht es schlicht um die Frage, wer diese Frau wirklich war und wie sie ihr Leben tatsächlich geführt hat. Von dieser Fragestellung ausgehend, ist ihr eine Lebensbeschreibung gelungen, die, spannend geschrieben, Spekulationen meidet und sich auf beste Grundlagen - Archivalien, Briefe, Tagebucheinträge - stützt. Sie vermittelt dabei nicht nur einen hervorragenden Einblick in die Beziehung zweier ungewöhnlicher Menschen, sondern auch ein sehr anschauliches Bild jener Zeit in Württemberg. Im vergangenen Jahr 2011 jährte sich der Todestag Franziskas zum zweihundertsten Mal. Ein besseres Gedenken als dieses Buch hätte sie nicht bekommen können.

Wilfried Setzler